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Sie suchten ihr Glück

Geschichte und Geschichten über Hohenroder Auswanderer Sie suchten ihr Glück

Die Weser, die mehrmals im Jahr ihre Felder unter Wasser setzte, Kriegsfolgen, Missernten, keine Arbeit, zu viele Kinder auf dem Hof – es gab für Hohenroder in den Jahren zwischen 1792 und 1911 viele gute Gründe, ihr Dorf zu verlassen.

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Ein Holzschnitt zeigt Auswanderer im Hamburger Hafen.

Quelle: pr.

Hohenrode. Zwischen 1820 und 1850 stiegen die Preise für Roggen, Kartoffeln und Kleidung ins Astronomische. Strenge Zunftregeln beschränken das Fortkommen junger Handwerker. Die Aufteilung des Erbes auf unterschiedliche Nachfahren, die sogenannte Realteilung, machte Söhne im Dorf oft chancenlos.

 Regionalhistoriker Uwe Kurt Stade, der sich seit einigen Jahren speziell mit der Hohenroder Geschichte befasst, hat nun in den Staats- und Stadtarchiven von Marburg, Bückeburg und Rinteln die Namen der Personen aus Hohenrode recherchiert, die ihr Glück jenseits der Grenzen der Grafschaft gesucht haben.

 Viele Namen sagen den Hohenrodern noch heute etwas, wie die Familien Kertz-Schwone, Rehling, Rehmert, Nagel, Prasuhn, Tünnermann, Flake und Schüttemeier. Bis zu neun Familienmitglieder sind gleichzeitig in die USA ausgewandert.

 Auswandern hieß damals nicht automatisch, dass es in die neue Welt ging. Auswandern hieß auch, ins Hannöversche oder nach Preußen zu gehen.

 Bereits in den siebziger Jahren sind unter Regie der Historischen Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg zwei Bände zu Schaumburger Auswanderern in den Jahren 1820 bis 1914 erschienen. Die Personaldaten der Auswanderer sind 1990 systematisch in einer Datenbank erfasst worden, mit der auch Stade gearbeitet hat.

 Als Auswanderer wurden all jene gefasst, die ihren „Untertanenverband“ – legal oder illegal – verlassen haben, sei es, dass sie über die Grenze ins benachbarte Ausland heirateten oder als Fabrikarbeiter im nahen Hannover-Linden beziehungsweise in Übersee eine neue Existenz suchten. Nicht aufgenommen worden sind in der Datensammlung wandernde Handwerksgesellen, Wehrpflichtige, die sich durch vorübergehende Absetzung ins Ausland der Einberufung entzogen, und steckbrieflich Gesuchte, es sei denn, dass das Auswanderungsland und der Zeitpunkt des Weggangs der Gesuchten bekannt sind.

 Wonach Stade jetzt noch sucht und wo er um Unterstützung bittet, das sind konkrete Geschichten der Familien: Warum sind sie ausgewandert? Warum nach Amerika oder ins Hannöversche oder nach Preußen? Und wie ist es ihnen dort ergangen? Darüber geben nämlich die vorhandenen Personendaten allein keine Auskunft.

 Warum vor allen die Neue Welt Auswanderer magisch anzog, ist heute bekannt. „Die große Fruchtbarkeit des Bodens, dessen ungeheure Ausdehnung, das milde Klima, der freie Verkehr in einem Raume von mehreren tausend Meilen, die vollkommene Sicherheit der Personen und des Eigentums, bei sehr geringen Staatslasten, das ist es, was man als die eigentlichen Pfeiler der glücklichen Lage der Amerikaner zu betrachten hat. In welchem andern Lande der Erde findet man dieses alles vereint?“, schrieb Gottfried Duden. Der Remscheider Jurist gelangt 1824 zunächst nach Maryland und dann nach Missouri, wo er Land erwarb und eine Farm bewirtschaftete.

 Auch Hohenroder haben Karriere in den USA gemacht. Wie einer der Söhne der Familie Kertz (heute das Grundstück von Treppen-Vogt), der es zu einem Autohändler und verdienten Bürger gebracht hat. Ein Familienmitglied soll, glaubt man dem Dorfklatsch, sogar 1998 Hohenrode besucht haben. Stade ermittelte, dass fünf der sechs Kinder dieser Familie ausgewandert sind. Ein Sohn hat in den USA eine Kirche für eine protestantische Erneuerungsbewegung gegründet, die es heute noch gibt.

 Stade zieht vor den Hohenrodern, die den Mut hatten, sich auf die ungewisse Reise zu machen, den Hut: „Wie viel Trauer, Abschiedstränen, aber auch Lachen und Freude mögen diese Menschen begleitet haben– wir können es nur erahnen. Wir müssen den Emigranten noch heute unseren gehörigen Respekt zollen. Einige schafften es, holten Freunde und Verwandte nach, andere strauchelten.“

 Was Stade jetzt sucht, sind Briefe, Fotos oder Sterbeanzeigen, Familienpapiere, Tagebuchaufzeichnungen. Die Dokumentation soll Ende 2015 fertig sein und zum Druck abgegeben werden.

 Kontakt: Uwe Kurt Stade, Rinteln, Süd-Contrescarpe 9. Telefon (0176) 500 85916 und per E-Mail an u.k.stade@web.de. wm

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