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Gerichte beschäftigen sich jahrelang mit einem Kinderwagen

Betrugsfall Gerichte beschäftigen sich jahrelang mit einem Kinderwagen

Im vierten Anlauf ist nun endlich unter einen Berufungsprozess um einen mehrfach verkauften Luxus-Kinderwagen ein Schlussstrich gezogen worden: In einem bis zuletzt strittigen Betrugsverfahren wurde eine 22-jährige Mutter von drei kleinen Kindern jetzt vom Landgericht Bückeburg freigesprochen.

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Symbolbild.

Quelle: dpa

RINTELN/BÜCKEBURG. Mit dem Urteil beendete die Kammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsidentin Eike Höcker zugleich eine Serie von vergeblichen Versuchen, diesen Fall abzuschließen. Nicht durchsetzen konnte sich letztlich die Staatsanwaltschaft, die bei ihrer ursprünglichen Ansicht blieb und davon ausging, dass die Angeklagte einen hochwertigen Kinderwagen in betrügerischer Absicht gleich zweimal für 280 Euro verkauft hatte. Der erste Staatsanwalt André Lüth forderte denn auch 40 Arbeitsstunden für die junge Frau.

Der Fall: Im Februar 2013 bot die Angeklagte über unterschiedliche Internet-Verkaufsportale einen Luxus-Kinderwagen mit Aluminium-Gestell zum Kauf an. Es meldeten sich zahlreiche Interessenten, unter anderem eine junge Frau aus Düsseldorf. Die 27-Jährige erwarb den Wagen für 280 Euro und überwies das Geld wie vereinbart auf das Konto der Angeklagten. Zwischen den beiden Frauen gab es einen regen E-Mail-Verkehr, geliefert wurde die Ware aber nie.

Geld hat die Käuferin bis heute nicht wiederbekommen

Auch telefonische Kontaktaufnahmen der Düsseldorferin scheiterten, das Geld hat sie bis heute nicht wieder bekommen. Stattdessen veräußerte die Angeklagte den Kinderwagen an eine andere Interessentin, die zu ihr nach Hause gekommen war und den Wagen gleich mitgenommen hatte. Auch von ihr kassierte sie 280 Euro. Eigentlich habe sie aber schon mit der Düsseldorferin das Geschäft abwickeln wollen, erzählte die 22-Jährige im Oktober 2014 sinngemäß in einem ersten Verfahren vor dem Rintelner Amtsgericht. Dann sei jedoch die andere Frau zu ihr gekommen, und sie habe den Kinderwagen spontan an die Bekannte verkauft. Dass die 22-Jährige von Anfang an die Düsseldorferin prellen wollte, was Voraussetzung für eine Verurteilung ist, konnte ihr nach Überzeugung des Amtsgerichts nicht nachgewiesen werden.

Mit dem Freispruch in Rinteln war die Staatsanwaltschaft nicht einverstanden und legte Berufung ein. Im Frühjahr und Sommer 2015 sollten in Bückeburg die beiden ersten Anläufe stattfinden, den Fall neu aufzurollen.

Angeklagte fehlt zweimal unentschuldigt

Zweimal wartete die Kammer aber vergeblich auf die junge Mutter, die jeweils ohne Entschuldigung fehlte. Der Gedanke, die Angeklagte durch die Polizei vorführen zu lassen, war wegen ihrer kleinen Kinder problematisch. Nach zweimaligem Fernbleiben ohne Entschuldigung entschied man sich jedoch für diese Lösung. Im Herbst wurde die 22-Jährige dann vorgeführt, der Prozess endete mit einer Einstellung des Betrugsverfahrens. Allerdings mit der Auflage, dass die Frau 150 Euro in monatlichen Raten zu je 25 Euro an das Deutsche Kinderhilfswerk überweist.

„Es ist nichts, aber auch gar nichts an Zahlungen eingegangen“, musste die Vorsitzende Richterin ernüchternd feststellen. Deshalb kam es jetzt zu einer vierten Neuauflage des Prozesses – zu dem die Angeklagte wieder nicht erschien.

Die Prozessbeteiligten entschieden sich schließlich, in Abwesenheit der Angeklagten zu verhandeln. Mit dem Ergebnis: Freispruch. maf

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