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Remziye Bilgen muss sich mit Mietnomadinnen plagen

„Ich kann nicht mehr“ Remziye Bilgen muss sich mit Mietnomadinnen plagen

Remziye Bilgen kann nicht mehr. Die beiden Mieterinnen, die ihr rund ein Jahr lang das Leben schwer gemacht haben, ist die Vermieterin zwar endlich los, aber dieses Jahr hat sie viele Nerven gekostet. Zumal sie auf der Hinterlassenschaft der beiden Frauen sitzenbleibt – und die besteht vor allem aus Müll. Bilgen ist zwei Mietnomadinnen zum Opfer gefallen.

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Remziye Bilgen in der von Mietnomaden völlig verdreckt hinterlassenen Wohnung in Krankenhagen: „Ich kann nicht mehr.“

Quelle: pk

Krankenhagen. Es riecht streng nach Hund in der verwaisten Wohnung. Anstatt dem einen von Vermieterin Bilgen zugestandenen Hund hielten die beiden Frauen vier Hunde, die allesamt in der Dreizimmerwohnung hausten. Halbleere Tüten Hundefutter stehen herum. Auf dem Campingherd steht noch eine Pfanne mit Essen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion haben sich die beiden Frauen aus dem Staub gemacht. Aber der Reihe nach.

Von Anfang an schwierig

 Das Mietverhältnis zwischen Bilgen und den beiden Mieterinnen begann am 15. April vergangenen Jahres. Die Probleme ließen nicht lange auf sich warten. „Es wurde immer nur die Hälfte der monatlichen Miete überwiesen“, sagt Bilgens Rechtsanwalt Stefan Abrahams. Die Tochter hat Geld vom Jobcenter bezogen, das für die Hälfte des Mietbetrags aufkam und das Geld regelmäßig überwies. Die andere Hälfte hätte von der Mutter gezahlt werden müssen, einer Rentnerin. „Doch das ist nie passiert, sie hat keinen Cent bezahlt“, schildert Abrahams. Dasselbe gilt für den Kautionsbetrag, der auch nie überwiesen wurde. Bilgens Aufforderungen, Miete und Kaution zu überweisen, wurden schlichtweg ignoriert. Ihren Hinweisen darauf, dass nur ein Hund abgesprochen war, sei entgegnet worden: „Vier Hunde waren abgemacht.“ Da Bilgen im selben Haus wohnt, kam es zunehmend zu verbalen Auseinandersetzungen.

Beleidigungen an der Tagesordnung

 „Wenn ich nach der Arbeit nach Hause kam, wurde ich von der Mutter vom Balkon aus beschimpft und beleidigt“, sagt Bilgen. Auch ihr Sohn habe immer wieder übelste Schimpftiraden über sich ergehen lassen müssen. Hilfesuchend wendet sich Bilgen an den Rintelner Rechtsanwalt Abrahams. „Wir haben uns relativ früh eingeschaltet und die erste Abmahnung Ende Mai geschrieben“, sagt Abrahams. Ohne Effekt. Stattdessen sammelte sich im Eingangsbereich der Wohnung zunehmend Gerümpel an, die Hunde verrichteten ihr Geschäft nicht zuletzt zum Unmut der Nachbarn an der immer selben Stelle auf der anderen Straßenseite und regelmäßig gaben sich Gläubiger die Klinke in die Hand. Und da auch die Stromrechnungen nicht beglichen wurden, stellten die Stadtwerke den Strom irgendwann ab. Die beiden Mieterinnen zeigten sich unbeeindruckt und versorgten sich fortan mit einem Generator mit Strom. Die Konflikte nahmen zu, immer wieder wurde die Polizei hinzugezogen. „Es gab wechselseitige Strafanzeigen“, sagt Abrahams.

Anwalt eingeschalten

 Im Dezember klagte der Anwalt im Namen seiner Mandantin auf Zahlung der Mietschulden und Räumung der Wohnung. Die beiden Frauen verteidigten sich laut Abrahams selbst, also ohne Anwalt, erschienen aber nicht zur Verhandlung. Am 26. Februar fällte das Amtsgericht Rinteln sein Urteil: Die Wohnung ist von den beiden Mieterinnen fristlos zu räumen, Mietrückstände und Kaution, zusammen 3215 Euro – zuzüglich Zinsen – an Bilgen zu zahlen. Geld, das Bilgen wohl niemals sehen wird. Dabei könnte Bilgen das Geld gut gebrauchen. Schließlich muss sie für die Entrümpelung und die erforderliche Renovierung nun selbst aufkommen. „Ich kann nicht mehr“, sagt Bilgen und wischt sich Tränen aus den Augen. Immerhin: Die Mieterinnen ist sie los. Die ließen nach dem Urteil noch zwei Monate verstreichen, bevor sie Ende März/Anfang April den Wohnungsschlüssel in Bilgens Briefkasten warfen und wortlos aus der völlig verdreckten Wohnung verschwanden. Wie können sich Vermieter vor Mietnomaden schützen? „Schlecht“, sagt Abrahams geradeheraus. „Auf jeden Fall muss beim Kennenlernen der potenziellen Mieter das Bauchgefühl stimmen.“ Ferner sollte sich der Vermieter weitgehend sicher sein können, „dass wenigstens die Miete kommt“. Dafür könne er sich etwa Gehaltsscheine oder Leistungsbescheide zeigen lassen oder den vorherigen Vermieter nach der Zahlungszuverlässigkeit fragen. „Aber am Ende kann man den Leuten halt nicht in den Kopf kucken“, sagt Abrahams.

 

Von Philipp Killmann

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