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Kommt nicht in die Tüte

Rinteln / Plastiktüten Kommt nicht in die Tüte

Sie sind praktisch, belastbar, billig, oft sogar kostenlos: Plastiktüten sind aus dem Einkaufsalltag der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken.

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Einkaufstüten benutzt fast jeder, aber nicht alle sind ökologisch unbedenklich.

Quelle: tol

Von Jakob Gokl und Veronika Breitkopf . Die EU möchte sie jetzt verbieten. Sie stellen eine Belastung für die Umwelt dar. 198 Plastiktüten im Jahr verwendet ein durchschnittlicher Europäer, in Deutschland sind es 70. Sie brauchen Hunderte Jahre, bis sie sich zersetzt haben, erklärt Nick Büscher, Vorsitzender des Rintelner Ortsgruppe im Naturschutzbund (Nabu). In dieser Zeit können Giftstoffe austreten, sich Tiere darin verfangen oder sie für Futter halten und fressen.

Auch aus Schaumburg gelangt das Plastik in die ganze Welt. „Was in der Weser landet, endet in der Nordsee“, meint Büscher. „Wie groß das Problem ist, sehen wir immer wieder in der Auenlandschaft von Hohenrode.“ Wenn die Weser über ihr Ufer steigt, bleibt jede Menge Plastikmüll zurück. „Fische verheddern sich in Plastiktüten und verenden qualvoll, Vögel fressen Plastikmüll oder verfüttern ihn an ihre Jungtiere.“

 Bei einer Umfrage in der Fußgängerzone betonte die überwiegende Mehrheit, ohnehin kaum Plastiktüten zu kaufen. Und wenn, dann würden sie mehrfach wiederverwertet und ordnungsgemäß entsorgt. Das bestätigt auch Bernd Insinger, Geschäftsführer Abfallwirtschaft Schaumburg (AWS). 2012 habe Schaumburg die geringste Restmüllmenge Niedersachsens verzeichnen können. Das bedeutet, dass ein großer Teil des Plastikmülls auch tatsächlich in einem Sack mit dem Grünen Punkt landet. Auf der Deponie werde dann sortiert, teilweise recycelt oder „thermisch verwertet“, also zur Energiegewinnung verbrannt.

 Insinger erklärt aber auch, dass Plastiktüten nur einen vergleichsweise geringen Anteil des anfallenden Plastikmülls ausmachen. Der überwiegende Anteil seien direkte Produktverpackungen. Dieses Bild bestätigt sich, wenn man einen Blick auf die Einkaufskassen der Supermärkte wirft. Kaum ein gekauftes Produkt kommt ohne Plastik aus. Viele Waren sind sogar mehrfach eingeschweißt.

 Man kann sich vorstellen, dass es für die Abfallmenge keinen großen Unterschied macht, ob zehn in Plastik verschweißte Produkte in einen Plastik- oder in einen Stoffbeutel wandern. Doch reine Symbolpolitik sei ein Verbot nicht, findet Büscher. Irgendwo müsse man anfangen. Grundsätzlich begrüße der Nabu eine zusätzliche Abgabe, mit der die Plastiktüten teurer würden, oder auch ein Verbot. „Aber konsequenterweise müsste man sich natürlich auch den Verpackungen widmen.“

 Insinger erklärt, er persönlich sei der Meinung, dass ein Plastiktütenverbot für Deutschland relativ wirkungslos ist. Nicht die Produktion, die nur verschwindend geringe Mengen Erdöl benötige, sei das Problem, sondern was danach mit der Tüte passiere. Und hierzulande existiere, im Gegensatz zu anderen Ländern, ein funktionierendes Abfall- und Recyclingsystem. Trotzdem ist Insinger dafür, zum Einkauf Beutel von daheim mitzubringen.

 Wolle man Plastikmüll wirklich reduzieren, müsse man darauf hinwirken, dass für die Verpackungen mehr auf Papier oder Pappe zurückgegriffen werde. Die Gefahr, dass dafür mehr Bäume gefällt würden, sieht Insinger nicht. Denn Deutschland habe mit mehr als 90 Prozent eine extrem gute Altpapier-Recyclingquote.

 Die Auswirkungen eines Plastiktütenverbots müssten nicht nur die Kunden tragen, sondern auch die Supermärkte. In allen größeren Märkten werden bereits Alternativen zu Plastiktüten angeboten.

 So gibt es unter anderem bei der Drogerie Rossmann Tüten aus biologisch zersetzbarem Rohrzucker, Papier- und Stofftüten im WEZ-Markt und Klappboxen und Einkaufskörbe im Marktkauf. Aldi bietet zum Beispiel Tüten aus recyceltem Plastik an. Doch die Alternativen sind immer teurer als normale. Eine zusätzliche Besteuerung statt eines Verbots, wie es sich einige Rintelner wünschen, könnte das ändern. Dann werden zukünftig in Plastik eingeschweißte Nahrungsmittel vielleicht öfter in Stoffbeuteln nach Hause getragen.

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