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Fünf Tote in sechs Tagen

Würden Blitzer helfen? Fünf Tote in sechs Tagen

Die Bundesautobahn 2 führt auf 155 Kilometern durch Niedersachsen. Und sie ist nirgendwo so gefährlich für Autofahrer wie im Landkreis Schaumburg, im Abschnitt zwischen Eilsen und Rehren.

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Am 10. Januar stirbt der Fußballprofi Junior Malanda auf der A2: Er sitzt auf dem Rücksitz und wird bei dem Unfall herausgeschleudert, weil er nicht angeschnallt war. Es ist nicht das erste Mal, dass der Wagen zu schnell unterwegs war.

Quelle: pr

Auetal. Die vielen Unfalltoten der letzten Tage beleben eine Frage neu: Würden Blitzer helfen? Oder Geschwindigkeitsbegrenzungen?

Die nackten Zahlen, hinter denen die menschlichen Dramen stehen: Fußballprofi Junior Malanda stirbt am 10. Januar auf der A2 in Höhe Porta Westfalica, zwei Menschen werden schwer verletzt. Ursache: überhöhte Geschwindigkeit bei schlechtem Wetter. Einen Tag später rast ein Lastwagen in die Leitplanke, ein Mensch stirbt.

Am Montag dieser Woche rast ein Lastwagenfahrer in eine Stauende zwischen Lauenau und Bad Nenndorf, ein Mensch ist tot. Einen Tag später brennt auf der A2 ein Lastwagen, und dann Mittwoch sowie vorgestern die Katastrophe mit zwei Toten, einem Schwerverletzten und zwei Verletzten innerhalb von drei Stunden.

Tragödien, die eine alte Frage erneut aufwerfen: Würden Blitzer auf der Autobahn helfen? Der Landkreis Schaumburg habe in regelmäßigen Abständen bei Land Niedersachsen nachgefragt, erklärt Dezernentin Ursula Müller-Krahtz, schließlich habe ja auch die Polizeiinspektion befürwortet, „dass die Kommune einsteigt“. Gewartet werde in Stadthagen auf die Auswertung einer zweijährigen Untersuchung auf der Autobahn im Braunschweiger Raum.

Denn die jetzige Debatte ist keine neue Diskussion, schon in der Vergangenheit warf eine Vielzahl schwerer Verkehrsunfälle die Frage nach dem Sicherheitsniveau der A2 auf. Im Dezember 2011 wurde daher an vier Messquerschnitten eine ortsfeste Geschwindigkeitsüberwachung (OGÜ) installiert, da diese aus verkehrspsychologischer Sicht ein wichtiges Instrument zur Verhaltenssteuerung darstellt und nicht angepasste Geschwindigkeiten ein sehr häufiger Unfalleinflussfaktor auf der A2 sind – es wird zu viel gerast.

Unter dem doch etwas sperrigen Titel „Auswirkungen ortsfester Geschwindigkeitsüberwachung entlang der A2 in Niedersachsen auf den Verkehrsablauf und die Verkehrssicherheit“ sollte seit 2012 und bis Mitte 2014 an der Technischen Universität Braunschweig diese wissenschaftliche Begleituntersuchung die Auswirkungen der ortsfeste Geschwindigkeitsüberwachung auf den Verkehrsablauf und die Verkehrssicherheit analysieren.

Dabei sollten folgende Forschungsfragen beantwortet werden: Werden an einer OGÜ Geschwindigkeitsbeschränkungen häufiger eingehalten – und falls ja, wie weit stromabwärts wirkt ein Starenkasten über seinen Aufstellort hinaus? Wie verändert sich der Verkehrsablauf in seinem Einflussbereich? Wie verändert sich die Verkehrssicherheit des Verkehrsflusses? Und wie das Unfallgeschehen? Und verändert sich der Einflussbereich eines Starenkastens mit der Zeit, das heißt, wird er beispielsweise kleiner, weil die Pendler seinen genauen Aufstellort kennen?

„Wir warten auf den Schlussbericht“, sagt Müller-Krahtz, er werde im Ministerium geprüft und bewertet, dann werde man sich in Hannover mit dem Landkreis Schaumburg in Verbindung setzen. Sie sei da zuversichtlich: „In diesem Jahr kommen wir ein Stück weiter.“

Schon ein Stückchen weiter ist offensichtlich die „Unfallforschung der Versicherer“, die Untersuchungen in verschiedenen Bundesländern zur Wirkungsweise mobiler und ortsfester Geschwindigkeitsüberwachung zusammenfassten: Eine Geschwindigkeitsüberwachung ist nur als dauerhafter Prozess sinnvoll, denn wenn nicht (mehr) überwacht wird, gehen die positiven Effekte auf das Geschwindigkeitsverhalten der Verkehrsteilnehmer wieder verloren. Und: Die Wirkung der Überwachungen ist umso größer, je mehr überhöhte Geschwindigkeiten zu Verkehrsgefahren geführt haben.

Für Thomas Priemer, der von 2006 bis 2014 Bürgermeister im Auetal war, ist das alles keine Frage. „Wir brauchen keine Untersuchungsergebnisse“, sagt er, „wir müssen bloß einen einzigen Blick in die Unfallprotokolle der Polizei werfen.“ Und die würden eine eindeutige Sprache sprechen: Die spezielle Topografie des Auetal mit seinem Gefälle und seinen Kurven im Autobahnbereich, gepaart mit überhöhter Geschwindigkeit, ließen die A2 zu „einem Unfallschwerpunkt seit ewigen Zeiten“ werden.

Ein Unfallschwerpunkt, merkt Priemer an, zu dem immer öfter auch die Feuerwehrkameraden aus Rinteln gerufen würden. Er werde sich mit seinem Auetaler Amtsnachfolger Heinz Kraschewski, der die Problematik geerbt hat, nochmal an einen Tisch setzen und überlegen, ob man das Thema gemeinsam noch einmal anspreche, denn Herr des Verfahrens sei der Landkreis. Blitzeranlagen, sagt Priemer, machen natürlich mehr Sinn als ein Verkehrslenksystem, denn: „Hier wird einfach zu schnell gefahren – egal, ob mit oder ohne Verkehrsleitsystem.“

Das gelte übrigens nicht nur für den Auetaler Bereich, wie der tragische Unfalltod des Wolfsburger Fußballprofis Junior Malanda am 10. Januar auf der A2 in Höhe Porta Westfalica gezeigt habe. Der Fußballer war als Mitfahrer auf dem Rücksitz bei einem Autounfall gestorben, bei dem der Fahrer bei widrigen Wetterverhältnissen viel zu schnell unterwegs war. Malandas Manager Peter Smeets sah seinen Schützling als später „Opfer seiner falschen Freunde“: Er berichtete, dass der Wagen des Jungprofis in dem halben Jahr vor dem Unfall am Samstag auf der A2 zehnmal mit einer Geschwindigkeit von mehr als 200 Stundenkilometern geblitzt worden sei – dabei habe Malanda „fast nie“ am Steuer gesessen.

Experten beklagen seit langem, dass für bestimmte Einkommensklassen die in Deutschland vorgesehenen Bußgelder für Raser keine wirklich abschreckende Hürde darstellen. Nicht nur für Fußball-Profis fallen die Geldbußen im Vergleich zu einigen europäischen Nachbarn lächerlich gering aus. Denn in Frankreich, England und Österreich ist es ab einer Überschreitung um 50 Kilometer pro Stunde vierstellig und in der Schweiz ist die Strafhöhe gar an das Einkommen gekoppelt.

Geldbuße, Fahrverbot und Punkte erschrecken in Deutschland die meistens jungen Raser nicht. Klagt doch die Polizei unter der Hand darüber, dass eine bestimmte Klientel auch ohne Führerschein weiter fährt: Auch hier sind wirklich beeindruckende Strafen nicht zu erwarten – und der Führerschein? Der spielt bei deren Überlegungen keine Rolle, denn der ist ja schon weg. fw

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