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Petri Heil nur für zehn Prozent

Hohenrode Petri Heil nur für zehn Prozent

Das geplante Naturschutzgebiet „Auenlandschaft Hohenrode“ lässt Platz für Angler. Nachdem die Weserfischereigenossenschaft Hameln und der Landesfischereiverband beim Verkauf der Eggersmann-Kiesteiche gegen den Nabu Rinteln trotz deutlich höheren Gebots den Kürzeren gezogen hatten, muss der Nabu nun bei seinen Naturschutzplänen Kompromisse machen.

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Der östlichste der Kiesteiche in Hohenrode soll ebenso wie das Südufer des westlichen großen Sees für Angler nutzbar bleiben. dil

Hohenrode. Etwa zehn Prozent der gesamten Uferlänge bleiben für Petrijünger frei, konkret das Südufer des noch in Abbau befindlichen Hauptsees und der komplette dritte, also am weitesten östlich liegende See. Dazwischen bleibt ein See in der Hand und Nutzung des Freizeitvereins Hohenrode als Badefläche. Geangelt werden darf aber nur vom 1. August bis 31. Dezember. Das Gleiche gilt für die Vogeljagd.

 Der Umweltschutzausschuss des Kreistags hatte sich vor seinem Beschluss (4:3-Mehrheit, wir berichteten) für das Naturschutzgebiet vom Nabu das Gelände zeigen lassen. Der Konflikt mit Anglern und Landwirtschaft war dabei eines der beherrschenden Themen. Während in der späteren Debatte die Schäden für die Landwirtschaft durch Gänsefraß auf Feldern und Wiesen betont wurden, ging es um die Angler nur zu Beginn und vor Ort. Dort erklärten Thomas Brandt und Dr. Nick Büscher vom Nabu, dass die Angler Zutritt bekommen, aber die zum Teil seltenen Vogelarten dabei so wenig wie möglich stören sollen. Einen Zutritt zum Weserufer zwischen Kiesteichen und Fluss bekommen sie nicht.

 Dafür wird dem Wunsch der Angler entsprochen, den Zulauf der Weser zu den Teichen offenzuhalten, damit nach Hochwasser die Teiche nicht zur Falle für Fische werden. Brandt geht davon aus, dass in den Teichen dieselben Fischarten heimisch werden oder schon sind wie in der Weser. Bei den Vögeln sieht dies anders aus. Je weniger Störungen durch den Menschen, desto seltenere und scheuere Arten lassen sich nieder. Die Graugans, die manche Felder leer frisst, ist dafür nicht das richtige Beispiel, denn sie verdrängt sogar andere Tiere.

 Scheu ist dagegen der Seeadler, der bei der Besichtigung durch die Ausschussmitglieder wie bestellt seine Runden flog. Er brütet aber nicht an den Teichen, sondern in einiger Entfernung, wo es höhere Bäume gibt. In diesem Jahr war die Brut aber laut Brand erfolglos, das Nest sei umgefallen. Dafür konnten die Ausschussmitglieder die Wirkung des majestätischen Vogels beobachten. Kaum in Sichtweite, flatterten die Gänse, Enten und andere Vögel auf, um in Schwärmen der Jagdlust des Adlers aus dem Wege zu gehen.

 Die Weserfischereigenossenschaft hatte als Fischereiberechtigte im gesetzlichen Überschwemmungsgebiet der Weser beim Verwaltungsgericht Hannover erfolgreich gegen das Verbot des Angelns im künftigen Schutzgebiet geklagt. Das Gericht deutete als Ausweg auf das Ausweisen eines Naturschutzgebietes hin, dann sei sogar ein grundsätzliches Verbot der Fischerei nicht ausgeschlossen.

 In Anlehnung an den Rekultivierungsplan des Kiesabbauunternehmers hat die Kreisverwaltung einen Verordnungsentwurf mit Erläuterungen und Karte erarbeitet. Dieser wurde mit der Stadt Rinteln, der Jägerschaft, dem Jagdpächter, der Weserfischereigenossenschaft, dem Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Dezernat Binnenfischerei), dem Nabu-Kreisverband Schaumburg und dem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz besprochen. Sie alle konnten dazu Stellungnahmen abgeben, und diese sind nun bewertet.

 In dem Entwurf der Verordnung, der nun dem Kreistag zur Beschlussfassung vorgelegt wird, werden auch der Fischbesatz, der Einsatz von Booten sowie das Aufstellen von Reusen und Stellnetzen verboten.

 Der Nabu will mittelfristig die Fischereirechte sogar selbst ausüben und die Hege auf ein Monitoring (Bestandsüberwachung) beschränken. Nach Ablauf des derzeitigen Jagdpachtvertrags will der Nabu das Eigenjagdrecht beanspruchen. Dass sich die Tiere im Schutzgebiet stark vermehren und zur Plage werden, schloss Brandt aus. Der Bestand werde durch das Nahrungsangebot und die Bejagung durch andere Tierarten eingeschränkt.

 Das wollte ihm die CDU aber nicht glauben und stimmte gegen die Verordnung. Denn das Nahrungsangebot im Umfeld auf landwirtschaftlichen Flächen sei ja gut. Die Landwirte würden geschädigt, dafür aber nicht entschädigt. Lösung laut Nabu: Sie sollen die Gänse auf den Feldern jagen (lassen).  dil

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