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Pferde bei Familie Vogt – auf die Punkte kommt es an

Todenmann / Pferdeliebhaber Pferde bei Familie Vogt – auf die Punkte kommt es an

Ein Hauch von Takka-Tukka-Land weht durch den Kirschenweg, zumindest was den „kleinen Onkel“ angeht. Denn auf der Wiese von Uwe und Renate Vogt steht nicht nur ein Pferd mit eben diesem Namen, es gehört sogar derselben Rasse an wie das Vorbild aus den Pippi-Langstrumpf-Büchern, den auffällig gepunkteten Knabstruppern.

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Uwe Vogt mit dem noch namenlosen Noriker-Wallach (links) der Cob-Stute „Any“ und dem Knabstrupper „Kleiner Onkel“.

Quelle: jaj

Todenmann (jaj). Der kleine Onkel ist aber nicht das einzige Pferd der Vogts, das durch seine außergewöhnliche Fellfärbung auffällt. Insgesamt hat die Familie fünf gescheckte Vierbeiner in ihren Ställen. Die Tiere sind die große Leidenschaft der Familie, eine Leidenschaft, die vor über 25 Jahren ihren Anfang nahm.

 Damals hatten Renate und Uwe Vogt noch „normale“ einfarbige Pferde, sie einen Hannoveraner, er einen Vollblutaraber. In einem Dänemarkurlaub stießen sie dann durch Zufall auf den Knab-strupper, eine alte dänische Pferderasse, deren Markenzeichen die kleinen Punkte sind, die sich über das ganze Fell oder auch nur über einzelne Körperpartien verteilen. „Man sagt, dass auch das Pferd im Niedersachsen-Logo eigentlich ein Knabstrupper ist“, erzählt Vogt. Allerdings ein sogenannter „Weißgeborener“, denn die Knabstrupper gehören zu den wenigen Rassen, bei denen Fohlen bereits komplett weiß zur Welt kommen können. Bei den meisten anderen Rassen werden sie dunkel geboren und werden erst im Laufe vieler Jahre zum komplett weißen Schimmel.

 Ihren ersten Knabstrupper kauften die Vogts dann auch in Dänemark, allerdings fühlte sich das Tier im Schaumburger Klima nicht wohl. Es litt an Sommerräude, einer durch Insektenstiche ausgelösten allergischen Reaktion. „Schweren Herzens haben wir das Pferd dann zurückgebracht“, erzählt Vogt. Und tatsächlich sei schon nach wenigen Wochen in der alten Heimat nichts mehr von der Krankheit zu sehen gewesen.

 Von dieser ersten Erfahrung ließen sich die Vogts aber nicht abschrecken. Sie waren überzeugt vom ausgeglichenen Wesen der Tiere, ihrem starken Charakter und der enormen Lernfähigkeit, sodass sie in den folgenden Jahren noch mehrere Knabstrupper hielten, mit ihnen Kutsche fuhren und sogar züchteten.

 Die Sommerräude blieb jedoch ein Begleiter, der immer wieder auftrat, sodass sich die Pferdeliebhaber vor etwa 16 Jahren nach einer alternativen Rasse umschauten. Welche es sein sollte, wussten sie damals noch nicht, nur eines stand fest: Es sollten weiter Pferde mit Punkten sein.

 Durch Zufall stießen sie bei einem Pferdehändler in Holland auf die „Coloured Cobs of Gipsy Type“, in Deutschland besser bekannt als „Irish Cobs“ oder „Tinker“, ein Begriff, der in Irland jedoch als Schimpfwort angesehen wird. Diese Pferderasse, die in der Regel die großflächige „Plattenscheckung“ aufweist, geht auf die irischen Zigeuner zurück. „Sie zogen mit den Pferden durch die Lande und stellten sie dann abends einfach zu den Pferden irgendwelcher Bauern auf die Wiese“, erzählt Vogt. Morgens wurden die Pferde dann wieder eingesammelt. „Dabei war die bunte Färbung natürlich sehr hilfreich.“ Außerdem waren die Tiere durch ihr geschecktes Fell zu auffällig für den Kriegseinsatz, ein weiterer Vorteil für die Zigeuner, weiß Vogt. „Sie wurden deshalb nicht beschlagnahmt.“

 Die Vergangenheit bei den Zigeunern hatte auch Auswirkungen auf das Wesen der Cobs. „Sie vertrauten den Tieren ihr Leben und ihre Familie an“, erzählt der Ortsbürgermeister. Ein schlagendes oder beißendes Pferd sei daher kurzerhand geschlachtet und gegessen worden. Nur die umgänglichen Tiere, auf die sich die Zigeuner wirklich verlassen konnten, überlebten und wurden zur Zucht eingesetzt, sodass die Cobs noch heute durch ihr ausgeglichenes Wesen bestechen. „Wer ein wirklich verlässliches Reitpferd sucht, dem kann ich die Cobs nur empfehlen“, sagt Uwe Vogt.

 Ihren ersten Cob „Patrick“, der noch heute bei ihnen in Todenmann lebt, kauften die Vogts vor 16 Jahren. Später kam der heute 20-jährige Wallach „Kevin“ dazu. Beide Tiere sehen fast gleich aus, sind seit vielen Jahren das feste Kutschgespann des Ehepaars und werden dem Ortsbild auch noch lange erhalten bleiben. „Sie bekommen ihr Gnadenbrot bei uns“, sagt Uwe Vogt. Vor knapp drei Jahren kam dann noch die Cob-Stute „Any“ hinzu.

 Vor gerade einmal zwei Wochen zog dann wieder ein neues Pferd auf den Hof der Vogts: ein anderthalb Jahre alter Noriker-Wallach mit noch auffälligerem Fell. Er hat einen dunklen Kopf, einen dunklen Hals und dunkle Vorderbeine. Ab den Schultern ist sein Fell aber weiß mit großen schwarzen Punkten. „Diese Färbung bezeichnet man als Schabracktiger“, erklärt Vogt. Sie ist besonders selten. „Nur zwanzig Prozent aller Noriker sind überhaupt farbig, und davon sind wiederum nur rund fünf Prozent Schabracktiger“, erklärt er.

 Bei den Norikern handelt es sich um eine Kaltblutrasse, die in den deutschen und österreichischen Alpen gezüchtet wird. Auch der Neuzugang der Vogts, für den das Ehepaar derzeit noch einen passenden Namen sucht, kommt aus Österreich. Und wahrscheinlich wird er nicht der letzte Import aus dem Nachbarland sein, der in Todenmann ein neues Zuhause findet. Denn Uwe und Renate Vogt liebäugeln mit einem weiteren Noriker aus Österreich. Dieses Mal mit einer Stute. „Im Mai wollen wir hinfahren und sie uns anschauen“, erzählt Vogt.

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