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Rascher Anbau statt Träumen von Neubau

Kindergarten Steinbergen Rascher Anbau statt Träumen von Neubau

Einig ist sich der Ortsrat Steinbergen nur im Lob für die ausführliche Verwaltungsvorlage zum Thema Erweiterung des Kindergartens Steinbergen gewesen.

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Freuen sich, dass endlich eine Lösung für den Kindergarten in Steinbergen in Sicht ist: Leiterin Martina Meyer (rechts) und Erzieherin Ann-Kathrin Köhler an der Westseite des Gebäudes, wo bis zum Zaun in Richtung Dorfgemeinschaftshaus der Anbau geplant ist.

Quelle: dil

Steinbergen. Bei der Frage Anbau (SPD) oder Neubau (CDU und WGS) blieben die Positionen unverändert, was sich im Abstimmungsergebnis widerspiegelt: 6:3 Stimmen für den Anbau. Wenn es glatt läuft, berät darüber noch einmal der Sozialausschuss am 9. Juni, bevor der Verwaltungsausschuss am 17. Juni über die Ausschreibung des Bauauftrags entscheidet. Dann wäre Baubeginn noch in diesem Sommer, Fertigstellung 2016.

 Zumindest diese Eile überraschte CDU und WGS offenbar, hätten sie ihre Maximalforderung nach einem Neubau doch gern noch in einer öffentlichen Ratsdebatte weiter am Köcheln gehalten. Doch Bürgermeister Thomas Priemer erwiderte, der Rat habe nur beschlossen, die Alternative Neubau mit zu prüfen, nicht jedoch, darüber den Rat entscheiden zu lassen. Aber, so räumte Priemer ein, jede Ratsfraktion könne natürlich eine Ratsdebatte darüber beantragen. Ortsbürgermeister Heiner Bartling warnte gleich, dann würde es mit dem Baubeginn in diesem Jahr wohl nichts mehr: „CDU und WGS hätten ja bei den Haushaltsberatungen im Rat gleich einen Millionenbetrag für den Neubau beantragen können, taten dies aber trotz meiner Aufforderung nicht. Dann wären wir das Problem Neubau schon längst los.“ Sein Kalkül: Dann wäre der Neubau schon damals abgelehnt worden. Doch in diese Falle tappten CDU und WGS nicht, erstritten den doppelten Prüfauftrag und gewannen aus ihrer Sicht so Zeit. Bedarfsprognose:

 Der Kindergarten hat derzeit 34 Kinder, für nächstes Jahr werden 37 und 2017/2018 sogar 41 erwartet. Die Krippe kommt derzeit auf 32 Kinder, nächstes Jahr 25 plus der Geburten bis zum 31. Juli, für das Jahr darauf ist noch keine halbwegs sichere Prognose möglich. Laut Priemer kommt man deshalb mit den bisherigen Gruppen aus, Markus Schwenk (WGS) sprach sich aber für kleinere Gruppen aus, um Steinbergen attraktiv für Familien mit Kindern zu machen.

 Die Geburtenzahl in Steinbergen lag zuletzt relativ stabil bei elf pro Jahr. 32 Kinder mit Wohnort Steinbergen könnten im nächsten Kita-Jahr die Krippe besuchen, 34 Kinder zwischen drei und fünf Jahren hätten Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Ob aber alle Kinder für die Krippe angemeldet werden, sei offen, sagte Priemer. In Niedersachsen liege der Durchschnitt bei 27,9 Prozent. Derzeit gibt es eine Krippengruppe und zwei Kindergartengruppen.

 Baudezernentin Elena Kuhls zog als Fazit: „Die Kapazitäten des Kindergartens sind jetzt zwar ausgeschöpft, und für den Ausbau der Ganztagsbetreuung besteht ein geringfügiger Ausbaubedarf, der wird dann aber für die nächsten Jahre ausreichend sein.“ Kostenvergleich:

 Die Variante Neubau an einem anderen Standort wurde von der Verwaltung mit 1,481 Millionen Euro kalkuliert, der Grundstückskaufpreis ist nicht einmal eingeschlossen. Die Variante Anbau kam dagegen auf 334000 Euro. Kuhls zog daraus das Fazit: klare Vorteile für den Anbau. Er geht schneller, löst die Raumprobleme also zügiger. Durch Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer wäre der Anbau kurzfristig bezahlbar, und es bliebe noch Geld für den Schuldenabbau. Durch Investition von 292000 Euro zwischen 1997 und 2013 sei der jetzige Kindergarten auch noch in bedarfsgerechtem Zustand. Bei einem Neubau müsste erst ein Bebauungsplan her, das bedeute ein Jahr Zeitverlust. Zudem sei Ziel der Dorferneuerung gewesen, öffentliche Einrichtungen im Ortskern anzusiedeln und dauerhaft zu betreiben – dem liefe ein neuer Standort zuwider. Zuschüsse seien für beide Varianten nicht zu erwarten, da die Platzzahl nicht vergrößert wird.

 Bartling war vehement gegen eine Verlagerung des Kindergartens aus dem Ortskern. Udo Schobeß (CDU) brachte einen Neubau auf dem Gelände des dann abzureißenden Dorfgemeinschaftshauses ins Spiel, die Vereine könnten später in den alten Kindergarten umziehen. Damit konnte sich auch Artur Böger (WGS) anfreunden. Aber dann müsste die Kita ja während der Bauzeit geschlossen werden. Laut Priemer wäre das bei einem Anbau nicht nötig, Absperrmöglichkeiten würden dann für die Sicherheit der Kinder sorgen.

 Bei einem Neubau auf dem jetzigen Gelände müsste die Kita sogar zwei Jahre geschlossen werden. Schwenk und Schobeß warnten vor höheren Unterhaltungskosten, wenn man alt und neu im Kindergarten miteinander verbinde. Markus Witt (SPD) betonte, die Kirchengemeinde als Träger und die Kita-Leitung seien mit einem Anbau einverstanden. Schobeß konterte: „Aber die würden auch gern einen Neubau nehmen, hier wurde falsch gefragt.“ Bartling warnte schließlich: „Wir zerreden hier eine gute und schnelle Lösung.“

 Schobeß zweifelte die Baukosten an: „Das sind Totschlagszahlen, viel zu hoch. Aber ich bin schon froh, dass wir nicht mehr wie anfangs über einen Ausbau des Dorfgemeinschaftshauses reden.“

 Ob CDU und WGS nun die Ratsdebatte suchen, blieb offen. Der sichere Zeitverlust stünde dann gegen einen nicht sicheren Prestigegewinn. Und eine Mehrheit für den Neubau gäbe es dann noch immer nicht. dil

 

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