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Feuerwehr auf dem Prüfstand

Auetal Feuerwehr auf dem Prüfstand

Die idealisierte Form liest sich so: Wenn die kleine Feuerwehr aufgelöst wird, weil es nicht mehr genug Kameraden gibt, die den Dienst aufrechterhalten können, dann schließen sich die Brandbekämpfer einer Wehr im Nachbarort an. Die Die Realität sieht anders aus.

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Auetal. Wird eine Wehr geschlossen, dann zieht der größte Teil der betroffenen Kameraden den Feuerwehrrock aus, hängt ihn an den Nagel und zieht ihn niemals wieder an.

An Auetaler Beispielen gibt es zwei: Raden und Borstel. Und Gemeindebrandmeister Michael Möller reicht bei der Aufzählung der Feuerwehrleute aus Borstel und Raden, die sich einer Nachbarwehr angeschlossen haben, eine Hand – drei, vier, fünf, wenn überhaupt, mehr sind es nicht.

Möller hat im vergangenen Monat hinter verschlossenen Türen einen Vortrag gehalten. Er hat dem Verwaltungsausschuss einen umfassenden Bericht über die Auetaler Wehren geliefert. Und er hat die gesamte Wehr auf den Prüfstand gestellt.

Die wenig überraschende Erkenntnis: Der demografische Wandel macht auch bei der Feuerwehr keine Ausnahme. Die Zahl der aktiven Mitglieder ist gegenüber der vorherigen Erhebung gesunken, und einzelne Ortswehren erreichen ihre Mindeststärke nicht mehr. Die Antwort der Feuerwehr auf diese Herausforderungen ist die Aufgliederung in den Zug West (also Rolfshagen, Kathrinhagen und Bernsen), den Zug Mitte (mit Rannenberg, Escher, Rehren/Westerwald) und den Zug Ost (Schoholtensen, Klein Holtensen/Wiersen, Antendorf und Hattendorf). Soll heißen: Es wird längst nicht mehr nur eine Ortswehr alarmiert, sondern in vielen Fällen der gesamte Zug. „Im Ergebnis ist die Feuerwehr im Auetal damit grundsätzlich gut aufgestellt“, so Möller: Die aktiven Kameraden seien hoch motiviert und würden ihre ehrenamtliche Aufgabe erfüllen.

Der Grund, warum Möller bei seinen Wehren die Personalsituation abgefragt hat, findet sich in Schoholtensen: Die Wehr soll ein neues Fahrzeug erhalten, und zuvor musste abgeklärt werden, ob Schoholtensen der richtige Standort dafür sei, ob also die Wehr personell stark genug besetzt ist. Denn es mache ja keinen Sinn, ein Fahrzeug für eine Feuerwehr zu beschaffen, wenn es dann mangels Personal nicht bewegt werden könne. Sie ist gut besetzt, befand Möller nach der Erhebung – Schoholtensen/Altenhagen erhielt das Fahrzeug, und der Gemeindebrandmeister weitete die Erhebung auf alle anderen Wehren aus.

Möller und Bürgermeister Heinz Kraschewski sind sich in einer grundsätzlichen Frage einig: Bevor eine Wehr ein neues Fahrzeug oder Geld für eine größere Sanierung des Gerätehauses erhält, muss man sich fragen, ob dies noch sinnvoll ist. Man müsse sehen, sagt Möller, „an welcher Stelle welcher Schritt erforderlich ist“. Rat, Verwaltung und Feuerwehrführung schauen „kritischer“ auf die Zahlen, erklärt Möller: „Kritischer als jemals zuvor.“

Das bedeute keineswegs, dass einer weniger personalstarken Wehr keine Investitionen mehr zugestanden würden, so Möller, aber bei „wesentlichen Investitionen“ werde künftig im Einzelfall kritischer hinterfragt. „Das sind wir den Einwohnern schuldig.“

Die Probleme bei der Altersstruktur gibt es bei den Kindern und Jugendlichen nicht. „Ganz im Gegenteil“, sagt Möller, „hier sind wir aktuell stark genug, um bei der Truppmann-Ausbildung ganze Lehrgänge zu bestücken.“ Im Bereich der 30- bis 49-Jährigen gebe es dagegen „deutliche Defizite“, und das gelte für nahezu alle Ortswehren. Der oberste Feuerwehrmann des Auetals will dabei den demografischen Wandel nur bedingt als Verantwortlichen in die Pflicht nehme, er sieht die Versäumnisse auch woanders: Der Feuerwehr sei in der Vergangenheit „eine ganze Generation“ verloren gegangen. „Mit den Folgen müssen wir heute leben.“ Die Bedeutung von offensiver Kinder- und Jugendarbeit wurde nicht in allen Ortsfeuerwehren sofort erkannt. Ein Problem, das auch der vorherige Gemeindebrandmeister Karl-Heinz Nothold immer wieder moniert hatte. Und mit dem Ausscheiden der über 55-Jährigen in den nächsten Jahren könnte sich die personelle Situation verschärfen.

Die Zusammenlegung von Ortswehren, sagt Möller im Pressegespräch im Rehrener Rathaus, sei zurzeit kein Thema, aber man müsse etwas tun. Kernthema der Zukunft sei die Gewinnung neuer aktiver Feuerwehrmitglieder in allen Wehren, die Stärkung der Kinder- und Jugendarbeit sowie die Anerkennung der geleisteten ehrenamtlichen Arbeit erhöhen. Kraschewski verwies auf einen Satz, den er bei seinem Antritt als Bürgermeister gesagt hatte und der weiterhin Gültigkeit habe: Bürgermeister und Gemeindebrandmeister wollen nicht die Totengräber einer Ortswehr sein, vonseiten der Verwaltung gebe es daher keinerlei Anstalten, Ortswehren zwangsweise zusammenzulegen. Dies sei der gemeinsame Wille von ihnen beiden. rnk

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