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Rehren Großeinsatz

Jedes Jahr bekommen die Eltern eines Neugeborenen im Auetal ein besonderes Angebot. Sie dürfen sich aus einer Liste, die unterschiedliche Sorten enthält, einen Baum aussuchen und diesen im eigenen Garten einpflanzen.

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„Das Ding soll da nicht hin“

Jörg Bredemeier und seine Erstgeborene Jolien nehmen die ominöse Zwetschge für die kleine Mailien mit nach Hause.

Quelle: cm

Rehren. Die Ausgabe der Bäume findet immer im Herbst an der Rehrener Sparkasse statt. Dieses Wochenende ist es wieder so weit. 30 Bäume sollen an junge Familien ausgeteilt werden. Diese Aufgabe übernimmt traditionell der Nabu-Ortsverband, und zwar mit Freude, wie Naturschützerin Gisela Wittmann betont: „Es gibt so viele lachende Gesichter.“

Manchmal kommt es allerdings auch zu unvorhergesehenen Schwierigkeiten. Es sei nämlich gar nicht so einfach, die angelieferten Bäume zu identifizieren, stellen Wittmann und ihr Mitstreiter Gerhard Meier fest. Da gibt es kaum noch Blätter an den Jungpflanzen, die bei einer Bestimmung helfen könnten. Und die Baumschule hat zwar alle Exemplare mit Plastikbändern sorgfältig beschriftet, dabei jedoch völlig den Kenntnisstand von normalsterblichen Baumfreunden ignoriert: Die Namen sind durchweg in Latein.

„Von den meisten hiesigen Laubbaumarten kennen wir mittlerweile die lateinischen Namen. Wir sind ja lernfähig“, sagt Wittmann, „und haben schon Erfahrung.“ Seit mehr als 20 Jahren gibt es im Auetal die Tradition des Geburtstagsbäumchens für Neugeborene. „Aber die Obstbaumsorten bereiten manchmal Probleme. Die sind in unseren Bestimmungsbüchern nicht zu finden“, betont Wittmann und geht mit der Liste der vorbestellten Pflanzen noch mal nach draußen. „Acht Kirschen haben wir bestellt. Jetzt liegen da neun Bäume, und einer hat einen anderen Namen. Sollte das die Zwetschge sein, die uns auf der anderen Seite noch fehlt?“ Am Ende wird der ominöse Jungbaum als Zwetschge an Jörg Bredemeier ausgegeben. Sollte diese Zwetschge plötzlich im Juli knallrote kleine Früchte tragen, nicht wundern, sondern beim Nabu melden. Da gibt es ein Mitglied, das noch einen garantiert echten Zwetschgenbaum abzugeben hat.

Schräg gegenüber von der Sparkasse, hinter dem Haus von Manfred Struckmeier, findet sich der zweite Einsatzort für den Auetaler Nabu an diesem Wochenende. Die Bäume auf der als Pferdeweide genutzten Streuobstwiese sind in die Jahre gekommen, und der Bestand soll durch ein paar jüngere Exemplare ergänzt werden. „Einmal zu meinem eigenen Wohl“, meint Wiesenbesitzer und Nabu-Mitglied Struckmeier, „ich verspreche mir ein bisschen zusätzlichen Lärmschutz für mein Grundstück, das ja in Richtung Autobahn liegt. Sichtschutz geben die Bäume auch, aber vor allem möchte ich auch etwas für Vögel, Insekten und die Natur im Allgemeinen tun.“

70 bis 80 Jahre alt sind die Obstbäume auf Struckmeiers Wiese, und man kann feststellen: Obstbäume altern ganz wie die Menschen. Das Glatte, Schlanke, Biegsame der Jugend ist verschwunden. Sie wirken eher spröde und knorrig. Dass sie aber immer noch wertvolle Mitglieder des Ökosystems Streuobstwiese sind, steht völlig außer Frage. Sie blühen im Frühling, tragen noch Früchte, und in ihren borkigen Ritzen und Falten ist Platz für ein ganzes Biotop.

Wenn also Eltern heute einen Obstbaum für ihr Kind pflanzen, dann wird dieser mit dem Kind zusammen reifen, mit ihm die produktivsten Jahre teilen und schließlich mit ihm alt und runzelig werden. Wer sich wünscht, dass wenigstens der Baum noch das eigene Leben überdauern möge, der sollte zur Eiche greifen. Die wird noch viele Generationen von Nachkommen erfreuen. cm

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