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„Land unter“ nach jedem Starkregen

Deckbergerin leidet unter Überflutungen „Land unter“ nach jedem Starkregen

Ein kleiner Bach mit Kaulquappen und Fröschen schlängelt sich über das Grundstück am Hessenweg 2 –Idylle pur, wenn es nicht gerade heftig regnet.

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Groß genug? Hier fließt das Wasser aus dem Bach ab, und zwar wieder verrohrt unter einem Haus, wie Michaela Müller-Lindemann zeigt.

Quelle: dil

Deckbergen. Deckbergen ist während der Dorferneuerung mit hübsch gepflasterten Fahr- und Gehwegen bis an die Grundstücksmauern bedacht worden, bei Starkregen schießt dort nun das Wasser den Hang hinab. Daneben gibt es alte Vorflutgräben, zum Teil verrohrt, die überlastet sind. Manuela Müller-Lindemann bekommt es vor die Haustür. Am Montag war der Hof erneut überschwemmt, stand Wasser in Haus und Garagen. Und nicht nur Wasser, auch Schlamm und Unrat.

 „Der Druck hat sogar Fontänen aus der Toilette und Badewanne schießen lassen“, schimpft Müller-Lindemann, Mieterin im Erdgeschoss. Ihr Auto hat sie in einer am tieferen Ende des gepflasterten Hofes stehenden Garage. „Bis zu 60 Zentimeter hoch steht darin manchmal das Wasser. Mehrmals musste ich mein durchnässtes Auto schon zum Trocknen bringen. Die Versicherung will dafür schon nicht mehr zahlen. Letztes Jahr sind mir Waschmaschine, Trockner und Herd kaputtgegangen, über 4000 Euro Neukaufkosten. Das zahlte die normale Versicherung nicht. Ich bin deshalb zu einer Versicherung gegen Elementarschäden gewechselt, die aber teurer ist.“

 Doch offenbar liegt die Verantwortung für die Lösungssuche beim Vermieter, zumindest bei der Beseitigung falscher Anschlüsse, die für die Fontänen in Bad und Toilette sorgen. Grit Seemann, Leiterin des Abwasserbetriebes Rinteln: „Wir haben den Hauseigentümer angeschrieben, damit er das Problem beseitigt. Wir haben ihn auf seinen Wunsch beraten, aber das war erst vor Kurzem. Er hat sich bereit erklärt, etwas zu tun, und wir werden das nach Ablauf der von uns gesetzten Frist überprüfen.“

Es geht auf dem Hof nicht nur um reines Regenwasser, sondern um Schlamm und im April sogar um Unmengen von Gülle, die ein Bauer kurz vor dem Starkregen wohl auch auf ein Feld oberhalb des Ortskerns aufgebracht hat. „Der Bauer hat die Gülle bei uns aber wieder abgepumpt“, so Müller-Lindemann.

 Weil auch von Gartenbeeten Erde auf den Hof gespült, haben die Hausbewohner dort einfach groben Kies aufgebracht. Mitten auf dem gepflasterten Hof verläuft eine schmale Abflussrinne hin zum Bach, immer wieder mal verstopft. Müller-Lindemanns Sohn Felix hat dort Montag beim Saubermachen eine tote Ratte gefunden. Zum Glück ist Müller-Lindemann in der Feuerwehr, die bei Starkregen schon weiß, wo sie ziemlich sicher wieder abpumpen und abspritzen muss.

 Sie sieht die Stadt Rinteln in der Pflicht. Es gab 2014 auch einen Ortstermin mit Behördenvertretern. Der Abwasserbetrieb der Stadt bot Hilfe an. „Wir haben für das Haus geprüft, ob es falsche Anschlüsse an den Bachlauf gibt, und mit Vernebelungstests haben wir auch welche gefunden“, sagt Seemann. „Und mit einer Kamera haben wir im verrohrten Teil des Grabens auch Grillroste, einen Bohrkern und Steine gefunden, alles dann mit dem Saugwagen beseitigt. Für Änderungen an dem Bachlauf auf privatem Grund sind wir nicht zuständig.“

 Bernd Hugo, Leiter der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis, nennt den Bach ein Gewässer dritter Ordnung, das im Privatgelände verläuft. „Die Unterhaltungspflicht liegt dort bei den Eigentümern. Das Gewässer ist aber mit den bisherigen Einleitungen offenbar überlastet, wie bei Starkregen aber fast jedes solcher Gewässer. Im Rahmen des Objektschutzes müssen da die Grundstückseigentümer ran. Aber dieser Fall ist kaum lösbar, da die Rohre ja zum Teil unter Gebäuden verlaufen.“

In der Tat führt das Auslassrohr des Baches auf dem Grundstück am Hessenweg 2 direkt unter ein Gebäude, und der Rohrdurchmesser ist für Starkregen ziemlich klein. Daneben ist eine Böschung mit Steinen befestigt, von denen einige bei Starkregen in den Bachlauf rutschten.

 Hugo verweist darauf, dass es in Deckbergen ja einen Regenwasser- und Abwasserkanal gebe, da müsse doch Anschluss- und Benutzungszwang herrschen. Seemann verweist aber auf das Gewohnheitsrecht von Anwohnern, Regenwasser in den Bach einzuleiten. Als Müller-Lindemann gerade die Kaulquappen im Bach zeigen will, schießt grau-milchiges Waschmaschinenwasser aus dem Rohr. Regenwasser?

 Das alles hilft Müller-Lindemann nicht weiter. Ihrem Vermieter hat sie mitgeteilt, dass die Stadt dort eigentlich Bagger einsetzen will, beruft sich dabei auf eine Auskunft vom Ortstermin im November. Am Dienstag waren zwei Mitarbeiter des Bauhofs der Stadt in Deckbergen, sammelten zwei tote Fische (wohl von der Zucht in der ehemaligen Badeanstalt abgeschwemmt) ein und befanden, dort müsse wohl mal ein Bagger ran, um den Wasserlauf zu vergrößern. Auf Rückfrage dieser Zeitung sagten die Mitarbeiter Heino Stemme und Andreas Vauth: „Wir haben niemandem eine Zusage gegeben. Und wegen der Kaulquappen sollte man jetzt sowieso nichts machen. Außerdem ist ja die Zuständigkeit unklar.“

 Müller-Lindemann hilft also auch das nicht. Einziger Trost: „Wenigstens habe ich jetzt eine Küche, die ich höherschrauben kann, damit sie nicht stets bei Starkregen im Wasser steht.“  dil

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