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Kluges Kirchenkabarett

Theologe plaudert aus dem Nähkästchen Kluges Kirchenkabarett

Kirchenkabarett? Das kann es doch eigentlich nicht geben. Soll da der Glaube durch den Kakao gezogen werden? Die Steinberger waren mutig. Sie haben es anlässlich ihres 125. Kirchenjubiläums einfach mal ausprobiert. Und siehe da, alle haben sich prächtig amüsiert, und niemandem wurde zu nahe getreten.

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Pastor Reinhard Koller (links) und sein Kollege Stephan Strottmann müssen als Puttenengel Ingmar von Maybach-Mengedes Szene abrunden.

Quelle: cm

Steinbergen. Gast des Abends war Ingmar von Maybach-Mengede alias Pfarrer Maybach von der Bundesweiten Christlich Satirischen Unterhaltung (CSU). Obwohl man es ihm nicht ansieht – er trägt einen gänzlich pfarreruntypischen langen blonden Pferdeschwanz –, ist Maybach-Mengede vom Fach. Als Soziologe und Theologe hat er schon das Amt eines Gemeindepfarrers bekleidet und kann bestens aus dem Nähkästchen plaudern. Über die langen Samstagnächte, die er grübelnd über dem Predigttext für den sonntäglichen Gottesdienst verbrachte, zum Beispiel. Und wie er so eine Nacht dann schließlich dazu nutzte, ein Lied über sein Dilemma zu dichten. Denn Singen und Gitarrespielen gehört auch zu den Talenten des vielseitigen Gottesmannes.

 Ein weites Feld für Maybachs trockenen Humor sind die gesellschaftlichen Erwartungen an einen Pfarrer. Dieser hat nämlich eigentlich immer für alle da zu sein. „Da sitzt der Pfarrer nachmittags / entspannt auf der Terrasse. / Setz dich einfach dazu und quatsch / ihm in die Kaffeetasse. / Und auch nachts um zwei, / wenn dich irgendwas quält, / schau einfach vorbei, / er hat den Job selbst gewählt!“ – so heißt es da im „Pfarrhauslied“.

 Überhaupt sei das Pfarrhaus ein ganz besonderer Ort. Von Einsamkeit und Langeweile keine Spur, stattdessen: „Du kommst nach Haus, im Kühlschrank steht / ’ne volle Puddingschüssel. / Die Frauenhilfe hat ja noch / von früher einen Schlüssel.“ Liebe pur.

 Streifzüge ins politische und gesellschaftliche Geschehen ergänzen die Nähkästchenplaudereien. „Die FDP – Sie erinnern sich? – hat derzeit ein Lieblingsthema. Bei den Kirchen soll gestrichen werden. Zum Beispiel bei den Kirchentagen. Die seien ja laut FDP in Wirklichkeit nur rot-grüne Wahlveranstaltungen. Das ist natürlich total falsch. Kirchentage sind ohne Zweifel rein grüne Wahlveranstaltungen“, lässt Maybach die Zuhörer wissen.

 Bei Kanzlerin Merkel entdeckt er viele Gemeinsamkeiten mit der Sixtinischen Madonna. Auch Aufmunterungslieder für Hartz-IV-Empfänger gehören in sein Repertoire sowie jede Menge Ideen, wie man die Kirche wieder „fit für die Zukunft“ machen könnte. Manchmal, so stellt Maybach fest, bietet das Leben selbst die besten Satiren. „30 Prozent der Menschen, die aus der evangelischen Kirche ausgetreten sind, haben als Grund angegeben, dass sie mit dem Papst nicht länger einverstanden sind. Kein Scherz!“ Und beim Einstieg in die letzte Szene zeigt sich, dass auch dem Publikum die Absurditäten des Lebens nicht fremd sind. Da löst schon Maybachs erster Satz „Kürzlich wollte ich bei der Telekom eine Flatrate anmelden“ einen Sturm von Gelächter aus.

 Wie gut, dass Maybach-Mengede nach dem Ruf auf die Kanzel nun dem Ruf auf die Bühne gefolgt ist. Sein Publikum dankt es ihm. So viel klugen, trockenen und schwarzen Humor findet man selten. cm

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