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Wegsperrung gibt Rätsel auf

Adler? Wolf? Oder ein Luchs? Wegsperrung gibt Rätsel auf

Im Wald zwischen Hohenrode und Rumbeck sind zwei große, viel begangene Wanderwege gesperrt, auf denen auch Reiter und Mountainbiker unterwegs sind. An Baumstämmen festgemacht, die quer über den Weg gelegt worden sind, warnt ein Schild: „Das Betreten dieses Waldbestandes einschließlich der Wege ist aus artenschutzrechtlichen Gründen gemäß Paragraf 44, Bundesnaturschutzgesetz, in der Zeit vom 15. November bis 30. Juni verboten.

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 Hier geht es nicht weiter, weder für Wanderer noch für Reiter oder Mountainbiker. Seit etwa 14 Tagen ist ein viel begangener Waldweg gesperrt.

Quelle: wm

Hohenrode. Zuwiderhandlungen stellen eine Ordnungswidrigkeit dar, welche mit Bußgeld geahndet werden kann.“ Unterzeichnet von Landkreis Schaumburg und den Niedersächsischen Landesforsten.

 Wanderer und Anwohner stellen sich nun – denn die Sperrung eines so großen Weges spricht sich nun mal herum – folgende naheliegende Frage: Welches schützenswerte Tier verbirgt sich hinter der Formulierung „artenschutzrechtliche Gründe?“ Ein Tier mit Namen „Gründe“ gibt es ja wohl nicht.

 Sucht man nach einer Antwort bei den Behörden, die es wissen müssten, stößt man auf Schweigen. Weder Martina Engelking, Leiterin des Amtes für Naturschutz beim Landkreis Schaumburg, noch Forstamtsleiter Christian Weigel wollten die dort schützenswerte Tierart nennen, räumten aber zumindest ein, dass es sich um ein Tier, nicht eine Pflanze handeln würde.

 Bleibt also nur die Spekulation: Sind es Wölfe, die jüngst Schlagzeilen machten, weil sie schon in Minden gesichtet worden sind? Kaum wahrscheinlich, denn Wölfe lassen sich nicht auf ein so kleines Revier eingrenzen. Sie tigern kilometerweit durch den Wald. Die Schutzzeit dagegen könnte passen, Wolfsfähen werfen im April, Mai, Juni.

 Ein Luchs? Kaum vorstellbar. Bisher wurden Luchse nur in den Wäldern im Harz gesichtet. Das heißt, gesehen hat die nachtaktiven scheuen Raubkatzen kaum jemand; dass sie da sind, weiß man nur durch Fotofallen.

 Viel naheliegender sei, sagen Hohenroder, dass dort ein Fischadler seinen Horst baut. Was irgendwo auch eine Pointe hätte. Denn im Februar vergangenen Jahres hatte die Rintelner Nabu-Gruppe mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks auf der Insel in den Kiesteichen einen Kunsthorst für Fischadler errichtet: eine aufwendige Konstruktion mit einem Betonfundament und einem elf Meter hohen feuerverzinkten soliden Stahlmast mit Nistplattform.

 Aber vielleicht hatte der Raubvogel einfach keinen Bock, ständig von Vogelfreunden per Fernglas beäugt und mit Teleobjektiven fotografiert zu werden. Vielleicht schien ihm ein Horst im Wald, hoch auf einem Baum, diskreter, um den Nachwuchs großzuziehen, der sich – das wünschen sich wohl alle – einstellen soll.

 Der Forstamtsleiter und die Amtsleiterin beim Landkreis begründen ihr Schweigen damit, dass nicht publik werden solle, um welche geschützte Art es sich handele, um die Tiere nicht zu stören und zu vergrämen. Ein Vorhaben, das sicher Erfolg hätte, läge der schützenswerte Bereich irgendwo an einem Trampelpfad tief im Wald. Tut er aber nicht. Auf diesem Weg sind viele unterwegs, und das Schild macht neugierig. Bleibt also nur der Appell, das Schild zu respektieren.

 Sollte es tatsächlich ein Fischadler sein, ist der Appell wohl berechtigt, denn Fischadler mögen in der Nähe ihres Horstes keine Störung. Kommen Menschen, verlassen sie ihren Horst. Dann könnten Rabenvögel kommen, die Eier zerstören. Fischadler haben eine Jahresbrut, bei uns in der Zeit von April bis Juli. wm

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