Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Tipps aus Engern für die Mächtigen

G20-Jugendgipfel Tipps aus Engern für die Mächtigen

Vor vier Jahren hat Flavia Röhrs aus Engern den damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff und dessen polnischen Kollegen interviewt. ADie damals 23-Jährige nahm an der Feier zum 20-jährigen Bestehen des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes teil. Jetzt ist sie aus 100 Bewerbern für die fünfköpfige Delegation ausgewählt worden, die beim G20-Jugendgipfel in Istanbul Deutschland vertreten wird.

Voriger Artikel
„Niemand hat mit uns gesprochen“
Nächster Artikel
Denkmalgeschütztes Gebäude abgerissen

Mindestens drei Stunden am Tag tauscht sich die Politikwissenschaftlerin Flavia Röhrs mit ihrer Delegation aus.

Quelle: pk

Engern/Istanbul. Gemeinsam mit mehr als 120 Teilnehmern aus den Ländern der G20 wird sich Röhrs in der Türkei mit verschiedenen politischen Herausforderungen befassen, vor denen die Industrie- und Schwellenländer stehen: In diesem Jahr sind das Jugendarbeitslosigkeit, Bildung und Frieden.

Anders als bei den Simulationsspielen der Vereinten Nationen, an denen Röhrs auch schon teilgenommen hat, sollen konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Denn wenn im November die G20 in der türkischen Hauptstadt Ankara zusammenkommen, wird der deutsche Delegationsleiter Oliver Rieche (27) den Staats- und Regierungschefs die Ergebnisse von Röhrs und ihren Kollegen präsentieren.

Die Politikwissenschaftlerin – gerade hat sie ihren Master of European Studies gemacht – setzt sich dafür mit einem Problem auseinander, das nicht nur in Deutschland brandaktuell ist, sondern auch für den türkischen Gastgeber: Flüchtlingspolitik. Seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges hat die Türkei mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen. Dem gegenüber stehen 200000 syrische Flüchtlinge, die von der EU aufgenommen worden seien, rechnet Röhrs vor. Klar, dass die Türkei da mit Unverständnis auf die ungleich reicheren europäischen Nachbarn blicke.

Zwar nehme Deutschland weit mehr Flüchtlinge auf als etwa Großbritannien oder Frankreich, führt Röhrs aus. Ganz Frankreich habe gerade mal so viele Flüchtlinge aufgenommen wie Nordrhein-Westfalen. „Andererseits ist Deutschland nun mal auch das reichste Land in Europa und hat damit eine besondere Verantwortung“, sagt sie im Gespräch in unserer Redaktion.

Mindestens drei Stunden am Tag befindet sich die 27-Jährige in Skype-Konferenzen oder in einem eigens eingerichteten Forum und tauscht sich mit ihrer Delegation und den anderen Teilnehmern aus den G20-Ländern aus. „Das ist spannend, wie sonst könnte ich mich so fundiert mit einem Indonesier über Flüchtlingspolitik austauschen“, sagt Röhrs. Interessant findet sie auch, wie unterschiedlich die einzelnen Delegationen auftreten. Während etwa die Russen die europäische Flüchtlingspolitik in Frage stellten, hätten sich die Chinesen noch gar nicht geäußert. „Dürfen die das nicht?“, fragt sich Röhrs. Und die EU-Delegation reagiere besonders empfindlich auf EU-kritische-Beiträge.

Zu welchen Ergebnissen der Jugendgipfel auch führen mag und was auch immer die G20-Länder davon am Ende umsetzen werden, für Röhrs steht eines fest: „Flüchtlingspolitik kann nur durch Integration funktionieren“, sagt sie. Und das müssen nicht bloß Hilfen bei Behördengängen sein. Vielmehr gehe es darum, einander kennenzulernen.

Gleichzeitig müssten die Ängste der Bürger ernst genommen werden. Die Verwaltungen seien aufgefordert, Anwohner frühzeitig über die Unterbringung von Flüchtlingen zu informieren. Darüber hinaus hält Röhrs es für unablässig, sowohl die Familienzusammenführung als auch die legale Einwanderung zu vereinfachen. Tue man dies nicht, spiele man etwa Schlepperbanden zu.

Röhrs Interesse an Politik wurde übrigens an der Rintelner Sommeruni geweckt worden. Eigentlich hatte sie sich für Journalistik und Germanistik interessiert, als ihr jemand von dem Studiengang Europa-Studien erzählte. Auf anschließenden Reisen sei sie zu dem Schluss gekommen, dass dies das richtige für sie ist.

Sie schrieb sich in Chemnitz für den Bachelor-Studiengang ein, verbrachte zwischenzeitlich ein Jahr in Polen und begann letztes Jahr schließlich in Nizza mit ihrem Master-Abschluss in „Internationalen Beziehungen“. Es folgten jeweils dreimonatige Studienaufenthalte in Istanbul und Berlin, wo sie derzeit lebt.

Zog es sie vor vier Jahren noch nach Osteuropa, reizt sie inzwischen der arabische Raum. Inwieweit sich das beruflich in die Tat umsetzen lässt, wird sich zeigen. Jetzt ist sie erst noch mit dem Jugendgipfel der G20 beschäftigt. pk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg