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„In erbarmungswürdigem Zustand“ gefunden

Exten/Uchtorf / Tiere „In erbarmungswürdigem Zustand“ gefunden

Seit 20 Jahren setzt sich die Extenerin Christiane Koschinski-Mohwinkel nach eigenen Angaben schon für den Tierschutz ein, doch das, was sie auf einem Grundstück in Uchtdorf gesehen hat, hat sie so noch nie erlebt: tote Fasane und Kaninchen sowie abgemagerte Katzen.

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Bis auf Knochen und Fell nichts mehr übrig: Die neunjährige Janina-Sophie Koschinski hat die Überreste der Kaninchen auf dem Grundstück in Uchtdorf entdeckt. Christiane Koschinski-Mohwinkel war es, die Polizei und Tierheim alarmierte. © mld/pr.

Exten/Uchtdorf (mld). Das Haus sei ihr aufgefallen, als sie zu Besuch bei Bekannten gewesen war, allein die Katzen seien ihr ins Auge gestochen, zehn ausgewachsene, drei junge, „in einem erbarmungswürdigen Zustand“, wie Koschinski-Mohwinkel erzählt. Sie habe angefangen, den Tieren Futter zu bringen. Ihre Enkelin, die neunjährige Janina-Sophie, war es, die die Überreste der Kaninchen in den Ställen entdeckt hatte.

Christiane Koschinski-Mohwinkel war es schließlich auch, die sich um die dort allein lebende Frau gekümmert hat, ihr nach eigenen Angaben regelmäßig Essen vorbeigebracht hat. Ihr Mann, der laut Amtstierarzt Ulf Güber als der Tierhalter verzeichnet ist, ist seit einem schweren Unfall ein Pflegefall und wird in einer Einrichtung betreut.

„Irgendwann konnte ich es mir nicht mehr leisten“, erzählt Koschinski-Mohwinkel, warum sie sich schließlich dazu entschloss, das Tierheim Bückeburg einzuschalten. Außerdem habe sie die Verantwortung nicht haben wollen, täglich nach den Tieren auf dem Grundstück zu sehen.

Das Tierheim rückte schließlich am Pfingstwochenende an, zusammen mit Beamten der Polizei Rinteln, wie Monika Hachmeister vom Tierschutzverein Bückeburg, Rinteln und Umgebung erzählt. Elf Katzen und die zwei Sittiche aus dem Haus hätten sie am Ende des Tages mitgenommen, die Tiere „mit Milben, verfloht, teilweise verschnupft“, so Hachmeister. Die Zusammenarbeit mit der Polizei habe hier „sehr gut geklappt“.

Zweimal war auch Amtstierarzt Güber auf dem Grundstück, zum ersten Mal im März. Alarmiert wurde das Veterinäramt zusammen mit der Polizei, da der Verdacht bestand, dass Tauben verhungert seien. „Das war nicht der Fall“, erläutert Güber auf Nachfrage. Die toten Tauben habe er untersuchen können und alles deute daraufhin, dass der Verschlag, in dem die Tiere untergebracht worden seien, von einem Marder aufgebrochen worden sei und der die Tiere getötet habe.

Die noch lebenden Tauben, laut Güber etwa 70, seien dann in andere Hände übergeben worden. Rechtliche Schritte gegen die Halter seien nicht eingeleitet worden: Als Güber sich auf dem Grundstück umgesehen habe, habe es für die umherlaufenden Katzen „reichlich Futter und Wasser“ gegeben. Die Kaninchen allerdings seien schon so mumifiziert gewesen, dass nicht mehr feststellbar gewesen sei, woran diese gestorben seien.

Die Frau, die in dem Haus lebte, könne aufgrund ihres gesundheitlichen Zustands „für Rechtsverstöße nicht verantwortlich“ gemacht werden, so Güber. Dass die noch lebenden Tauben abtransportiert wurden, sei mit ihrem Einverständnis passiert.
Als der Amtstierarzt ein zweites Mal zu dem Grundstück gerufen wurde, laut Güber nach dem Pfingstwochenende, habe die Frau schon nicht mehr in dem Haus gelebt. Die restlichen lebenden Tiere, die sich dort befunden haben – Katzen und die zwei Sittiche aus dem Haus – seien ins Tierheim gebracht worden.

Entgegen Koschinski-Mohwinkels erstem Verdacht habe sich die Frau allerdings keine neuen Tiere angeschafft, bei den Kadavern in den Ställen hat es sich laut Güber um keine frisch verelendeten Tiere gehandelt. In Schutzkleidung hat der Amtstierarzt die Kadaver eingesammelt und der Tierkörperbeseitigungsanstalt übergeben. „Ich halte die Tierhalter in diesem Fall aber für nicht schuldbar“, so Güber.

Hachmeister hingegen hält es, auch nach Gesprächen mit Nachbarn, für „mehr als eine Mutmaßung“, dass die Tiere vernachlässigt wurden, sie hätten weder Futter noch Wasser gehabt. „Ich bin Frau Koschinski sehr dankbar, dass sie uns gerufen hat“, so Hachmeister. Die elf Katzen und zwei Sittiche seien nun im Tierheim untergebracht, sie seien noch sehr scheu, so Hachmeister. Sie vermutet, dass es auf dem Grundstück anfangs wenige Katzen gegeben habe, die sich dann aber unkontrolliert vermehrt hätten.

„Es müsste sichergestellt werden, dass solche Menschen nie wieder Tiere halten dürfen“, sagt Koschinski-Mohwinkel. Auch wenn sie Verständnis für die persönliche Situation der Frau habe. Eine der jungen Katzen von diesem Grundstück hat sie zu sich nach Hause genommen, wo jetzt insgesamt sieben ehemalige Heimtiere – Hunde und Katzen – ein Zuhause haben. „Ich möchte, dass Tierschutz ernst genommen wird“, so die Extenerin. „Und dass die Leute in solchen Fällen nicht weggucken.“

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