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Kommunikation die halbe Miete

Exten Kommunikation die halbe Miete

In der Zentrale des Sicherheitsdienstes Sinen (SDS) stapeln sich in den Räumen Kartons mit Funkgeräten, Taschenlampen, Einsatzwesten, Abdrängstöcken und Pfefferspray.

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Irina Willmann (v.l.), Susann Grimm, Janine Henschke und Bodo Budde zeigen ihre Ausrüstungsgegenstände. Sie übernehmen den Sicherheitsdienst in der Prince Rupert School.

Quelle: tol

Exten. Die Ausrüstung ist für die neuen Mitarbeiter gedacht. Zehn sind in der Ausbildung, weitere 16 fangen an, weitere zehn haben sich für November gemeldet. Zur Ausbildung der Neuen gehört außer Eigenschutz auch Deeskalationstraining und eine spezielle Brandschutzschulung.

Der Rintelner Sicherheitsdienst muss das Personal so kräftig aufstocken, weil jeweils 16 Sicherheitsleute in zwei Schichten rund um die Uhr in der Prince Rupert School Dienst tun, wenn die 600 Flüchtlinge in den nächsten beiden Wochen ankommen.

Was SDS-Geschäftsführer Bodo Budde am meisten freut: Unter den Neuen sind Kollegen, die Französisch, Arabisch und Persisch sowie kurdische Dialekte sprechen. Damit sei sichergestellt, sagt Budde, dass in jeder Schicht zumindest ein Kollege dabei ist, der mehrere Sprachen spricht.

„Kommunikation ist die halbe Miete, wenn es Konflikte gibt“, sagt Budde. Nichts sei schlimmer, als wenn in einer Konfliktsituation niemand weiß, worum es eigentlich gehe. Das Team mit Budde hat einen Vorteil für seine Arbeit in der ehemaligen britischen Schule: SDS-Mitarbeiter haben bereits in der Jägerkaserne in Bückeburg Erfahrungen sammeln können. Sie kennen viele Flüchtlinge, die von Bückeburg nach Rinteln umziehen.

Wichtigste Lehre in Bückeburg, so Budde: „Man muss Regeln aufstellen und durchsetzen.“ Man könne mit den Flüchtlingen viele alltägliche Dinge gemeinsam absprechen, aber alle kriege man nicht unter einen Hut.

Budde nennt als Beispiel die Nachtruhe: Die einen wollten bis Mitternacht aufbleiben, die anderen früh schlafen. Letztlich muss die Heimleitung eine Entscheidung treffen, die dann der Sicherheitsdienst als „verlängerter Arm“ durchsetzt. Das werde in der Prince Rupert School einfacher werden. Für Spätheimkehrer, „die wir ja schlecht in Rinteln herumirren lassen können“, wird es einen separaten Raum geben, wo sie schlafen können, ohne alle anderen aufzuwecken. Für Frauen und Kinder wird es – soweit möglich – mehr Privatsphäre geben.

Und ein weiteres Konfliktthema wird man entschärfen können: die Aufladung der Handys und Smartphones, den Kampf um jede Steckdose. Budde sagt: Ein Handy ist das Wichtigste, was ein Flüchtling besitzt. „Die wollen wissen, wie es Familienmitgliedern geht, die irgend woanders in Deutschland sind, was zu Hause los ist, wo die Menschen sind, mit denen sie auf der Flucht Freundschaft geschlossen haben. Nichts ist schlimmer als Ungewissheit.“. Und die Smartphones mit Übersetzungs-Apps würden auch für die Verständigung genutzt.

Wichtig gegen Lagerkoller sei Beschäftigung: „In Bückeburg haben Flüchtlinge Ball gespielt, die Afghanen Kricket, die Kinder stundenlang mit Pflasterkreide den Hof bemalt.“ Auch erhofft sich Budde eine bessere Situation in Rinteln, denn dort gibt es eine Sporthalle und mehr Platz.

Ein Problem sei die Bildung von Clans, das habe sich in Bückeburg gezeigt. Clans, die ihre eigenen Regeln und eine eigene Hackordnung aufstellen wollen.

Der Sicherheitsdienst plant auch Kontrollen in den Zimmern. Diese seien auch nötig, damit beispielsweise niemand einen eigenen Kocher aufstellt – schon aus Brandschutzgründen.

Ich sage den Flüchtlingen immer: „Ihr seid doch gerade deshalb zu uns gekommen, weil es hier so ist, wie es ist, alle frei leben können, Frauen gleichberechtigt sind. Das funktioniert aber nur, wenn sich alle an die Regeln halten.“ Zur Sicherheit in der Ex-Schule gehört auch, dass jeder Flüchtling eine Karte erhält, ein- und ausgescannt wird, damit man immer weiß, wer im Haus ist.

Die SDS-Mitarbeiter werden in schwarzer Uniform mit Ausrüstung auftreten. Budde sagt, das habe sich bewährt, das sorge für Respekt: „Wenn sie da in Jeans und Turnschuhen herumlaufen, nimmt sie niemand für voll, die jungen Syrer schon gar nicht.“ Das Wichtigste sei, „dass man sich gegenseitig respektiert“. Diesen Respekt müsse man sich erarbeiten. Freundlich, aber auch bestimmt. „Da sind Menschen, die jetzt ungeduldig sind, weil sie nicht wissen, wie es weiter geht, die viel erlebt haben, auch Gewalt, und die deshalb auch schneller zur Gewalt bereit sind. Wir bemühen uns immer Kontakt zu halten, aber keine Freundschaften zu pflegen, was andere falsch auslegen könnten.“

Bisher, so Budde, sei zum Glück erst ein SDS-Mann während des Einsatzes verletzt worden, der einen Streit unter Flüchtlingen beenden wollte. Er hat sich die Hand gebrochen. Doch Budde betont ausdrücklich, das bedeute nicht, dass er bewusst angegriffen worden sei: „Das ist im Gerangel passiert.“ wm

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