Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
Fruchtlos

Weniger Kirschbäume Fruchtlos

Spätestens Ende Juni fing sie an, die Zeit, in der die Hauptstraße gesäumt war mit Ständen, die vor allem eines feilboten: Kirschen. Doch jetzt? Ein Stand ist es, der an der Hauptstraße steht, der Stand der Künneckes.

Voriger Artikel
Wertvolle Münzen weg
Nächster Artikel
Gesucht: die optimale Lösung

An vielen Bäumen sieht man nur wenige Kirschen hängen. Unter anderem ist der kalte April Schuld daran. Doch nicht nur: Das Dorf hat sich gewandelt. Genau einen Kirschenstand gibt es derzeit in Todenmann; früher säumten zahlreiche Stände die Hauptstraße.

Quelle: mld

Todenmann. Es ist ein hartes Jahr für das berühmteste Produkt des Kirschendorfes; der warme März und die plötzliche Kaltfront im April forderten ihren Tribut. Das sieht man den Bäumen an: Die meisten tragen kaum Früchte. Es sind vor allem die früh blühenden Sorten, die noch vor dem Kälteschub von Bienen bestäubt werden konnten und nun Früchte tragen. Sorten aber wie Bernsteinkirsche, Maibigarreau oder Hedelfinger, die jetzt langsam reif sein sollten – sie weisen vor allem grüne Blätter vor.

Doch es ist nicht nur das Wetter, das Probleme bereitet – Todenmann hat insgesamt weniger Kirschen. Früher waren schätzungsweise 80 Prozent aller Obstbäume hier Kirschen. Inzwischen sieht man in den großzügigen Gärten vor allem Beete und gemähte Rasenflächen. Verliert Todenmann also nach und nach seine Kirschen? Ein Spaziergang mit Gerd Beu und Hans Kortemeier vom Verschönerungsverein lässt nichts Gutes erahnen.

„Früher standen hier doppelt so viele Bäume“, sagt Beu und zeigt vom Dankerser Wald aus auf Todenmann. Pro Grundstück seien es mindestens drei gewesen. Er zeigt Grundstücke, die teils nicht einen einzigen Baum aufweisen.

Natürlich – Kirschen sind keine Bäume, die man einfach so wachsen lassen kann. Sie müssen gepflegt, richtig geschnitten, abgeerntet und vor Vögeln geschützt werden. Wird ein Baum zu alt oder krank, muss er gefällt werden. An die gleiche Stelle kann man keinen neuen Kirschbaum pflanzen, denn er würde nicht gedeihen. Oft sind es ältere Menschen, denen die Grundstücke gehören. Von ihnen kann man sicherlich nicht mehr erwarten, dass sie hoch in die Kronen klettern, um die roten Früchte zu ernten.

Keine Lust mehr auf Kirschen-Vielfalt

Doch hört man Beu und Kortemeier zu, klingt es, als hätten viele Todenmanner keine Lust mehr auf Kirschen-Vielfalt. Sogar Bäume an allgemein zugänglichen Stellen blieben ungeerntet, und Ware aus dem Supermarkt würde bevorzugt. Gegen Import aus Südeuropa und schwere, dunkle Früchte aus Monokulturen können sich kleinere oder helle Kirschen – wie etwa die Dönnissens Gelbe Knorpel – nicht durchsetzen.

„Die Leute sind zu faul“, sagt Kortemeier klar. Der Verschönerungsverein wolle die Todemanner hingegen überreden, wieder mehr Kirschbäume zu pflanzen. Ins Projekt „Kirschendorf“ – also die Neu-Anpflanzungen, die Kartierung, der Rundweg – wurde außerdem nicht wenig Geld investiert. Zum einen wurde es laut Beu mit 10000 Euro durch die Bingo-Umweltstiftung finanziert, zum anderen durch EU-Mittel. Mittel steuerten außerdem der Ortsrat durch Zuschuss aus dem Brade-Erbe sowie die Sparkasse Schaumburg bei.

Der Rundwanderweg „wird viel stärker frequentiert als erhofft“, sagt Beu. Also ein Erfolgsprojekt, gewissermaßen.

21 von 36 Sorten nicht mehr im Handel erhältlich

Eines, das allerdings Arbeit bedeutet: Regelmäßig werden im Frühjahr Reiser von seltenen Sorten abgeschnitten und zur Veredlung in Baumschulen gebracht. Nach sechs Monaten können die Bäume wieder in Todenmann angepflanzt werden. Dies dient vor allem dazu, seltene Sorten zu erhalten. Von den 36 Süßkirschensorten hier sind 21 laut Pomologe Hans-Joachim Bannier nicht mehr im Handel oder in Baumschulen erhältlich. Im Herbst 2012 wurde so der Anfang gemacht: 60 Bäume wurde auf öffentlichen Flächen, etwa am Moorhof oder an der Mehrzweckhalle, gepflanzt.

„Alles danach wurde aus den Mitteln des Verschönerungsvereins bezahlt“, erzählt Beu. Der finanziert sich vom Zuschuss der Stadt und den Beiträgen der rund 80 Mitglieder – „15 Euro“, so Beu. Die Mittel seien nun erschöpft.

Patenschaften für einzelne Bäume wäre eine weitere Möglichkeit, dem Verein unter die Arme zu greifen und die Vielfalt zu erhalten. Ein Baum kostet 30 Euro. Bislang gibt es genau eine solche Patenschaft, von den Wanderern im Heimatbund. Muss man sich um die Zukunft des Kirschendorfes also Sorgen machen? Beu gibt eine klare Antwort: „Ja.“ mld

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr