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Nach Uchtdorf verpflanzt

Fachwerkhaus soll vor Abriss bewahrt werden Nach Uchtdorf verpflanzt

Eigentlich ist dieses alte Fachwerkhäuschen am Taubenberg ein Einwanderer. Es stand nicht immer so gemütlich an den Hang geschmiegt neben dem größeren Fachwerkhaus der Familie Kaesberg, sondern war – vor etwa 150 Jahren – noch heimisch im Lippischen, als Teil einer größeren Hofanlage. Vermutlich erbte es damals die Tochter eines Bauern, die nach Uchtdorf zog und das Haus einfach mitnahm.

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Helga Kaesberg-Thielke und Achim Kaesberg wollen das Fachwerkhaus verkaufen – haben es aber nicht leicht, Interessenten zu finden.

Quelle: pk

Uchtdorf. So ein Umzug mitsamt dem ganzen Haus war früher durchaus üblich. Die wertvollen massiven Balken wurden schon beim Bau so nummeriert, dass man sie wie bei einem Bausatz wieder auseinandernehmen und neu zusammensetzen konnte. Beim Wiederaufbau wurde natürlich auch improvisiert. Die lippische Zwei-Ständer-Bauweise musste den Gegebenheiten vor Ort angepasst werden.

 Manfred Röver von der „Interessengemeinschaft Bauernhaus“ – und im ganzen Landkreis als Gutachter von alten Fachwerkbauten tätig – ist daher fasziniert vom Häuschen am Taubenberg. Zusammen mit den Besitzern Helga und Achim Kaesberg will er es, wenn irgend möglich, vor dem Abriss retten.

 „Fachwerkhäuser erzählen immer eine Geschichte darüber, wie Menschen gelebt und gearbeitet haben“, sagt er. „Am schönsten wäre es, wenn man sie alle erhalten könnte.“ Das aber ist fast immer mit großem Aufwand verbunden. Die Kaesbergs zum Beispiel, deren Haus nebenan ebenfalls ursprünglich ins Lipper Land gehörte, haben unzählige Jahre damit verbracht, es zu restaurieren und modernem Wohnkomfort anzupassen. Wer bei ihnen die Diele betritt, den Lehmofen, die uralten Balken und das riesige Dielenfenster-Tor sieht, ahnt die Liebe und Leidenschaft, die den Erhalt des Gebäudes allererst ermöglichte.

 Genau deshalb ist es so schwer, einen neuen Besitzer für das kleinere Haus nebenan zu finden. Zahllose Interessenten haben sich im Laufe der vergangenen zwei Jahre bereits gemeldet, zumal der Kaufpreis nicht niedriger liegen könnte. Einige von ihnen traten schon in Kaufverhandlungen ein, aber bisher schreckten sie dann doch immer zurück vor der Herausforderung, das alte Haus wieder auf Vordermann zu bringen.

 Ja, es besitzt ebenfalls diese hohe Diele mit den dicken Eichenbalken. Dazu eine Reihe kleiner Zimmer, die einst Werkräume und Stallungen waren, und insgesamt die reizvolle Ausstrahlung eines höchst individuellen, geschichtsträchtigen Hauses, auf dessen Dachboden immer noch Stroh herumliegt. Gleichzeitig aber könnte eine angemessene Renovierung leicht zu einer Art Lebensaufgabe werden. Kein Wunder, dass Menschen wie Helga Kaesberg-Thielke meistens nicht nur Mitglied in der „Interessengemeinschaft Bauernhaus“ sind, sondern fast jeden Handwerker im Landkreis kennen, der in der Lehmbauweise bewandert ist, der weiß, wie man Fachwerkbauten von innen dämmt, wie man schonende Durchbrüche macht oder angemessene Fenster einsetzt.

 „Sich auf so ein altes Haus einzulassen, bedeutet fast automatisch, sich mit Leuten zusammenzutun, die damit schon Erfahrung gesammelt haben“, sagt sie. Sie habe so viel Handwerkliches gelernt in all den Jahren mit ihrem Fachwerkhaus. „Das erste Wort meines Sohnes damals war ‚Hammer‘“, sagt sie.

 Auf jeden Fall würde sie einem neuen Besitzer ihre Hilfe anbieten und diesen an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben lassen. „Ich wäre so glücklich, wenn das Häuschen weiterhin das Dorfbild bereichern könnte.“ Dieses Jahr will sie noch abwarten, ob ein Verkauf gelingt. Ansonsten bliebe nicht anderes übrig, als das inzwischen zwei Jahre leer stehende Gebäude abzureißen.

 „Von einem Abriss würde die Welt ja auch nicht untergehen“, meint dazu Röver. „Diese Häuser stellen keinen Selbstzweck dar, sondern müssen dazu geeignet sein, modernen Lebensweisen angepasst zu werden.“ Immerhin, vor 150 Jahren gelang das schon einmal. Interessenten können sich bei den Kaesbergs persönlich Am Tabenberg 2 sowie telefonisch unter der Nummer (05751) 958429 melden.cok

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