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Offiziell gibt es den Elwiweg nicht

Engern / Straßennamen Offiziell gibt es den Elwiweg nicht

Verwunderte Gesichter in der Redaktion: Laut einer Pressemitteilung des Niedersächsischen Straßenbauamts soll die Baustelle für den Radweg in Engern am „Elwiweg“ beginnen.

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 Berliner Straße oder doch Elwiweg? Zwei Schilder weisen auf die doppelte Benennung hin. 

Quelle: jaj

Von Jakob Gokl 

Engern. Elwiweg? Wo ist denn der Elwiweg? Kein Redakteur wusste eine Antwort. Auch die Straßenkarte, das Internet und sogar die Stadt konnten nicht weiterhelfen. Doch es gibt ihn, den Elwiweg in Engern. Es ist keine öffentliche Straße, aber ein gepflasterter Privatweg, der zum Haus von Elfriede Köhler führt. Und der Weg wurde auch nach ihr benannt, erzählt sie auf Anfrage unserer Zeitung.

 Aus Elfriede und Willi wurde vor 37 Jahren nämlich plötzlich Elwi. „Das ist alles bei einer lustigen Feier entstanden“, erinnert sich Elfriede Köhler, die bei dem Gedanken daran heute noch schmunzeln muss. Nach langem Hin und Her, unzähligem Papierkram und jeder Menge Scherereien hatte das Ehepaar endlich einen Privatweg zu seinem Haus, das etwas abseits der Berliner Straße liegt, kaufen können. Darauf musste angestoßen werden. „Und das Kind brauchte nun mal einen Namen“, erklärt ihr Sohn Manfred Köhler. „Mein Vater war beim Militär, da brauchte alles seine Ordnung“ – und eben auch alles seinen Namen.

 Warum also nicht den eigenen Weg nach sich selbst benennen? Der Vorschlag eines Verwandten, aus den ersten beiden Buchstaben beider Namen, den neuen Namen zu bilden, stieß auf Begeisterung, und schnell schritten die Köhlers zur Tat. Ein Schild wurde angebracht, das den Elwiweg ausschildern sollte. Der Ortsrat stimmte schmunzelnd zu, sogar unsere Zeitung berichtete am 28. Januar 1976 über die kuriose Namensfindung. Doch nicht jeder war angetan von dem Weg. Ebenfalls in unserer Zeitung erschien neun Monate später ein Bericht, der die Frage aufwarf: „Was passiert, wenn die beiden sich scheiden lassen? Dann haben wir nur noch einen Wi-Weg oder einen El-Weg.“ Oder was wäre, wenn die Kinder das gleiche Recht in Anspruch nehmen würden und der Straßenname länger und länger würde?

 Doch hielt das Ehepaar an seinem einzigartigen Straßennamen fest. Und sämtliche Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Das Ehepaar ließ sich nie scheiden, und auch der Straßenname wurde nie um die Namen der Söhne und Enkel erweitert.

 Wie lang der Weg zum Elwiweg war, wird klar, wenn Elfriede Köhler eine dicke Mappe mit alten Dokumenten zückt. Dutzende Briefwechsel finden sich darin, die festhalten, wie viele Steine dem Weg in den Weg gelegt wurden. Doch zwei Jahre nach dem Kauf war der Elwiweg offiziell. Wenn auch nicht ganz.

 Denn obwohl der Ortsrat seine Zustimmung gab, als Postadresse durfte das Ehepaar seinen eigenen Weg weiterhin nicht führen. Diese blieb die Berliner Straße 82. Was für die Bewohner einigen Ärger bedeutete. Immer wieder fahren Post- und Pizzaboten einfach an der Straße vorbei. „Schaut ja heute jeder nur noch auf sein GPS“, bedauert Manfred Köhler.

 Doch trotz allem: Selbst als das Schild vor Jahren umgefahren wurde, haben die Bewohner es sofort wieder aufgestellt. Lediglich ein kleines Zugeständnis machten sie und brachten über dem Elwiweg-Schild, noch ein weiteres an, welches auf die „andere“ Adresse des Hauses hinweist.

 Als „reines Privatvergnügen“ bezeichnet Bauamtsleiter Andreas Wendt den ungewöhnlichen Namen der Privatstraße. Da es keine Straße sei, gebe es natürlich auch keine offizielle Adresse. Das Gebäude gehöre offiziell zur Berliner Straße, die Bewohner könnten ihr privates Flurstück natürlich nennen, wie sie wollten.

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