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Religiosität kommt mit der Arbeit

Küsterin wird verabschiedet Religiosität kommt mit der Arbeit

Doch, man bekomme schon ein anderes Gefühl zur Kirche als der normale Kirchgänger, wenn man dort täglich für Sauberkeit und Ordnung zuständig ist, bestätigt Extens langjährige Küsterin Andrea Wuttig. Dann sei die Kirche auch einfach der Arbeitsplatz. „Aber trotzdem erlebe ich immer noch, was Kirche für ein besonderer Ort sein kann. Ich komme eine Stunde vor jedem Gottesdienst und bereite das Nötige vor. Und wenn dann alles fertig ist, die Kerzen brennen und die Blumen duften, sitze ich manchmal da, und merke, wie die Stille und der Frieden des Raumes auf mich einwirken.“, erzählt Wuttig von der anderen Seite ihres Küsterinnenalltags.

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Nimmt die Kirche auch nach 31 Dienstjahren immer noch als besonderen Ort wahr: Küsterin Andrea Wuttig.

Quelle: cm

Exten/Hohenrode. Von Claudia Masthoff

 30 Jahre ist sie für Kirche, Küster- und Pfarrhaus in Exten zuständig gewesen, und zum April geht sie jetzt in Rente. Angefangen habe sie ganz ohne frommen Hintergrund, erzählt Wuttig. Zwar hätte sie kirchlich geheiratet und auch ganz konventionell ihre Kinder taufen lassen, doch Kirchgängerin sei sie beileibe nicht gewesen. Der Zugang zu mehr Religiosität sei dann aber in den Jahren ihrer Küsterinnentätigkeit gewachsen. Und in den letzten Jahren, in denen sie persönlich einen großen Verlust zu verarbeiten hatte, hätte sie den Glauben und auch die Unterstützung durch seelsorgerische Gespräche sehr zu schätzen gelernt.

 Die praktische Seite der Küsterarbeit habe ihr von Anfang an gelegen. „Ich mag es, selbstständig zu arbeiten. Ich sehe, was zu tun ist und kann es auch gut einteilen. Das freut natürlich auch die Pastoren. Die können die Verantwortung dann abgeben, und müssen ihre knappe Zeit nicht dafür aufwenden, die Küsterin zu kontrollieren“, schmunzelt Wuttig.

 So konnten sich ihre Vorgesetzten stets darauf verlassen, dass der Rasen gemäht wurde, die Beete gejätet, die Sträucher geschnitten, das Pfarrhaus gewienert, die Fenster geputzt, die Kirche geschmückt, die Paramente gewechselt, die Lieder für den nächsten Gottesdienst angeschlagen, dass das Glockenläuten richtig programmiert war, dass die Kerzen geschnitten und angezündet waren und die Kniekissen, der Ringteller und das Abendmahlgeschirr bei Bedarf bereitstanden. Einzig die Kirchenfenster habe sie nicht putzen müssen.

 Wenn man sie bei dieser langen Liste von Zuständigkeiten fragt, ob das alles mit einer halben Stelle zu schaffen gewesen sei, lächelt die Küsterin. Sie habe bei ihrer Arbeit nicht immer auf die Stunden geschaut. Ihr sei es wichtiger gewesen, mit dem Ergebnis zufrieden sein zu können. Positiv sei für sie auch ins Gewicht gefallen, wie gut sich die Arbeit in ihr Leben integrieren ließ. Als ihre Kinder noch klein waren, habe die Familie im Küsterhaus gewohnt, und sie sei dadurch immer, auch beim Arbeiten, für ihren Nachwuchs erreichbar gewesen. Und über die Jahre sei auch eine starke Verbundenheit mit der Gemeinde entstanden, die ihr viel bedeute. Diese Zufriedenheit im Rückblick auf 30 Jahre Küstertätigkeit strahlt Wuttig auch aus. Ihre Nachfolgerin wird es schwerer haben, allen Aufgaben gerecht zu werden, denn die Kirche muss sparen, und es wurden einige Stunden bei die Küsterstelle gestrichen.

 Andrea Wuttig wird am morgigen Sonntag um 10 Uhr im Rahmen des Gottesdienstes der Kirchengemeinde Exten-Hohenrode feierlich von Pastorin Elisabeth Schacht-Wiemer verabschiedet.

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