Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Voller Tatendrang

Politisches Kaffeetrinken mit Anke Schmidt Voller Tatendrang

Wenn Anke Schmidt der Schaumburger Bundestagsabgeordneten der Grünen zeigen möchte, was sie nicht will, dann hätte sie es nicht weit.

Voriger Artikel
Das Schwalbendorf
Nächster Artikel
Reifen platt – Vollbremsung unmöglich

Die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Katja Keul (rechts), unterstützt die Auetaler Spitzenkandidatin Anke Schmidt beim Wahlkampf – und der macht den Frauen sichtlich Spaß.

Quelle: rnk

REHREN. Ein paar Meter, einmal über die Straße, und sie könnte Katja Keul mitten im Rehrener Industriegebiet erklären, warum eine Erweiterung mit den Auetaler Grünen nicht machbar ist. Denn an eine Bekämpfung des demografischen Wandels durch ein vergrößertes Industriegebiet glaubt Schmidt nicht so recht: „Ich bin da eher vorsichtig.“

Das kann sie durchaus begründen: „Wenn wir es schaffen, unser Image in der Bevölkerung zu verbessern“, sagt sie, „also schöne Radwege bauen, etwa zum Schwimmbad, gute Kinderbetreuungszeiten anbieten, eine Erweiterung des öffentlichen Nahverkehrs schaffen, wenn wir die Vorstände in den Vereinen verjüngen und den Jungen mehr Verantwortung übertragen, dann schaffen wir das auch, ohne Millionen auf Jahre in ein Industriegebiet festzulegen.“

Das Argument, durch eine Erweiterung des Industriegebiets würden Arbeitsplätze geschaffen, lässt Schmidt nicht gelten: „Das ist doch an den Haaren herbeigezogen. Die großen Firmen laufen in der Regel vollautomatisch. Da arbeiten dann vielleicht zwei oder drei Mitarbeiter. Und ob das dann Auetaler sind, das wage ich noch zu bezweifeln.“ Außerdem: Diejenigen, die wegziehen, weil sie studieren möchten, würden später nicht unbedingt ins Auetal zurückkommen, um dort zu arbeiten. Aber wenn man das Image verbessern könne, schaffe es das Auetal, neue Familien anzulocken. Fakt sei jedenfalls dies: „Wir müssen nichts verändern, wir müssen verbessern.“

Schulstraße soll Spielstraße werden

Verbessern soll sich nach der Wahl die Verkehrsituation an der Schulstraße: Diese soll zur Spielstraße werden. „Damit hätten wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, erklärt Schmidt: Es wird langsamer gefahren, und es darf nicht mehr geparkt werden. Gemeint sind damit vor allem Lastwagenfahrer, die dort gerne eine Pause einlegen. Aber gefährlich sei es auch, sagt die Rehrenerin: „Wenn die Kinder aus der Tagesstätte zur Turnhalle gehen, ist das schon jedes Mal abenteuerlich.“

Eine Stunde wird Schmidt, die gemeinsam mit Rolf Wittmann an diesen Vormittag auf dem Penny-Parkplatz um Stimmen wirbt, von der Bundestagsabgeordneten Keul besucht und unterstützt. Und immer, wenn Schmidt mit den Bürgern spricht, tauschen sich Keul und Wittmann über die vergangenen 30 Jahre Grünen-Politik aus. Später wird der Bernser sagen, dass man im Auetal durchaus Erfolge vorweisen könne. Soll auch heißen: Als Teil der politischen Mehrheit kann man gestalten, ein gutes Gefühl.

Einkaufsgelegenheit wird in Rehren vermisst

Kurze Frage: Gibt es einen Promi-Bonus? Bringt das überhaupt etwas, wenn ein Grüner aus dem Bundestag in Rehren Wahlkampf macht? Keul sieht es so: Zum einen komme so eine bundespolitische Komponente als zusätzlicher Anreiz in die Gespräche mit den Bürgern, außerdem habe sie Gelegenheit, die Kreis- und Ortsverbände zu unterstützen.

Später sitzen Schmidt, Keul und Wittmann in der Seniorenresidenz: Sie haben zum politischen Kaffeetrinken geladen. Mit Georg Ginschel stößt ein Bewohner zur Runde, außerdem Stefan Vollmer als Auetaler Nabu-Vorsitzender und Janina Vollmer von der DLRG Rolfshagen. Der Senior vermisst eine Einkaufsgelegenheit in Rehren. Vielleicht, fügt Schmidt hinzu, müsse man über einen Dorfladen wie in Rolfshagen mal nachdenken. Das Gespräch dreht sich jedoch schnell um zwei andere Themen: das Ehrenamt und die Frage, wie man denn im Auetal, in einer ländlichen Struktur, leben möchte.

Ehrenamt muss staatliches Versagen auffangen

„Alles“, sagt Schmidt, „läuft über das Ehrenamt.“ Die Politik sollte nicht nur im Wahljahr zu den Veranstaltungen hingehen und die Ehrenamtlichen motivieren. Vollmer erklärt, er sei in dieser Frage zwiegespalten: Vieles werde auf das Ehrenamt abgewälzt. Das fördere zwar die Dorfgemeinschaft und die örtlichen Strukturen, aber Ehrenamt funktioniere nur, wenn viele Leute etwas machen. „Und warum engagieren sich dann so wenige?“

Das naheliegende Beispiel ist an diesem Nachmittag die Flüchtlingskrise: Dabei werde eine gesellschaftliche Aufgabe an das Ehrenamt delegiert, sind sich alle einig. Keul formuliert es knackig: „Durch das Ehrenamt muss das staatliche Versagen aufgefangen werden.“ Irgendwann müssten aus dem Ehrenamt auch mal Stellen geschaffen werden.

Die DLRG Rolfshagen hat in den Augen der grünen Spitzenkandidatin Schmidt den richtigen Schritt getan: Sie hat Vorstandsämter in jüngere Hände gelegt und dem Nachwuchs mehr Handlungsspielraum zugestanden. Generell neige sich die Zeit der ehrenamtlichen „Erbhöfe“ dem Ende zu.

Die kommunale Selbstverwaltung, da sind sich alle einig, sollte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch tatsächlich stattfinden. „Aber die Gewerbesteuer ist von Jahr zu Jahr ein einziges Wechselkonzert“, sagt Wittmann. Er habe sich mal die Mühe gemacht und im Fünf-Millionen-Euro-Haushalt alles gestrichen, was noch an freiwilligen Leistungen vorhanden sei, und die Einsparungen hätten vielleicht bei 100000 Euro gelegen. „Das Leben ist echt kein Ponyhof“, sagt der Bernser. rnk

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

O’zapft is heißt es in der Stadthäger Festhalle wieder am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. September. Dann dominieren die Farben Blau und Weiß in der Halle und fesche Frauen in farbenfrohen Dirndln tanzen auf den Tischen... mehr