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Leben im Schloss

Arensburg versteigert Leben im Schloss

Im Dezember ist die Arensburg bei einer Auktion der Deutschen Grundstücksauktionen AG in Berlin versteigert worden. Den Deal hatte der Hohenroder Makler Gerhard Bein eingefädelt. Und es fand sich tatsächlich ein Käufer: das Unternehmen „Dolphin Trust“ mit Sitz in Langenhagen bei Hannover.

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Blick auf die Arensburg: Die neuen Eigentümer planen, dass dort bald wieder Menschen wohnen.

Quelle: jan

Steinbergen. Kommuniziert wurde der Versteigerungserfolg damals nicht. Bein schwieg sich aus – ebenso der Vorbesitzer Achim Hecht aus Leipzig. Erst jetzt ließen sich nach Recherchen die neuen Schlossherren ermitteln. Eine E-Mail an die Adresse in Hannover blieb zunächst unbeantwortet, dann rief gestern Andrè Klein an, im Unternehmen für Presseauskünfte zuständig. Es war ein Anruf aus Singapur. Deshalb, so Klein, könne er auch keine Details präsentieren. Der mit dem Schloss befasste Projektentwickler werde demnächst weitere Fragen beantworten, versicherte Klein.

Und Klein nannte eine schlüssige Begründung für das lange Schweigen des Unternehmens nach dem Kauf: „Wir wollten zunächst ein konkretes Konzept erarbeiten.“ Ein paar Informationen gab es aus Singapur gestern dann doch: Das Schloss wird weder Alten-WG noch Bordell, wie bereits wieder gerüchteweise in Steinbergen verbreitet worden ist. In und auf dem Gelände der Arensburg soll man künftig wieder wohnen können. In Eigentumswohnungen. Die Idee sei, auch auf dem Gelände „neu zu bauen“. Dabei würden selbstverständlich alle Auflagen des Denkmalschutzes berücksichtigt.

Exklusive Nische

Klein versicherte am Telefon, Denkmale seien eine Spezialität des „Dolphin Trust“: „Als Projektentwickler haben wir uns in der exklusiven Nische des Denkmalschutzes profiliert.“ Die Homepage des Unternehmens zeigt, dass „Dolphin Trust“ in Deutschland vornehmlich im Bereich des Wohnungsbaus tätig ist – mit gegenwärtig einem Portfolio von rund 60 Projekten und einem Volumen von etwa einer Milliarde Euro. Getreu der Selbstdarstellung des Unternehmens eine „ganz andere Hausnummer“ als es die Vorbesitzer der Burg, Achim Hecht, Christiane Bennink und der Erfinder Heinz Gruber gewesen seien.

Diese hatten sich zwar selbst um Investoren bemüht, um die Arensburg zu sanieren, aber ohne Erfolg. Seriöse Konzepte für eine Schlossnutzung gab es durchaus. Auch Bennink hatte dafür einen Projektentwickler beauftragt: Ideen waren ein Veranstaltungszentrum sowie eben die Alten-WG, die auch Hecht favorisiert hatte.

Das Modell, nach dem „Dolphin Trust“ vorgeht, findet sich im Internet: Werde eine Immobilie erworben, erstelle eine Fachabteilung ein Sanierungskonzept und einen Verkaufsprospekt für die Immobilie.

Immobilie und Sanierungskonzept seien zu diesem Zeitpunkt noch „eine Vision“, denn erst wenn die Immobilie insgesamt verkauft sei, „dürfen wir mit der Sanierung beginnen“, so Klein in der im Internet veröffentlichen Pressemitteilung.

„So verlangt es das Gesetz dann, wenn man bei Investitionen in eine Denkmalschutzimmobilie seine Investitionen steuerlich geltend machen will. Da dies finanziell sehr lukrativ ist, verkaufen wir über 80 Prozent unserer Immobilien in dieser Kombination.“ Aktuelles Beispiel, wie man das machen könne, sei das Areal der ehemaligen denkmalgeschützten Sternburg-Brauerei in Lützschena mit Sudhaus und Uhrenturm. Dort plant der „Dolphin Trust“ 100 hochwertige Wohnungen, Fertigstellung voraussichtlich 2019.

Dem Rintelner Bauamt, so war Dienstag zu hören, ist der neue Schlossherr zwar bekannt – durch den Kaufvertrag. Aber noch habe sich niemand aus Hannover persönlich im Rathaus in Rinteln vorgestellt. „Wir lassen uns überraschen“, sagt Baudezernentin Elena Kuhls.

Verständlich, denn es gibt wohl kaum ein Nutzungskonzept für die Burg, das nicht schon im Bauamt von Interessenten vorgestellt worden wäre. Auch Kuhls hat sich die bisherigen Projekte des Unternehmens im Internet angeschaut und festgestellt, „mit der Arensburg“ sei kein Projekt wirklich vergleichbar. Man werde also sehen.

Hoffnung bei Politikern

Auch bei den Kommunalpolitikern keimt nun Hoffnung auf, die Arensburg könnte doch noch vor dem Verfall bewahrt und sinnvoll genutzt werden. Steinbergens Ortsbürgermeister Heiner Bartling gibt dabei nur zu bedenken, dass die mögliche Trasse der geplanten B83-Umgehung das Burggelände tangieren würde. Diese führe nämlich zwischen dem Altenheim und der Burg wieder auf die alte Bundesstraße zurück.

Allerdings sei die Umgehung zwar in den vordringlichen Bedarf aufgenommen worden aber das sage noch nichts über die endgültige Trassenführung aus. Dabei gebe es noch Verhandlungsspielraum. Damit sei offen, wem das Gelände gehöre, das die Straßenbauer wohl werden erwerben müssen. wm

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