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„Ich ruhe jetzt richtig in mir“

Auf dem Pilgerweg unterwegs „Ich ruhe jetzt richtig in mir“

Sehr geistlich klingen die Gespräche nicht, mit denen sich die Gruppe da an Pfingstmontag auf den Weg zu einer Etappe des Pilgerweges Loccum-Volkenroda macht.

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Pilgerbegleiter Herrmann Meier sammelt seine „Schäfchen“ zu einem ersten Halt.

Quelle: cm

Deckbergen/Rohden. Da geht es eher so um Apfelkuchenrezepte, gemeinsame Bekannte und Erinnerungen an sumpfige Waldbäder von früher. In solch angenehme Alltagsunterhaltung versunken, machen sich die etwa 40 Pilger auf den Weg von Rohden nach Deckbergen. Nur etwa sieben Kilometer beträgt die Strecke. Kann sich auf so einer kurzen Wanderung Pilgeratmosphäre entwickeln?

 Nach dem Anstieg auf schmalem Pfad sammelt Pilgerführer Herrmann Meier seine „Schäfchen“ das erste Mal. Jedem wird ein Lila-Stoff-Armband angelegt. Ein Zeichen der Zusammengehörigkeit. Die Wegstrecke wird vorgestellt, und er kündigt an, dass man immer wieder anhalten und auf alle warten werde. So geht es schon ein wenig entspannter weiter.

 Der nächste Halt. Ein großer Kreis wird gebildet. Vorstellungsrunde. Die Gesichter bekommen Namen und man nimmt jeden Mitwanderer einmal bewusst wahr. Das Gruppengefühl wächst. Der Pilgerführer gibt noch ein paar Worte zur Besinnung mit. Natur, Stille und gleich gesinnte Mitwanderer, das seien gute Voraussetzungen, um sich für den Geist des Pfingstfestes zu öffnen. Langsam ist tatsächlich ein Unterschied zu einer „normalen“ Wandergruppe zu spüren. Es gibt da so eine besondere Offenheit für Begegnungen. Man kann mal vorne mitgehen oder sich zurückfallen lassen und sich dabei mit den unterschiedlichsten Menschen unterhalten. Es geht selten um religiöse Themen, aber eine gewisse Tiefe und ein Interesse am Mitwanderer sind zu spüren. Und die Frage, warum jemand pilgert, ob er oder sie schon Erfahrungen damit gemacht hat, taucht natürlich auch immer wieder auf.

 Zweimal lässt der Pilgerführer die Teilnehmer eine Strecke schweigend gehen, und die Wahrnehmung für die innere und äußere Welt wird dadurch noch mehr geschärft. Ja überhaupt, der Pilgerführer! Er hat natürlich einen großen Anteil am Gelingen der geistigen Wanderung. Meier kennt den Weg und gibt die Struktur vor. Seine Gedanken zu Natur, Heimat und Religion trägt er mit Humor und viel persönlichem Ausdruck vor. Meier leitet zurückhaltend und drängt sich nicht in den Mittelpunkt. Er lässt Raum.

 Noch ein kurzer Stopp am Waldrand, dann geht es zu Kaffee und Kuchen ins Gemeindehaus von Deckbergen. Staunend kann man hören, wie sehr die Wanderer von ihrem Weg profitiert haben. „Dass ich mich so schnell als Teil einer Gemeinschaft gefühlt habe, das kenne ich sonst gar nicht“, wundert sich eine Teilnehmerin. „Wir haben besonders die vielen guten Gespräche genossen – und dass wir neue Menschen kennenlernen. Ganz viele neue Eindrücke“, ist von einem alten Ehepaar aus Friedrichsburg zu hören „Ich konnte einen Gang runterschalten“, erzählt eine berufstätige Frau. „Anfangs war ich noch ungeduldig und viel zu schnell. Dieser Druck ist jetzt von mir abgefallen.“ Und ganz persönlich wird eine weitere Pilgerin: „Als vor einiger Zeit eine Freundin schwer an Krebs erkrankte, wurde ich aufgerüttelt, und da habe ich eine ‚Löffelliste‘ angelegt.“ Sie lacht und erklärt: „Eine Liste, was ich noch erleben möchte, bevor ich ‚den Löffel abgebe‘. Pilgern war ein Punkt darauf.“ Vielen Teilnehmern hat das Schweigen besonders gut gefallen. Kurz und prägnant ein weiterer Kommentar: „Ich ruhe jetzt richtig in mir.“ Dem kann man beim besten Willen nichts mehr hinzufügen. cm

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