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Lämmer nicht gewaltsam getötet

Veterinär vermutet illegalen Tierhalter Lämmer nicht gewaltsam getötet

Die 13 toten Lämmer, die am Donnerstag an der Domäne Möllenbeck gefunden wurden, sind nicht durch Gewalteinwirkung ums Leben gekommen.

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In diesem Feld bei Möllenbeck sind die 13 toten Lämmer abgeladen worden.

Quelle: tol

Möllenbeck. Zu diesem Schluss kommt Ulf Güber vom Schaumburger Veterinäramt. Während einige Tiere Totgeburten waren, haben die anderen Lämmer gelebt und sind an einer Krankheit gestorben. Darauf weist der von Güber festgestellte Durchfall der Lämmer hin. Ein bislang unbekannter Tierhalter hatte die toten Lämmer illegal in einem Feld bei Möllenbeck entsorgt.

 Die von Güber noch vor Ort untersuchten Schädel und Genicke weisen keine Gewalteinwirkung auf. Stattdessen stellte er Spuren fest, die auf Durchfall hinweisen: völlig verschmierte Hinterteile. „Das hätte jeder Laie erkennen können“, sagt Güber. Dabei sei der Durchfall jedoch nicht die tödliche Erkrankung, sondern bloß das Symptom gewesen. An welcher Krankheit die Lämmer gestorben sind, wird indes nicht untersucht. „Das geben unsere Kapazitäten nicht her“, sagt Güber. Dafür fehle es in Fällen wie diesem an Geld.

 Dem Veterinär zufolge wurden die Tiere bereits vor mindestens einer Woche dort abgeladen. Darauf wiesen die schon eingesunkenen Augäpfel hin. Auch bestand schon keine Totenstarre mehr. „Nicht auszudenken, wie das im Sommer gewesen wäre“, sagt Güber. Dann hätte sich bereits einen erheblichen Verwesungsgeruch eingestellt und „die Bussarde wären wie in der Serengeti“ über den Kadavern gekreist. Dazu droht eine Verunreinigung des Grundwassers.

 Aber auch im Winter bot sich dem Veterinär kein schöner Anblick. „Ich habe ja schon vieles gesehen, aber hier war ich doch betroffen“, sagt Güber. Immer wieder würden einzelne tote Tiere irgendwo illegal abgeladen. Aber nicht in dieser Menge.

 Die 13 Lämmer sind offenbar in einem Stall zur Welt gekommen und dort auch verendet. Schließlich befände sich zwischen den Klauenspalten der Tiere keinerlei Erde. Demnach stammten die Lämmer aus keiner Hüteherde, die auf der Wiese lebt und wo auch mal in der Nacht bei Minusgraden ein Lamm geboren wird und deshalb erfriert.

 Güber glaubt, dass derjenige, der die Lämmer illegal entsorgt hat, illegal Tiere hält. Andernfalls hätte er die toten Lämmer ja auch bei der Abdeckerei, also zur Tierkörper-Beseitigungsanstalt, abladen können. Das kann allerdings bei illegal gehaltenen Tieren richtig teuer werden, weiß Güber. Nicht auszuschließen sei jedoch auch, dass die Tiere zwar durchaus wie vorgeschrieben bei der Tierseuchenkasse des Landes Niedersachsen gemeldet waren, der Halter jedoch Unannehmlichkeiten durch das Veterinäramt fürchtete. Denn das wird informiert, wenn Kadaver in so hoher Anzahl bei der Abdeckerei abgeladen werden. Dann stellt sich nämlich die Frage, ob die Mutterschafe und Lämmer auch tatsächlich vernünftig versorgt werden. Andernfalls drohen tierrechtliche Maßnahmen, die bis zum Tierhalteverbot reichen können.

 „Im Bereich Rinteln haben wir zwar mehrere größere Schafherden, aber das sind liebevoll gepflegte Mutterschafe mit drei bis sieben Lämmern – nicht mit 13“, meint Güber. „Deshalb glauben wir, das ist keiner von uns.“ Aber die Landesgrenze ist nur ein paar Hundert Meter entfernt. Womöglich kam der Tierhalter aus den angrenzenden Nachbarkreisen Lippe oder Minden-Lübbecke und hoffte, in dem abgelegenen Feldweg die Tiere unbemerkt abladen zu können. „Deshalb haben wir uns sofort mit den Kollegen vernetzt“, so Güber. Aber die dort angestellten Ermittlungen zu den tot aufgefundenen Ziegen und Kamerun-Schafen hätten bislang keinen Zusammenhang zu den toten Tieren von Möllenbeck herstellen können.

 Möglich auch, dass der Halter die Tiere illegal in Schaumburg hält. Die Lämmer sind Güber zufolge aus keiner Rasseherde. Sie sind weder Merinoschafe noch Schwarzköpfe, sondern sogenannte Crossbreed-Schafe, also das Ergebnis von Kreuzungen.

 „Wenn jemand ein Problem mit seinem Tierbestand hat, dann ist er verpflichtet, das behandeln zu lassen“, sagt Güber und appelliert an den unbekannten Halter und mögliche Zeugen, sich an das Veterinäramt zu wenden: „Vielleicht ist die Schafsherde ja noch zu retten.“ Dabei gehe es auch um den Schutz anderer Tiere. Es soll verhindert werden, dass sich eine tödliche Krankheit ausbreitet. Der Tierhalter muss mindestens mit einem Bußgeld rechnen. Wenn die Tiere gelitten haben, greife zudem das Tierschutzgesetz.

 Die Tiere wurden noch am Freitag von Güber weggeschafft und in der Nähe unter einer für solche Fälle angelegten Kadaverhaube abgelegt. Dort werden die Tiere abgeholt und vorschriftsgemäß entsorgt.  pk

Hinweis: Unter der Rufnummer (05722) 966800 ist das Veterinäramt rund um die Uhr zu erreichen.

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