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„Kein Pilot landet in einer Vogelschar“

Hubschrauber über den Naturschutzgebiet „Kein Pilot landet in einer Vogelschar“

Donnerstagmorgen: Im Tiefflug donnert ein Hubschrauber über die Kiesteiche hinweg, die teilweise keine „Kiesteiche“ mehr sind, sondern seit November 2014 das Naturschutzgebiet „Auenlandschaft“.

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Wenn Hubschrauber über die „Auenlandschaft“ fliegen, sind oft auch Nabu-Mitglieder mit einem Fotoapparat dabei und halten die Übungsflüge fest.

Quelle: pr.

Von hans weimann Hohenrode. Und ein paar Hohenroder, die gerade ihre Hunde Gassi führen stehen am Ufer und staunen: „Dürfen die das überhaupt noch, jetzt, wo sogar das Betreten vieler Flächen verboten ist, um Zwerggänse & Co. nicht zu stören?“

 Die Situation ist unübersichtlich und noch nicht ganz geklärt: „Klar dürfen wir“, sagt Oberstleutnant Michael Baumgärtner, zuständiger Presseoffizier bei den Heeresfliegern in Bückeburg, auf unsere Anfrage und verweist für die Details auf Oberstleutnant Steen Pfähler, denn der ist zuständig für „die Umwelt“. Pfähler beantwortet die Frage dann auch ebenso militärisch knapp: Die Bundeswehr dürfe auch in Naturschutzgebieten überall dort fliegen und landen, „wo es nicht ausdrücklich verboten ist“. Übungsgebiet für die Flugschüler seien die sogenannten „Weserwiesen Ost“.

 Was in einem Naturschutzgebiet erlaubt ist, was nicht, wird in der sogenannten Naturschutzgebietsverordnung festgelegt. Eine solche Verordnung ist auch für die Auenlandschaft Hohenrode erlassen worden und bereits rechtskräftig. Doch darin ist über Hubschrauberflüge nichts zu lesen, erläuterte Klaus Heimann, Pressesprecher des Landkreises Schaumburg auf Anfrage: „Da ist keine Regelung getroffen worden.“ Er sagt es nicht, aber man kann diesen Satz auch so interpretieren: Das unbequeme Thema ist wohl einfach erst einmal ausgeklammert worden, um die Sache mit dem Schutzgebiet nicht noch komplizierter zu machen. Den Baustellen hat es genug gegeben, zum Beispiel den Streit mit den Anglern.

 „Die dürfen nicht fliegen“, ist dagegen die Auskunft von Ulrich Thüre, Pressesprecher des niedersächsischen Landesverbandes des Naturschutzbundes (Nabu) in Hannover, „zumindest nicht, wenn dort die Fischadler brüten.“ Das sei eine Frage der „Wertigkeit“ eines Naturschutzgebietes und müsste in der Verordnung ausgewiesen werden.

 Nur brüten Fischadler tatsächlich schon in Hohenrode? Selbst Nick Büscher, Nabu-Vorsitzender in Rinteln und stellvertretender Vorsitzender in Hannover, ist da mit seinen Aussagen vorsichtig. In einer Fernsehreportage formulierte er das so: In diesem Sommer sei der Horst auf der Insel noch nicht zur Brut durch Fischadler benutzt worden. „Der Fischadler hat jedoch schon ausprobiert, wie es sich dort sitzt.“

 Bleibt die Frage: Warum fliegen überhaupt Hubschrauber über die Kiesteiche? Die Antwort gibt Pfähler: Das sei der Bereich, in dem unter anderem Notlandungen geübt werden. Dafür gebe es allerdings keine bestimmten Tage. Wann geflogen wird, hänge von den Ausbildungsplänen ab. „Manchmal fliegen wir mehrmals in der Woche, dann wieder wochenlang gar nicht.“

 Die Hohenroder Bürger sind von dem Fluglärm zwar nicht gerade begeistert, doch man hat sich daran gewöhnt – und die Meinungen sind geteilt: Die einen halten den Rotorlärm, wenn beim Anflug Fensterscheiben vibrieren, und die Abgaswolken für unerträglich. Andere sagen, auch über Hohenrode werde Deutschland verteidigt. Irgendwo müssen die Jungs schließlich üben, allein im Simulator reicht ja wohl nicht.

 Immerhin, die größten Krachmacher und Stinker sind weg, die CH-53-Hubschrauber. Jetzt sind über Hohenrode der NH-90-Transporthubschrauber sowie Schulungshubschrauber unterwegs. Von Bückeburg einmal über den Berg brauchen die Piloten gerade mal fünf Minuten.

 Eine letzte Frage an den Offizier: Ist es nicht für Piloten gefährlich, wenn über den Kiesteichen Hunderte von Wasservögeln aufsteigen? Klar, sagt Pfähler, die Piloten würden das aber rechtzeitig sehen und aufpassen. „Kein Pilot ist so wahnsinnig und landet mitten in einer Vogelschar.“ Und wie tief dürfen die Piloten fliegen? „Bis auf drei Meter über Grund“, erklärt Pfähler.

 Wie geht es nun weiter? Heimann und Büscher sagen unisono: Wir wollen verhandeln, wir wollen mit der Bundeswehr sprechen und ausloten, was machbar ist. Auch in anderen sensiblen Gebieten, wie beispielsweise im Schaumburger Wald, habe man sich auf Absprachen geeinigt, schilderte Heimann. Und Büscher ergänzt, der Naturschutzbund sei guter Hoffnung, dass man auf einen Nenner kommen werde. Der Nabu habe kein Interesse, deshalb einen Rechtsstreit zu führen.

 Und der Hohenroder Bürger fragt sich: Warum hat man diese Frage nicht eigentlich schon geklärt, als die Naturschutzverordnung zur Debatte stand?

 An den Hohenroder Kiesteichen, im Naturschutzgebiet „Auenlandschaft“, sind übrigens inzwischen neue Gäste eingetroffen: Schellenten, Gänsesäger, Zwerggänsesäger und Kormorane. wm

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