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Taubenberg: Tempo wird gedrosselt

Verkehr auf der K77 Taubenberg: Tempo wird gedrosselt

Die Geschwindigkeit auf der K77 soll reduziert werden, wie die Stadt Rinteln beschlossen hat. Zwischen dem Ortsausgang Uchtdorf bis zu den Kurven darf damit statt 100 nur noch 70 Stundenkilometer gefahren werden, von den Kurven bis nach Wennenkamp noch 50.

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Das Tempo muss bald auf der ganzen Strecke gedrosselt werden.

Quelle: Archiv

Taubenberg. „Es hat sehr kontroverse Diskussionen gegeben“, sagt Ordnungsamtsleiter Ulrich Kipp, und man habe die Situation „sehr ausführlich“ besprochen. Die ausführliche Begründung für die Tempolimits vonseiten der Stadt werde derzeit erarbeitet und kann daher noch nicht veröffentlicht werden. Daher ist auch noch unklar, ab wann die Geschwindigkeitsbegrenzung gültig sein wird. „Die Begründung muss hieb- und stichfest sein“, so Kipp. Daher müsse sie gründlich ausgearbeitet werden. Denn wenn nicht, kann sie schnell angegriffen werden.

Es ist das größte Problem, das Stadt, Landkreis und die Straßenbaubehörde bei Eingriffen auf Landes- oder Kreisstraßen haben: Geschieht dies ohne triftigen Grund, können sie verklagt werden. „Wir dürfen natürlich nur nach Recht und Gesetz agieren“, betont Markus Brockmann, Geschäftsführer der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln.

Eine Streckensperrung für Motorradfahrer (wie in Möllenbeck und Westendorf) sei schwierig durchzusetzen, denn davon seien auch die Verkehrsteilnehmer betroffen, die sich vernünftig verhalten. Und wenn dazu eine triftige Begründung fehle, „würde ein Gericht so etwas sofort kassieren“, so Brockmann. Lärm reiche als Grund nicht aus. „Manche Motorradverbände warten nur darauf, gegen so etwas gerichtlich vorzugehen“, erklärt Brockmann. Und oft hätte dies auch Erfolg.

Verband kündigt Klage an

Auch die Stadt Rinteln ist mit solchen Fällen konfrontiert, so Kipp: Nach der Sperrung einer Kreisstraße habe sich ein Verband mit der Ankündigung gemeldet, man werde sich vorbehalten, dagegen zu klagen. Bislang sei jedoch nichts passiert.

Also keine Handhabe gegen Verkehrsrowdys? Auf der jüngsten Sitzung des Ortsrates Taubenberg sind auch Fahrbahnrillen diskutiert worden. Diese würden jedoch oft nichts bringen, so Brockmann: Schwellen und Heckenpflanzungen, um Fahrern die Sicht zu nehmen, wie etwa bei Vlotho, seien zwar teilweise „ein Mittel gegen Unfälle“ – „aber nicht gegen die Lautstärke“.

Fahrbahnrillen auf der K61 bei Messenkamp „haben nichts gebracht“, sagt ebenfalls Anja Gewald von der Pressestelle des Landkreises Schaumburg. Sie resümiert: Das Bauamt des Kreises sehe daher keine weitere Möglichkeit, des Problems mithilfe baulicher Veränderungen Herr zu werden.

„Wir sind irgendwann ratlos“, sagt auch Brockmann. „Viele Mittel bleiben uns da nicht mehr.“

Versuche mit Warnschildern und Displays

Im Kreis Hameln-Pyrmont würden nun Versuche mit Warnschildern und Displays gestartet. „Das kann wirken – aber keine Wunder“, warnt Brockmann davor, zu große Hoffnung dareinzusetzen.

Im September 2015 war es übrigens der Ortsrat Taubenberg selbst, der sich gegen Rüttelstreifen zwischen Uchtdorf und Wennenkamp aussprach – einstimmig. Die erhöhte „Belastung“ der Einwohner; und Motorradfahrer würden von der Strecke wohl nicht ferngehalten. Zudem würde sich die Geschwindigkeit in den Ortschaften nicht verringern.

Also bringen alle Maßnahmen kaum etwas? Doch – was letztlich helfe, so Brockmann, seien mehr Überwachungen durch die Polizei. Eine spezielle Kontrollgruppe könne beispielsweise frisierte Motorräder erkennen. Auch im Weserbergland würden so mittlerweile „neuralgische Punkte“ kontrolliert. „Das muss allerdings geplant werden“, gibt Brockmann zu bedenken. Ob die Kontrollen an Tagen mit schönem Motorrad-Wetter stattfinden, lässt sich nicht beeinflussen.

Motorräder können nur sofort gestoppt werden

„Wir können nicht jeden Tag vor Ort sein“, wirbt Tamara Ehrmantraut-Riechers, Streifendienstleiterin der Polizei Rinteln, um Verständnis. Zudem sei ein Polizeieinsatz dort nicht ganz einfach: Da Motorräder ihre Nummernschilder hinten tragen, müssen sie mit der Laserpistole gemessen und sofort angehalten werden. Dies sei nur mit einem entsprechenden Personaleinsatz möglich.

Von dem Tempolimit hält sie selbst wenig: Mit 50 km/h könne man sowieso nicht durch die engen Kehren fahren, und dieser Eindruck solle durch ein Schild gar nicht erst entstehen. Zudem schütze das Limit nicht vor Lärm – laut könne ein Motorrad auch im Stehen sein.

Außerdem: „Das Tempolimit gilt für alle.“ Bei Verkehrskontrollen müssten auch die Anwohner kontrolliert werden. „Ist es wirklich das, was wir erreichen wollen?“ Der Wunsch der Polizei: Sich auf Gefährdungspunkte wie etwa Bushaltestellen und Ortsdurchfahrten konzentrieren und eine gute Lösung für alle finden, vor allem für „zufriedene Anwohner“.

Ob das Tempolimit wirkungsvoll war, könne man nun sowieso kaum mehr feststellen: „Die Motorrad-Saison ist vorbei.“ mld

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