Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 9 ° heiter

Navigation:
Geheimwaffe für den Tierschutz

Jagdpächter schützen Kitze Geheimwaffe für den Tierschutz

Was den Tierschutzaspekt bei Mäharbeiten im landwirtschaftlichen Bereich angeht, könne man glatt zum Nostalgiker werden, erklären Andreas Weiße und Thomas Senke, die als Jagdpächter das Revier um Goldbeck betreuen.

Voriger Artikel
Freie Schule statt Leerstand
Nächster Artikel
Sanierung der Kreisstraße: 2017 soll es losgehen

Thomas Senke (li.) und Andreas Weiße mit ihren Fahnen und der neuen „Geheimwaffe“ für den Tierschutz auf zu mähenden Wiesenflächen. Wer ihre Dienste in Anspruch nehmen möchte, darf sich gern bei ihnen melden.

Quelle: cm

Goldbeck.. „Damals fuhren die Bauern im Schritttempo über ihre Wiesen. Die Schnittbreite der Balkenmäher betrug maximal 1,50 Meter. Und die ganz Sorgsamen bauten sich seitlich sogar noch etwas dran, das vorab die nächste Mähspur durchkämmte und eventuell dort versteckte Tiere aufscheuchte.“

Heute sehe die Situation dramatisch anders aus. „Im Einsatz sind Rotationsmäher, die alles in Windeseile zersäbeln, was ihnen unter die Klingen kommt. Bei Schnittbreiten von bis zu neun Metern haben selbst erwachsene Rehe keine Chance mehr, der anrollenden Gefahr durch einen Sprung zur Seite zu entkommen“, so die besorgten Naturfreunde. Dass die neuen Maschinen zudem auch mit einem Affenzahn gefahren werden könnten, verschlechtere die Chancen der wiesenbewohnenden Tierarten noch einmal.

Die Hintergründe dieser Entwicklung sehen Weiße und Senke im wirtschaftlichen Bereich. „Die landwirtschaftlich genutzten Flächen um Goldbeck zum Beispiel sind allesamt an Großbauern außerhalb unseres Dorfes verpachtet. Da gibt es sogar einen Landwirt in Ohr, der hier einige Flächen bewirtschaftet“, wissen die eingeborenen Goldbecker. Damit gehe natürlich auch Wissen verloren, das Bauern, die ihre Äcker über Generationen vor Ort bewirtschafteten, ganz selbstverständlich gehabt hätten. „Früher waren es die Bauern selbst, heute sind es wir Jagdpächter, die die Umgebung in und auswendig kennen. Wir wissen, welche Wiesen für das Wild attraktiv sind, wo man beim Ernten auch besonders aufpassen muss.“ Zusätzlich entfremdend werde sich der Einsatz von Lohnmähern auswirken. „Die haben dann noch weniger Bezug zum Land und sind außerdem, weil nach Stunden bezahlt, im extremen Zeitdruck“, ergänzen die Jagdpächter ihre Beobachtungen.

 Diese ökonomischen Zwänge, die das Vorgehen der Landwirte beim Ernten offensichtlich bestimmen, lassen Weiße und Senke auch zweifeln, dass neue Techniken wirklich zum Erfolg führen könnten. „Technisch machbar ist ja vieles. Es gibt Wärmebildkameras, die vor dem Mähwerk angebracht werden und die Maschine stoppen, wenn sie etwas entdecken“, weiß Senke. „Dabei kann es jedoch auch zu Fehlalarmen kommen, beispielsweise wenn sonnenbeschienene Maulwurfshügel, die ja Wärme speichern, als Tiere fehlidentifiziert werden.“

Das Wild rechtzeitig zu entdecken, sei eine Sache, es dann aber fachgerecht an den Rand des Feldes zu verfrachten, eine andere. „Das kostet auf jeden Fall Zeit, und ich habe so meine Zweifel, ob Lohnmäher überhaupt bereit wären, ihre Arbeit wieder und wieder zu unterbrechen. Und wenn sie dann noch feststellen, dass sie wohl nur für Maulwurfshügel aufgehalten werden, dann ist so ein Warngerät auch schnell wieder ausgestellt.“

 „Wir glauben deshalb, dass Vergrämung den besten Weg darstellt, um die Tiere in den Wiesen zu schützen“, sind sich die beiden Tierfreunde einig. Und sie haben sich zu diesem Zweck schon einiges einfallen lassen. „Vom Grundgedanken her läuft das folgendermaßen: der Pächter gibt uns einen oder zwei Tage vor dem geplanten Mähtermin Bescheid. Dann beginnen wir unsere Maßnahmen.“ Dabei werde die betreffende Fläche zum einen abgelaufen, um nach Wild zu suchen. „Doch so findet man längst nicht alle Kitze. Die sind von Natur aus zum Schutz gegen Raubtiere völlig geruchlos. Auch unsere Hunde stolpern also nur per Zufall über ein solches Junges.“

Als zweiten Schritt stellen Weiße und Senke dann irritierende Dinge auf die Wiese. „Begonnen haben wir mit Flatterband an Stöcken. Dann kamen auch diese bunten Fahnen mit Glöckchen am Ende, wie man sie heute überall kaufen kann, dazu. Und im letzten Jahr haben wir eine echte Geheimwaffe konstruiert“, sagen die beiden „Erfinder“ lachend und halten einen merkwürdigen Kasten hoch. Graues Plastik mit Blaulicht oben drauf. Und als Weiße einen Knopf drückt, fängt das Ding an, enormen Lärm zu machen. Sirenen von Feuerwehr bis Kirmessound. 120 Dezibel. Das sollte doch einem Reh in stiller Natur zu denken geben. „Eingebaut ist eine Zeitschaltuhr. Die programmieren wir so, dass sie in Phasen, wo das Wild aktiv ist (morgens, mittags und abends) die Signale auslöst“, erläutert Tüftler Weiße. Solche Irritation nähmen die Ricken verständlicherweise als Bedrohung wahr. In Folge würden sie ihre Kitze schnappen und an einen sicheren Ort führen.

Mit diesem Gerät könne man das Leben von wilden Wiesenbewohnern sehr wirkungsvoll schützen, hätten die beiden im Laufe der vergangenen Monate festgestellt. Über den gemähten Flächen, die vorab so „behandelt“ würden, wären nach dem Mähen nur sehr selten Krähenschwärme zu entdecken gewesen. „Die Krähen weisen uns nämlich sonst den Weg zum getöteten oder verletzten Wildtierkind. Und wir können Ihnen sagen, das haut selbst hart gesottene Jäger um, wenn sie so ein Kitz finden, dem alle Beine abgeschnitten sind.“ cm

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

O’zapft is heißt es in der Stadthäger Festhalle wieder am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. September. Dann dominieren die Farben Blau und Weiß in der Halle und fesche Frauen in farbenfrohen Dirndln tanzen auf den Tischen... mehr