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Fieberhaft auf der Suche

Raser beschäftigen Ratssitzung Fieberhaft auf der Suche

Auf der Tagesordnung hat der Punkt nicht gestanden, und dennoch ist es das wichtigste Thema bei der jüngsten Ortsratssitzung der Taubenberg-Dörfer gewesen: Die rasenden Motorräder sowie der Lärm, den sie machen. Rund 30 Anwohner und interessierte Bürger waren in das Bürgerhaus Uchtdorf gekommen.

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Was hilft gegen Motorrad-Raser in Taubenberg? Kontrollen, Tempolimits, Bodenschwellen? Die Anwohner fordern vehement eine Lösung. 

Quelle: ARCHIV

TAUBENBERG. Sicherlich nicht nur wegen des Motorrad-Themas, aber hauptsächlich. Und so wandelte sich die Einwohnerfragestunde schnell in eine Diskussionsrunde um. Die Frage: Was ist auf den Strecken das wirksamste Mittel gegen Raser? Der Ortsrat habe schon den Wunsch nach einem Verkehrsgutachten bei der Stadt angemeldet, doch das sei abgelehnt worden, so Ortsbürgermeister Bodo Budde. Daher wolle der Ortsrat ein unabhängiges Verkehrsgutachten zur K77 in Auftrag geben – doch das koste Geld, und das muss erst in den Haushalt eingestellt werden.

Dies befürwortete Bauamtsleiter Andreas Wendt, der als Vertreter der Verwaltung ebenfalls der Sitzung beiwohnte. Er verkündete, dass es eine Verkehrsbesprechung geben werde, die sich vor allem mit den Bereichen zwischen Uchtdorf und den Kurven (Überlegung: Drosselung auf Tempolimit 70) sowie der K77 bei Wennenkamp (Überlegung: Tempolimit 50) beschäftige.

Bürger baten darum, die Besprechung aufs gesamte Taubenberg-Gebiet auszuweiten, auch auf Uchtdorf, betonte Anwohnerin Anja Wille, und auch auf Goldbeck, wie der frühere Ortsbürgermeister Dieter Budde hinzufügte. Noch sei nicht klar, welche Teilstücke mit einbezogen würden, so Wendt. Es handele sich dabei um Kreis- und Landesstraßen, „die kann man nicht einfach so reglementieren“.

Unverständnis für neue Leitplanken

Anja Wille, Anwohnerin der Wennenkämper Straße, reagierte mit Unverständnis auf die neuen Leitplanken mit sogenanntem Unterfahrschutz an der K77: Damit mache man es den Rasern doch einfacher, schneller zu fahren. Das Tempo werde jedenfalls kaum eingehalten, „ auch nicht von Autos“. Linienbusse, Lastwagen, „alle knallen da runter“, bestärkte sie eine weitere Anwohnerin. Sie sei selbst betroffen gewesen: Im Juli gab es einen Unfall, bei dem eine 20-jährige Motorradfahrerin gegen ein parkendes Auto fuhr und schwer verletzt wurde. Ihr habe das Auto gehört. „Das ist kein schöner Anblick.“

„Wir sind über diese Maßnahmen nicht informiert worden“, antwortete Ortsbürgermeister Budde in Bezug auf die zusätzlichen Leitpfosten, die Leitplanken und den Unterfahrschutz. Wer dies angebracht hätte, wisse er gar nicht. Über die Bemühungen des Ortsrates echauffierte sich Stadtbrandmeister Friedel Garbe, der in Wennenkamp wohnt: Er warf dem Gremium wiederholt vor, zu wenig unternommen zu haben. „Die letzte Ortsratssitzung war im März. Was hat sich seitdem getan?“

Polizeikontrollen helfen

Bei dieser Sitzung habe die Bürgerinitiative gegen Motorradlärm (der Garbe selbst angehört, Anm. d. Red.) klar gemacht, mit welchen Belastungen sie durch die Motorräder zu „kämpfen“ habe. „Das ist jetzt ein halbes Jahr her“, so Garbe. Außerdem habe es in dieser Zeit „über ein Dutzend Unfälle“ gegeben, sechs davon schwer. Was helfe, sei eine Polizeikontrolle, wie sie am ersten Mai-Wochenende stattgefunden habe. Das habe sich unter den Bikern herumerzählt, dementsprechend ruhig sei es gewesen.

Dass die Polizei mehr und flexibler kontrollieren müsse, forderte auch Werner Schwochow aus Uchtdorf: Durch seine Wohnlage sei er besonders vom Motorradlärm betroffen. Eine Radarfalle bringe nichts, „die Fahrer sind zu gut vernetzt“. Gerade die Motorradstaffeln müssten mehr kontrollieren – vor allem am Wochenende und bei schönem Wetter.

Einspruch Bodo Budde: Natürlich seien mehr Kontrollen wünschenswert, doch gerade am Wochenende habe die Polizei viele andere Einsatzorte. Für die Ordnungshüter brach auch Friedel Garbe eine Lanze: Diese seien am Wochenende nur knapp besetzt, doch wenn die Beamten die Möglichkeit hätten, dann kämen sie.

100 km/h vor Ortseingang ein „Unding“

Es war nicht so, dass die Motorradfahrer gar keine Lobby an diesem Abend hatten: Ortsbrandmeister Marlon Sievert sagte, er fahre selbst gern, und es seien vielleicht zehn Prozent aller Fahrer, die Lärm machten. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung bringe nichts, „Lärm kann ich auch mit 70 km/h machen.“ Dass an der Bushaltestelle vor dem Ortseingang Wennenkamp 100 Stundenkilometer erlaubt sind, sei jedoch ein „Unding“. Sinnvoll seien Blitzer an jedem Ortseingang sowie mehr Kontrollen.

„Die Strecke muss für diejenigen, die rasen wollen, unattraktiv gemacht werden“, forderte ein Bürger aus Wennenkamp. Denkbar seien Fahrbahnschwellen vor den Kurven wie zwischen Kalldorf und Vlotho. „Der Vorschlag ist noch einer der besten“, lobte Ortsratsmitglied Werner Lehmeier. „Glaubt mir, im nächsten Jahr passiert auch noch nichts“, gab sich Dieter Budde als einer der letzten Redner resigniert. Verkehrsbesprechung:

Am Dienstag führte die untere Verkehrsbehörde, das ist die Stadt Rinteln, eine Verkehrsbesprechung zu diesem Thema durch. An dieser nahmen Vertreter des Ordnungsamtes, der Polizei, des Amtes für Straßenbau und Verkehr sowie ein Vertreter des städtischen Tiefbauamts teil. Auf Nachfrage konnte Ordnungsamtsleiter Ulrich Kipp noch kein Ergebnis mitteilen. mld

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