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Mehr als nur eine Baustelle

Kindergarten Deckbergen sanierungsbedürftig Mehr als nur eine Baustelle

Matti und Emily (beide drei Jahre alt) müssen sich dieser Tage die Hände in einer kleinen Wanne waschen. Waschbecken? Fehlanzeige. In den Wasserleitungen waren Legionellen festgestellt worden.

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 Matti und Emily (beide drei Jahre alt) und die anderen Kinder im Kindergarten Deckbergen müssen sich derzeit die Hände in einer kleinen Wanne waschen.

Quelle: pk

Deckbergen. Vor wenigen Tagen haben die Bauarbeiten für neue Leitungen begonnen. Aber die von Legionellen befallenen Leitungen sind nur ein Aspekt einer langen Mängelliste, die nicht nur Elternvertreter und Mitarbeiter des Kindergartens Deckbergen beklagen. Auch der Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover (GUV) sieht Handlungsbedarf.

Daniela Matzke von der Elternvertretung führt im Gespräch mit unserer Zeitung die dringlichsten Probleme auf, die auch in einer Untersuchung der GUV nebst anderen Kritikpunkten beanstandet wurden:

Das Eingangstor ist nicht mehr verschließbar. Die Kinder können unbemerkt das Grundstück verlassen, Fremde es betreten. Der kleine Zaun oberhalb der etwa vier Meter hohen Grundstücksmauer ist viel zu niedrig und stellt für die älteren Kinder keine unbezwingbare Barriere dar. Es bestehe die Gefahr, dass ein Kind herunterstürzt.

Der Wickelplatz befindet sich mitten im Zugluftbereich des Eingangsbereichs. Der Eingangsbereich in dem vor knapp sechs Jahren errichteten Sandsteinanbau hat keinen Windfang. Bei jedem Türöffnen wird es kalt.

Die bodentiefen Fenster im Kindergarten sind nicht verschließbar. Dies stelle insbesondere im Obergeschoss für die Kinder eine Gefahr dar. Die Heizkörper sind unverkleidet und haben spitze Kanten, an denen sich die Kinder verletzen können. Herd und Spülmaschine sind nicht gesichert und können von Kindern angestellt werden.

Diese Probleme seien akut und sollten auf Wunsch von Eltern und Kindergartenleitung kurzfristig gelöst werden. Billig würde aber auch das nicht. Harm Schütte vom Evangelisch-lutherischen Kindertagesstättenverband Grafschaft Schaumburg spricht dieser Zeitung gegenüber von Kosten im fünfstelligen Bereich. Doch langfristig müsse mehr passieren. Da sind sich Eltern, Mitarbeiter und der Träger – der Kita-Verband – der Einrichtung einig. Für eine Kindertagesstätte, die den heutigen Ansprüchen gerecht wird, brauche es eigentlich einen Neubau. „Doch dafür fehlt dem Träger das Geld“, so Schütte.

Eine Sanierung des denkmalgeschützten Fachwerkhauses komme für den Träger aber auch nicht in Frage, ebenfalls aus Kostengründen. Ein im Oktober 2014 im Auftrag des Kita-Verbands erstelltes Gutachten des Wunstorfer Architekturbüros Haake bezifferte Kosten in Höhe von rund 382000 Euro. Eine Summe, die in etwa zu zwei Dritteln den zu erwartenden Kosten eines Neubaus entspräche. Selbst dann, so der Gutachter, sei noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Folglich sei ein Neubau an anderer Stelle die vernünftigere Lösung.

Doch die Stadt Rinteln, die für einen Großteil der Finanzierung des kirchlichen Kindergartens aufkommt, habe laut Matzke einem Neubau bislang ablehnend gegenüber gestanden. „Das stimmt so nicht“, sagt Bürgermeister Thomas Priemer. „Zumal so eine Entscheidung auch nicht vom Bürgermeister, sondern von den Gremien getroffen wird.“ Fakt sei aber, dass für das laufende Jahr keine Mittel für einen Neubau in den Haushalt gestellt worden seien.

Vor zweieinhalb Jahren hat der Kindergarten laut Matzke den Bedarf für einen Neubau ermittelt – mit dem Ergebnis: „Der Bedarf ist da“, so Matzke. „In den nächsten zwei Jahren ist der Kindergarten komplett belegt.“ Allerdings behalte man sich bei der Stadt vor, so Priemer, den Bedarf in diesem Fall selbst noch einmal zu ermitteln. Man sei bereits dabei.

In den ausbaufähigen Öffnungszeiten (7 bis 14 Uhr) der Einrichtung sieht Matzke gewissermaßen eine Förderung der Abwanderung. Für Vollzeitbeschäftigte sei das ein Problem. Sie wisse von einer Deckbergerin, die täglich bis 15 Uhr beschäftigt ist und in der Konsequenz ihr Kind zur Betreuung in den Kindergarten in Steinbergen habe geben müssen. Um die Kita dem Bedarf anzupassen und somit attraktiver zu machen, schlägt Matzke vor, die Öffnungszeiten auf 17 Uhr auszuweiten, so wie es auch die Grundschule Deckbergen vorhabe, die derzeit nur montags bis donnerstags eine Betreuung bis 15 Uhr anbietet.

Aber es seien nicht nur die Öffnungszeiten, die nicht mehr zeitgemäß seien. Normalerweise, bestätigt auch Kindergartenleiter Florian Schuba, müssten die Kinder unter drei Jahren und die Kinder über drei Jahren komplett getrennt voneinander betreut werden. Dies sei am jetzigen Standort Am Kirchplatz 3 räumlich aber schlichtweg nicht umzusetzen.

In der Konsequenz werden das Außengelände und die Räume im Gebäude sowohl von U3- als auch von Ü3-Kindern weitgehend gemeinsam genutzt. Die Gegebenheiten ließen nichts anderes zu. Dies werde den unterschiedlichen Ansprüchen nicht gerecht.

Als privater Investor kam inzwischen Matzkes Mann, der Bauunternehmer Jürgen Söffker, ins Gespräch – und in diesem Zusammenhang auch der Bereich um die Grundschule als möglicher Standort eines Neubaus. Ein konkretes Angebot vonseiten Söffkers liege der Stadt indessen noch nicht vor, so Priemer.

Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Eine Arbeitsgruppe des Kita-Verbandes befindet sich in Gesprächen mit der Kommune. Die nächste Zusammenkunft ist am 15. Februar.pk

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