Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Kann Depression einen Sinn haben?

Uchtdorf Kann Depression einen Sinn haben?

Die Frauengemeinschaft Uchtdorf hat im Rahmen ihres 40. Jubiläums jüngst zu einem Vortrag zum Thema Depression eingeladen. Referent war Extens Pastor Wolfram Wiemer, der auch aus eigener Erfahrung über diese Krankheit sprach.

Voriger Artikel
Initiative schmeißt hin
Nächster Artikel
Kreistag beschließt Naturschutzgebiet

„Sich mal lustlos oder niedergeschlagen zu fühlen, ist völlig normal. Das gehört zum Leben dazu“, so Pastor Wolfram Wiemer in seinem Vortrag. Hält dieses Gefühl aber über Wochen an, dann kann es sich um eine Depression handeln.

Quelle: dpa

Uchtdorf. Wichtig ist Wiemer zunächst, eine depressive Verstimmung, die jeden mal für ein paar Tage erwischen könne, von der Krankheit Depression zu unterscheiden. „Sich mal lustlos oder niedergeschlagen zu fühlen, ist völlig normal. Das gehört zum Leben dazu“, so Wiemer. Wenn dieses trostlose Gefühl jedoch über Wochen anhalte, dann könne es sich um eine Depression handeln. Zur Selbstüberprüfung könne man eine „Zehn-Symptome-Liste“ mit Aussagen zum Lebensgefühl nutzen. Wenn mindestens fünf dieser Sätze für mehrere Wochen als zutreffend befunden würden, dann befände man sich im Bereich der Depression. Dann, so Wiemers Hauptanliegen in diesem Vortrag, solle man sich nicht scheuen, ärztliche Hilfe zu holen. Depression sei gut heilbar. Kognitive und tiefenpsychologische Verhaltenstherapie, Medikamente und Ausdauersport würden ein Therapiepaket bilden, das auf den unterschiedlichsten Ebenen wirksam sei, erzählt er aus eigener Erfahrung.

 Für die Umwelt sei es oft schwer zu erkennen, dass jemand unter Depression leide, zu diffus äußerten sich die Symptome. Da würden viele Betroffene etwa über Rückenschmerzen, schlechten Schlaf oder große Erschöpfung klagen, und die Ursachen dann in einer körperlichen Erkrankung suchen. Im Alltag würden auch viele erkrankte Menschen versuchen, durchzuhalten und ihr Pensum mit großer Anstrengung wie gewohnt zu erledigen. Diese Tendenz werde dadurch verstärkt, dass Depressive sehr unter Schuld- und Unzulänglichkeitsgefühlen litten, erklärt Wiemer. Zuzugeben, dass man krank sei und nicht mehr könne, falle dann besonders schwer. In unserer Leistungsgesellschaft sei es daher anerkannter, das Ganze „Burn-out“ zu nennen. Das impliziere wenigstens, dass man ordentlich geschuftet habe.

 Als Seelsorger und Christ geht Wiemer auch der Frage nach dem Sinn der Depression nach. Er ist überzeugt, dass eine Depression Hinweise für notwendige Veränderungen im Leben geben kann, und nutzt ein Zitat von C.G. Jung als Einstieg: „Die Depression ist gleich einer Dame in Schwarz. Tritt sie auf, so weise sie nicht weg, sondern bitte sie als Gast zu Tisch und höre, was sie zu sagen hat.“

 Fragen, wie „Wie gehe ich mit meiner Empfindsamkeit um?“, „Welche Erfahrungen in meinem Leben muss ich noch verarbeiten?“, „Was überfordert mich?“, könnten im Rahmen einer Therapie angegangen werden.

 Als Christ habe er eine Phase durchgemacht, in der er sich von Gott vergessen und abgetrennt gefühlt habe. Dann sei das Gefühl entstanden: „Gott führt mich, wohin ich nicht will.“ Und im Nachhinein wisse er, dass er durch die erzwungene Auseinandersetzung mit sich selbst gewachsen sei. Sein Glauben und Vertrauen in die Führung Gottes sei durch die Depression eher stärker geworden. „Christlicher Glaube ist kein Wellnessprogramm, auch wenn sich viele heutige Sinnsucher so etwas wünschen. Das weiß ich jetzt besser als zuvor.“

Symptome von Depressionen

Zehn Symptome von Depressionen – wenn mindestens fünf davon über mehrere Wochen anhalten, sollte man ärztlichen Rat einholen:

  • Gefühl von Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit
  • Interesselosigkeit, Freudlosigkeit, Gefühl von Leere, selbst wenn schöne Ereignisse eintreten.
  • Körperliche Beschwerden, Erschöpfung, unerklärliche Müdigkeit, Kopfweh, Druck auf der Brust
  • Appetitverlust, Gewichtsabnahme, manchmal auch das Gegenteil: sehr viel essen.
  • Einschlaf- und Durchschlafstörung, Frühmorgendliches Erwachen.
  • Verlangsamung, lähmende Hemmung, seltener: quälende Unruhe, Angst
  • Verlust sexuellen Interesses
  • Merk- und Konzentrationsschwierigkeiten, Schwierigkeit, selbst alltägliche Entscheidungen zu treffen.
  • Schlechtes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, kein Selbstvertrauen, Selbstvorwürfe
  • Gedanken an den Tod bis hin zur Lebensmüdigkeit. cm

Von Claudia Masthoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg