Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Nabu: Tödliches Risiko für Seeadler

Verärgerung über Windrad-Pläne in Kohlenstädt Nabu: Tödliches Risiko für Seeadler

Seit vier Jahren plant „Planet Energy“ aus Hamburg an Windradstandorten zwischen Westendorf und Kohlenstädt.

Voriger Artikel
Keine Erklärung für Personalwechsel
Nächster Artikel
Die CDU will es heller haben

Die Aussicht auf die Schaumburg soll nicht für Besucher beeinträchtigt werden, das will auch „Planet Energy“. Das nächste Windrad befände sich deshalb noch rechts von dem Baum.

Quelle: pr.

Deckbergen/Kohlenstädt. Nördlich der Bahn ist das Interesse erloschen, südlich der Bahn und nördlich der dortigen Hochspannungsleitung könnte es 2016 aber an zwei Standorten losgehen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß für unsere Neun-Millionen-Euro-Investition, haben alle vom Landkreis geforderten Gutachten vorgelegt und sind mit den Gegnern um Gespräche bemüht“, sagt Projektmanager Julian Tiencken.

Zum Ortstermin in der Feldmark irgendwo zwischen dem Betonsteinwerk und Gut Echtringhausen legt Tiencken einen dürren Zwanzigzeiler vor: Es geht um zwei Anlagen, Rotordurchmesser 117 Meter, Gesamthöhe 149,5 Meter. Die Grundstücke sind gepachtet, positive Bauvorbescheide grundsätzlich für nicht genau fixierte Standorte gibt es schon, die konkreten Baugenehmigungen sind inzwischen beantragt.

Das letzte vorzulegende Gutachten war das vogelkundliche unter Berücksichtigung der inzwischen am Taubenberg brütenden Seeadler. „Die Brutstätte liegt fünf Kilometer entfernt, die rechtlich relevante Tabuzone beträgt aber nur drei Kilometer. Das Nahrungshabitat der Seeadler liegt südlich des Windparks am Kiesabbaugewässer Hohenrode. Wir sehen deshalb kein Konfliktpotenzial zwischen unseren Windenergieanlagen und dem Seeadler.“

Den von den Modellfliegern geforderten Abstand von 300 Metern (wir berichteten) hält Tiencken nicht für relevant, das sei kein Gesetz. Die jetzt geplanten 150 Meter Abstand würden reichen.

„Uns liegt dieses vogelkundliche Gutachten mittlerweile vor, und wir kommen zu einer ganz anderen Einschätzung“, sagt dagegen Biologe Thomas Brandt von der Rintelner Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu).

Das methodische Vorgehen von „Planet Energy“ sei durchaus nachvollziehbar, auch die Bewegungsprofile der Seeadler entsprächen der Einschätzung der Rintelner Naturschützer, die daran anschließende Schlussfolgerung könne man jedoch kaum nachvollziehen. Brandt: „Es wird im Gutachten festgestellt, dass laut Bewegungsprofil die Seeadler 0,8 Prozent der am Tag zurückgelegten Wegstrecke im unmittelbaren Nahbereich der geplanten Windkraftanlagen zurücklegen. Dies hört sich zunächst nach nicht viel an, wenn man dies jedoch hochrechnet auf 365 Tage im Jahr, ist das tödliche Kollisionsrisiko gegeben.“

Ein plastisches Beispiel führt der Nabu an: „Geht man davon aus, dass auf einem täglich zurückzulegenden Weg von zehn Kilometern auf 80 Metern Wegstrecke ein hohes Risiko besteht, tödlich zu verunglücken, würde man ebenfalls von einem signifikanten Risiko sprechen. Warum man in diesem Fall seitens des Gutachters zu einer völlig anderen Einschätzung kommt, bleibt ein Rätsel.“

Es ist laut Nabu kaum nachvollziehbar, dies nicht angemessen zu berücksichtigen, zumal die Gutachter selbst davon sprächen, dass das Verunglücken eines Tiers des Seeadlerbrutpaares de facto zum Erlöschen der lokalen Population führen würde. „Dies allein muss ausreichen, die Errichtung von Windkraftanlagen ernsthaft zu überdenken“, so Nick Büscher, Vorsitzender des Rintelner Nabu.

Kaum nachvollziehbar sei es außerdem, dass nicht berücksichtigt wird, dass Seeadler durchaus die landwirtschaftlichen Flächen zur Nahrungssuche nutzen und sich so das Kollisionsrisiko drastisch erhöhen kann.

Alle Akteure – dazu zählt der Investor „Planet Energy“ genauso wie der Landkreis Schaumburg als Genehmigungsbehörde – sind laut Nabu aufgefordert, die artenschutzfachlichen Argumente zu berücksichtigen. Es sei allein aufgrund der mittlerweile landesweiten Bedeutung des Naturschutzgebietes „Auenlandschaft Hohenrode“ für den Brut- und Rastvogelschutz geboten, die Einstellung des Projektes in Erwägung zu ziehen.

 „Es kann nicht sein, dass die legitimen Ziele der Energiewende gegen die berechtigten Interessen des Naturschutzes in diesem Fall ausgespielt werden“, so der Nabu. Der Landkreis habe nun die Verantwortung, sachgerecht abzuwägen und keine vorschnelle Entscheidung zu fällen. Und Klagen gegen die Bauvorbescheide gibt es ja auch noch.

dil

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg