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Landkreis zahlt Taxifahrten zur Grundschule

Westendorf / Schule Landkreis zahlt Taxifahrten zur Grundschule

Die 4. Klasse hat für Carl Luis Rinne mit einer besonderen Neuerung begonnen. Seit vergangener Woche wartet jeden Morgen ein Taxi auf den Neunjährigen, bringt ihn zur Schule nach Deckbergen und mittags wieder nach Hause. Die Kosten für diesen Fahrdienst trägt der Landkreis, weil es für den Schüler zu gefährlich sei, die Bundesstraße zu überqueren – aber genau das müsste er, wenn er mit dem Schulbus fahren wollte.

Westendorf (jaj). „Ich bin unglaublich erleichtert“, sagt Antje Rinne, die Mutter des Schülers. Seit Jahren kämpft sie für die Installation einer Bedarfsampel an der B 83 – vergebens. Dabei muss ihr Sohn jeden Morgen die viel befahrene Straße überqueren, um die Bushaltestelle zu erreichen, die in einer Stichstraße an der anderen Straßenseite liegt. In den ersten drei Jahren seiner Schullaufbahn wurde Carl Luis deshalb jeden Morgen von einem Familienmitglied vom Gut Echtringhausen zur Haltestelle begleitet und nachmittags wieder abgeholt.

Irgendwann ist Britta Rinne, die Tante des Schülers und Juristin, zufällig auf Urteile gestoßen, nach denen Schülern ein Anspruch auf kostenlose Schülerbeförderung zugestanden wurde, weil der Schulweg zu gefährlich sei. „Es handelte sich um breite, schlecht einsehbare und viel befahrene Straßen“, sagt sie. „Alles Dinge, die auch auf die B 83 hier zutreffen.“

Es folgte ein reger Austausch mit dem Amt für Schulen, Sport und Kultur beim Landkreis Schaumburg, und nach einem Ortstermin kam dann die positive Nachricht: Auf dem Weg vom Gut Echtringhausen zur Grundschule sei derzeit eine „besondere Gefährlichkeit gegeben, da die Überquerung einer relativ breiten und viel befahrenen Bundesstraße außerhalb geschlossener Ortschaften ohne Querungshilfe für Kinder im Primarbereich nicht sicher einschätzbar ist.“

„Wir sind dem Landkreis wirklich sehr, sehr dankbar“, versichern die Schwestern. Denn nicht nur Antje Rinnes Sohn Carl Luis hat einen Anspruch auf kostenlose Beförderung. „Mein Sohn Victor hat denselben Anspruch, wenn er kommendes Jahr eingeschult wird“, freut sich Britta Rinne.

So sehr sie dem Landkreis dankbar sind, eine Bedarfsampel wäre für die beiden Frauen noch immer die bevorzugte Lösung. „Jetzt ist zwar der Schulweg der Kinder sicher, aber es gibt ja auch Aktivitäten am Nachmittag“, sagt Antje Rinne. Ihr Sohn ginge zum Beispiel zur Jugendfeuerwehr und müsse auf diesem Weg ebenfalls die Bundesstraße überqueren. Aus diesem Grund wird er auch dorthin stets begleitet. „Und es sind ja nicht nur die Kinder“, fügt Britta Rinne hinzu. Auch ältere Menschen oder Mütter mit Kinderwagen, die im Feld spazieren gehen wollen, müssten genauso wie Reiter oder Fahrradfahrer die B 83 überqueren. „Für sie alle wäre es mit einer Bedarfsampel sicherer“, sagt sie. Immerhin seien an dieser Straße schon mehrere Fußgänger zu Tode gekommen. „Wir würden eine Lösung begrüßen, die mehr Menschen zugute kommt.“

Finanziell kosten die Taxifahrten nach Angaben des Landkreises rund 2400 Euro pro Kind und Schuljahr. Und Carl Luis und Victor sind nach Angaben der Rinne-Schwestern nicht die einzigen Kinder, die die B 83 an dieser Stelle überqueren müssen.

Allein bei den beiden Schülern von Gut Echtringhausen kommen bei fünf Jahren Schülerbeförderung rund 12.000 Euro zusammen. Hinzu kommen die Kosten für die anderen Kinder, falls sie denn eine Beförderung beantragen. Eine Bedarfsampel würde nach Recherchen Britta Rinnes 20.000 Euro kosten. Könnte man dann nicht einfach 8000 Euro drauflegen und eine Ampel errichten, von der auch zukünftige Schülergenerationen und alle übrigen Bürger etwas haben? Nein, da es sich um andere Zuständigkeiten handelt. Für die Bedarfsampeln ist nicht der Landkreis, sondern der Bund oder – wenn dieser keinen Bedarf feststellt – die Stadt zuständig. Und das sind nun einmal unterschiedliche Töpfe, auch wenn alle mit Steuergeld gefüllt werden.

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