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Jugendhof Hirschkuppe baut um

Weg mit dem Achtziger-Mief Jugendhof Hirschkuppe baut um

Auf dem Jugendhof Hirschkuppe in Steinbergen ist die Großbaustelle nicht zu übersehen. Rund 1,6 Millionen Euro hat Heimleiter Jürgen Kruska in die Hand genommen, für einen Neubau und um den Altbau mit den Gruppenräumen zu modernisieren.

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Großbaustelle Hirschkuppe: Links der sanierte Altbau, rechts der Anbau mit Wohngruppen, Sportraum und Büros für die Mitarbeiter.

Quelle: wm

Steinbergen. Damit werden nicht, wie schon im Dorf erzählt wird, künftig mehr Kinder nach Steinbergen kommen, sondern Kruska erfüllt mit den Baumaßnahmen neue Standards für Jugendheime und die Auflagen des Brandschutzes. Kruska scherzt: „Damit verschwindet auch der Mief der achtziger Jahre aus dem Gemäuer.“ Das Jugendheim kann in diesem Jahr 40-jähriges Bestehen feiern.

 Und Kruska regiert auch auf den Wandel in der Heimerziehung. Er sagt, die Kinder, die in die Hirschkuppe kämen, würden immer jünger: „Früher haben wir 14-Jährige als jung eingestuft, heute kommen zu uns schon Achtjährige.“ Das sei auch eine Folge davon, dass Jugendämter inzwischen genauer hinschauen, wenn in Familien etwas grundlegend schief läuft und früher eingreifen, wenn Kinder zu verwahrlosen drohen.

 Früher habe man so junge Kinder meist in Pflegefamilien untergebracht. Es habe sich aber gezeigt, dass das nicht für jedes Kind eine gute Lösung ist.

 Auch die Problemlage der Mädchen und Jungen, die in die Hirschkuppe nach Steinbergen kommen, habe sich geändert: Früher neigten die Kinder und Jugendlichen zu Aggressionen und Gewalt, heute seien sie meist psychisch auffällig.

 So gibt es in der Einrichtung außer den Erzieherinnen und Erziehern einen Psychologen und eine richtige Schulklasse, „wo auffällige Kinder die Selbstkontrolle lernen, bevor man sie auf Kinder und Lehrer einer normalen Schule loslassen kann“.

 Wie lange die Kinder und Jugendlichen im Heim blieben, hänge von vielen Faktoren ab, so Kruska. Manche gingen nach einem Jahr wieder zurück in ihre Familie, andere wechselten mit 16 in Wohngruppen, manche blieben sogar über ihre Volljährigkeit mit 18 Jahren hinaus.

 Der Umbau und der Neubau sind an die neuen Anforderungen angepasst. In puncto Raumstruktur und Aufteilung wurden Erfahrungen der Praxis berücksichtigt: Es gibt mehr Platz, nicht nur für die Kinder und Jugendlichen in den Gruppenräumen, auch für die Erzieher. Bisher seien die Funktionsräume, Besprechungsräume und Büros nicht mit dem Heim mitgewachsen, „das holen wir jetzt nach“, sagt Kruska.

 Eine Besonderheit im Neubau ist ein großer Bewegungsraum mit Tischtennisplatten, einer Kletterwand und Boxsack sowie mit Sicherheitsglas in den Fenstern. Das heißt, in diesem Raum kann man bei schlechtem Wetter und im Winter auch Ballspiele machen. Im Sommer ist Bewegung auf dem großen Gelände mit Spielgeräten, Bolzplatz und dem Wald ohnehin kein Problem. Kruska hat zum Reiten sogar zwei neue Fjordpferde gekauft.

 Das Raumkonzept sieht jetzt mehr Einzelzimmer als früher vor, die Sanitärräume werden modernen Standards angepasst, es gibt beispielsweise jetzt Duschen in den Gruppen. Ein dicker Brocken bei den Baukosten seien letztlich auch die Brandschutzauflagen mit Brandschutztüren und einem extra Treppenhaus, schildert Kruska.

 Über den Bau wacht Architekt Heinz Steding, beschäftigt sind überwiegend heimische Handwerker. Ende des Sommers sollen die Umbauten im Altbau bezugsfertig sein, im März 2016 voraussichtlich der Anbau. Danach will Kruska noch den Innenhof neu gestalten.

 Zurzeit wohnen in der Hirschkuppe 30 Kinder und Jugendliche von acht bis 16 Jahren. Jede Gruppe hat zwei Erzieherinnen und zwei Erzieher plus einer „Oma“. Kruska hat als Erster in der Heimerziehung gemischte Gruppen für Mädchen und Jungen eingeführt und weibliche Erzieherinnen eingestellt. Heute hat es sich längst etabliert, für Kinder und Jugendliche einen familiennahen Alltag aufzubauen, in dem sie sich einbringen können, Verantwortung lernen und auch die Konsequenzen ihres eigenen Handels erfahren. Und Kruska hat die Institution der „Gruppen-Oma“ eingeführt, die sich, „ohne auf die Uhr zu schauen“, der Sorgen und Nöte der Kinder annimmt, ganz praktisch da ist, auch mal Kuchen backt.

 Für Kruska sind die Umbauten und der Neubau sein letztes großes Projekt. Spätestens mit 70, sagt er, wolle er auch die Heimleitung in die Hände seiner Tochter Rabea legen. Diese ist Diplomsozialpädagogin und managt schon heute den Alltag im Heim und im Erziehungsbereich. Kruska betont, es sei für ihn großes Glück, „eine Nachfolgerin in der Familie zu haben“. Davon könnten manch andere Unternehmer und Heimleiter nur träumen. wm

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