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Gutesbesitzerin klagt gegen positiven Vorentscheid

Windenergie in Westendorf Gutesbesitzerin klagt gegen positiven Vorentscheid

Die 12. Kammer des Verwaltungsgerichts Hannover hat gestern auf Gut Echtringhausen verhandelt, weil Britta Rinne als Eigentümerin gegen den positiven Vorbescheid des Landkreises Schaumburg für den Bau von zunächst einer 150 Meter hohen Windkraftanlage vor ihrer Haustür geklagt hatte.

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Richterin Marianne Lüerßen (Mitte) spricht auf Gut Echtringhausen mit den anderen Verfahrensbeteiligten. wm

Westendorf. Das Windrad beeinträchtige das denkmalgeschützte Ensemble mit Haupthaus, Ställen, Wassermühle und Scheune.

 Es herrschte absolute Windstille im Wesertal, als sich morgens um 10 Uhr die Akteure unter Bäumen im Grünen an einem Gartentisch versammelten und ihre Akten auspackten: das Gericht, Vertreter des Windradinvestors Planet Energy GmbH, der Denkmalschutzbehörde, des Landkreises Schaumburg und der Stadt Rinteln.

 Berufsrichterin Marianne Lüerßen machte zu Beginn deutlich, worum es bei dieser Verhandlung nicht ging: um den berühmten Seeadler, also Naturschutzbelange, auch nicht um eine mögliche Schallimmission. Eine Ansage, die sie mit einer Rüge an den Landkreis Schaumburg verband: Der Vorbescheid sei schlecht formuliert, das „könne man entschieden besser machen“.

 Und die Richterin umriss die Situation: Der Eigentümer eines Denkmals, der ja auch viel Geld investieren müsse, um ein Denkmal zu pflegen und erhalten, habe selbstverständlich ein „Abwehrrecht gegen Beeinträchtigungen“. Doch dabei sei der entscheidende Punkt: Diese Beeinträchtigungen eines Denkmals müssten „erheblich“ sein. Eine Rolle spiele auch der „Wert des Baudenkmals“ wie die „Intensität des Eingriffes“.

 Dann machten sich Gericht und Prozessbeteiligte auf einen Fußmarsch durch und um die ehemalige Wasserburg. Am Haupthaus stehen Baugerüste, dort wird zurzeit renoviert. Bei jeder Station konnten die begleitenden Zuhörer verfolgen, wie die Skepsis der Richterin wuchs. Das Herrenhaus sei sicher ein herausragendes Denkmal, aber die diversen Anbauten und Scheunen? Diplom-Ingenieurin Katrin Barthmann als Vertreterin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege verwies darauf, auch der Anbau aus dem Jahr 1937 sei Zeitgeschichte. Man müsse das gesamte Ensemble „in seiner Alleinlage in der Landschaft sehen“. Die Richterin wirkte wenig überzeugt: „Wenn überhaupt, stören die Windräder allenfalls.“

 Beim Rundgang stellte sich heraus, dass offensichtlich unklar war, wo das strittige Windrad gebaut werden soll. Rinne ging von 506 Meter Entfernung vom Gutshof aus. Energy-Vertreter Julian Tiencken erklärte, 870 Meter sei die richtige Distanz. Man habe den Standort neu berechnet.

 Seit jetzt 13 Jahren führen die Schwestern Antje und Britta Rinne gemeinschaftlich den Kampf gegen Windräder am Standort Westendorf-Kohlenstädt. Antje als WGS-Kommunalpolitikerin, ihre Schwester Britta auf der juristischen Ebene.

 2005 hatte sich schon einmal eine Kammer des Verwaltungsgerichts Hannover auf die Schaumburg begeben. Damals ging es um zwei 99 Meter hohe Windräder des Investors Matthias Lietzau. Erkenntnis der Richter mit Blick von der Burg: Da gebe es doch schon ein Betonsilo, das Industriegebiet Deckbergen, die Hochspannungsleitung, die Bahnstrecke, da störten Windräder wohl kaum. Lietzau verzichtete auf einen Bau und reichte das Projekt an die Planet Energy GmbH weiter. Und mit Energy wuchsen die geplanten Windräder auf 150 Meter. Und es sollten drei statt zwei Windräder werden. Wie gestern zu hören war, hat Energy unter Umgehung eines Vorbescheides für ein zweites Windrad bereits eine Genehmigung beantragt, will aber auf ein drittes Windrad verzichten.

 Wie sich das Verwaltungsgericht jetzt entscheiden wird, ist offen.

 Doch seit über den Kiesteichen von Hohenrode die Seeadler kreisen, haben sich zu den Denkmalschützern auch die Naturschützer gesellt, die Windräder in Westendorf unbedingt verhindern wollen. Ein weiterer Akteur im Bündnis gegen die Windräder ist die Modellfluggruppe Deckbergen, die gestern ebenfalls ein Vorstandsmitglied als Zuhörer zum Gerichtstermin geschickt hatte. wm

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