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Grüne Welle mit Musik

Herr der Ampel Grüne Welle mit Musik

Der Job ist nicht alltäglich, doch für Laurids Jende ist er Alltag. Der 18-Jährige steht allein in der Pampa in Rinteln, stundenlang. Weiter oben ist eine Baustelle. Seine einzige Abwechslung: Musik vom Handy, manchmal halten Freunde an, die von der Nachtschicht kommen. Er ist der „Herr über Rot und Grün“.

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Rushhour in Todenmann: Laurids Jende an seinem Arbeitsplatz. Feierabend hat er erst abends um sieben.

Quelle: jan

Todenmann. Und: Ganz früh aus den Federn muss der junge Uchtdorfer. Arbeitsbeginn ist um 6 Uhr. Feierabend hat er erst abends um sieben. An beiden Baustellenampeln in Todenmann bestimmt er darüber, wer noch schnell durchrutschen kann und wer warten muss. Jendes Auftrag: Handsteuerung der Ampelanlage.

„Ich bin wohl die autonomste Person auf dieser Baustelle“, flachst der Wollmützenträger beim Besuch unserer Zeitung. Er macht ein paar Schritte zurück, sortiert kurz das extra lange Kabel, das sein Handgerät mit der Ampel verbindet, und wirft einen prüfenden Blick die Straße hinauf, die Richtung Kleinenbremen eine leichte Kurve macht. In Höhe des Sportplatzes steht die zweite Baustellenampel, ungefähr 300 Meter entfernt. Aus Richtung Kleinenbremen kommt gerade kein Auto mehr.

Seit dem 20. März im Einsatz

Zeit, auf Rot zu schalten? „Nein, noch nicht, ich muss erst die Räumzeit abwarten.“ Das ist die Zeit, die er verstreichen lässt, bis die einspurige Strecke frei von Gegenverkehr ist, „so 24 bis 26 Sekunden“. Die sind jetzt um. Laurids Jende waltet seines Amtes – mittlerweile Routine für ihn. Seit dem 20. März, dem Tag, als die Großbaustelle in Steinbergen eröffnet wurde, steht er dort – mutterseelenallein mit seinem Handschaltgerät, seiner Umhängetasche mit etwas zum essen und zum Trinken drin und seinem Handy. Die von Rinteln kommende Autoschlange setzt sich in Bewegung.

„Mein erster Job auf einer Baustelle“, erzählt der 18-Jährige, der vorher in den Einzelhandel, die Gastronomie und andere Innendienstberufe hineingeschnuppert hat. „Dies hier gefällt mir viel besser. Ich kann gut mit den Bauarbeitern reden“, sagt Jende, während er erneut seinen Handschaltkasten bedient.

Für jede Abwechslung dankbar

Die vordere Ampel springt auf Rot. An zweiter Stelle hält ein Audi-Oldtimer, Siebziger-Jahre-Modell, knallrot, topgepflegt. „So einen bekommt man nicht oft zu sehen“, freut sich der junge Mann, laut Polier Kevin Larkin der Jüngste auf der Baustelle. Klar, dass er für jede noch so kleine Abwechslung dankbar ist. „Dass ich die Musik von meinem Handy auch sehr laut hören darf, hat Kevin mir erlaubt.“ Stört ja dort draußen auch keinen. Die nächsten Häuser sind kaum noch in Rufweite.

Was passiert, wenn er ausfällt? „Dann schickt B.A.S. einen anderen“, erklärt Larkin später am Mobiltelefon. Hat der Verkehr seit Baustellenbeginn in Steinbergen zugenommen? „Ja, ganz deutlich“, sagt der Polier. „Aber nicht so stark wie vermutet. Die Angst war größer…“

Der überwiegende Teil der Autos kommt aus Richtung Rinteln. „Zeitweise endet das von unten her gar nicht. Dann kann ich oben nur auf Dauerrot schalten“, sagt Jende und macht erneut ein paar Schritte rückwärts, um das andere Baustellenende sehen zu können. „Die meisten sind jetzt durch.“ Es ist 18 Uhr. Eine Stunde muss er noch arbeiten. Um 19 Uhr schaltet er um auf Automatikbetrieb. Dann ist der dickste Feierabendverkehr vorbei. Staus hat es auch heute nicht gegeben. Schimpfen Autofahrer manchmal aus dem Fenster heraus, weil es ihnen zu lange dauert? „Nein. Es gibt höchstens mal welche, die die Baustellenfahrzeuge schneiden.“

Mittags eine warme Mahlzeit

Schon bevor der morgendliche Berufsverkehr einsetzt, bezieht der Uchtdorfer, der auf dem Bau durchaus seine berufliche Zukunft sieht, Posten. Von 6 bis 9 Uhr geht die Frühschicht, die Spätschicht beginnt nachmittags um halb vier. Zwischen den Hochzeiten läuft die Ampelanlage auf Automatik, und Laurids Jende macht Mittagspause, bekommt zu Hause eine warme Mahlzeit. Die kann er auch gut gebrauchen. Dicke Socken, Handschuhe und Fleece-Jacke überm Pulli gehören frühmorgens zur Standardausrüstung. „Jetzt ist es ja ab mittags warm.“ Zwei, drei Stunden am Stück Langeweile bleiben. „Da muss ich durch.“ jan

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