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Vom General bis zur Wassermühle

Todenmann / Wanderung Vom General bis zur Wassermühle

Ein bisschen nass und um viel Wissen bereichert: So kamen die rund zwei Dutzend Teilnehmer von der Wanderung von Gut Dankersen zum Alten Zollhaus in Todenmann zurück.

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 Auf der Wanderung gab es viel zu erleben: Herr Müller hält seinen Schafstall offen, damit die Schwalben Unterschlupf finden können.

Quelle: jhü

Von Juliane Hünecke. Sie standen am Grab eines preußischen Generalfeldmarschalls der Völkerschlacht bei Leipzig, sahen Reste einer Wassermühle im Allersiek und konnten Schafe bewundern, die aus einem Haus heraustrotteten. Dabei stapften sie über Unmengen von herbstbuntem Laub. Aber wer macht das Laub so bunt? Auch darauf gab es eine Antwort.

 Zum vierten Mal hat der Arbeitskreis Kulturlandschaft im Heimatbund der Grafschaft Schaumburg gemeinsam mit dem Nabu zu einem historischen und naturkundlichen Spaziergang eingeladen. Die Tour startete am Gut Dankersen.

 Macht der Herbst die Blätter bunt?, fragte Petra Sittig vom Nabu-Kreisverband Schaumburg gleich zu Beginn in die Runde. Natürlich nicht: Das wussten auch die anwesenden Kinder. Was aber die Ursache für das schöne Farbspiel im Herbst ist, das konnten sie nicht erklären. Sittig: Die Blätter haben verschiedene Farbstoffe – benötigt für die Fotosynthese. Im Winter werden die Blätter nicht mehr gebraucht, deshalb entfärbt der Herbst sie. Erst wird der grüne Farbstoff abgebaut, dann hat man die roten Blätter, wenn der rote Farbestoff abgebaut wird, ist nur noch der gelbe Farbstoff da. Die Farbenpracht konnten die Besucher anhand von Blättern des Amberbaums bewundern, die zudem besonders gut riechen.

 Geschichtliches brachte Dr. Stefan Meyer vom Heimatbund dem Publikum näher. „Das Gut Dankersen wurde erstmals um 1275 erwähnt“, erklärte er. Damals sei es ein Meierhof des Nonnenklosters St. Jakobi in Rinteln gewesen. In der Nähe war eine Landwehr, wie es viele in der Grafschaft Schaumburg gab. „Das Schaumburger Land hat die meisten Landwehren überhaupt in Niedersachsen.“ Es habe auch einen Turm gegeben, die Dankerser Warte – aber wo genau, das wusste er auch nicht.

 Um 1560 wurde das Kloster aufgehoben, die Klosterwirtschaft ging an die Landesherrschaft von Schaumburg. Diese übergab den Hof um 1590 der Familie von Ditfurth zur Bewirtschaftung. Um 1730 hat der Gutsherr seinem Landsherrn – ein hessischer Landgraf und schwedischer König – wohl bei der Jagd das Leben gerettet. Dieser war so dankbar, dass er seinen Retter finanziell erstaunlich unterstützte, sodass der barocke Anbau angelegt werden konnte. Die barocke Gartenanlage um das Gut Dankersen herum war laut Meyer im 18. Jahrhundert der größte adlige Barockgarten im Weserbereich des Schaumburger Landes.

 Das Gut Dankersen war zudem auch Kulisse für einige Filme. Der bekannteste wurde in den 1950er Jahren gedreht: „Und ewig bleibt die Liebe“ mit Karlheinz Böhm und Ulla Jacobsson. „Viele Rintelner haben damals als Statisten mitgewirkt“, erzählte Meyer.

 Der Friedhof der Familie von Ditfurth besteht seit etwa 150 Jahren, so Meyer weiter. „Der Friedhof und der Waldrandbereich waren am 8. April 1945 Schauplatz von Kämpfen.“ Als die amerikanischen Truppen von Eisbergen in den Wesergebirgskessel vorrückten. Die deutschen Einheiten hätten sich verbissen verteidigt, es habe etliche Tote gegeben. In manchen Kreuzen auf dem Friedhof findet man auch heute noch Einschusslöcher. Aber auch ein Grabkreuz, das an einen preußischen General Wilhelm Arthur von Ditfurt erinnert, der in der Völkerschlacht bei Leipzig kämpfte.

 Der Bach, der von Todenmann hinunter nach Dankersen fließt, wurde früher dafür genutzt, Mühlen anzutreiben. Die Dankerser Mühle, die einzige historische bekannte, ist seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar, so Meyer. Sie war bis in die 1950er Jahre noch in Betrieb. Das Fundament der Mühle und die Achse des alten Mühlrads sieht man noch.

 Jobst und Uta von Ditfurth-Siefken, die als Vertreter des Guts Dankersen auch an dem Spaziergang teilnahmen, zeigten sich begeistert, als Meyer in Höhe der Tonkuhle die Auswirkungen der vorletzten Eiszeit auf die Landschaft erläuterte: „Das sind die sogenannten Mittelterrassen, die man bei Rinteln im Wesertal sehr gut erkennen kann.“ Diese Mittelterrasse sei der Talboden der vorletzten Eiszeit, die extreme Spuren hinterlassen hat.

 Derweil erklärte Eckhard Marx vom Nabu die verschieden Schichten der Tonkuhle. Die dunkleren seien der Lias, der untere Teil des Juras. Man müsse sich das so vorstellen: „Das ganze Wesergebirge ist Jura“, der schwarze Jura heißt Lias, der braune wird auch als Dogger bezeichnet und der weiße Jura oder Oberjura ist auch als Korallenoolith bekannt. Der ist sehr hart, lässt sich prima zu Schotter verarbeiten und bringt Geld.

 Gerhard Beu, der Vorsitzende des Verschönerungsvereins Todenmann, stellte eine Besonderheit aus dem Kirschendorf vor: die Ochsenherzkirsche. Sie galt in Deutschland als verschollen. Der Pomologe Hans-Joachim Bannier entdeckte sie vor etwa vier Jahren, als er das erste Mal in Todenmann war.

 Todenmann sei übrigens ein recht junges Dorf, erklärte Meyer. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts wurde es erstmals erwähnt. Der Name des Dorfes habe immer schon zu Spekulationen angeregt: Toter Mann oder Zu dem Manne? „Die Ersterwähnung besagt“, so Meyer, „zum Toden Manne.“ Da gehe es – offenbar – um einen toten Mann. Wer das ist, wisse man allerdings nicht.

 Nick Büscher, Nabu-Vorsitzender in Rinteln, präsentierte am Beispiel eines Hofes das Projekt „Schwalbe willkommen“, in dem der Nabu Niedersachsen Hausbesitzer auszeichnet, die etwas für Schwalben tun. „Es gibt immer weniger Schwalben. Gerade die Rauchschwalben leiden unter Wohnungsnot. Herr Müller tut etwas für Schwalben, er hat seinen Schafstall offengehalten, sodass die Vögel nisten können.“

 Schlusspunkt war das Alte Zollhaus. „Dieses Gebäude wurde 1804 in der Zeit der Chausseen als Zollgebäude errichtet“, sagte Meyer. In Tag- und Nacht-Schnellkutschen konnte man an einem Tag von hier nach beispielsweise Kassel reisen.

 1835, als der große Weserdichter Franz von Dingelstedt in seinen Jugendjahren in Rinteln lebte, war das Gebäude bereits ein Gasthaus. Dort hat von Dingelstedt sein berühmtes Weserlied geschrieben: „Hier habe ich so manches Mal mit meiner Laute gesessen.“ Angeblich hatte er den Text in ein Glasfenster geritzt, das aber nicht mehr existiert.

 Aber: Auch Hannoversch Münden beansprucht, zu dem Gedicht inspiriert zu haben. Über Legenden und Wahrheiten wurde beim Kaffee im „Altes Zollhaus“ noch diskutiert.

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