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Weil Leitungen auf die Straße knallen

Gefahr gebannt Weil Leitungen auf die Straße knallen

„Leib und Leben sind gefährdet“, hat Heino Noltemeier aus Schaumburg am vergangenen Wochenende in einem Leserbrief Alarm geschlagen. Der Grund: An der Heinrich-Kohlmeier-Straße in Deckbergen seien Oberleitungen von den Masten auf die Teerdecke geknallt, dass Funken gesprüht hätten.

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Bild vom 22. November 2000: Hier ist gleich ein ganzer Strommast umgeknickt. Er ist bei Kathrinhagen auf ein fahrendes Auto gefallen. Im jüngsten Fall ist eine Freileitung gerissen und nach Beobachtungen eines Lesers auf die Straße geknallt. Der Mast blieb stehen.

Quelle: tol

Schaumburg. Das wird dort in Zukunft nicht mehr passieren: Ein erster Abschnitt ab der Ostendorfer Straße ist bereits verkabelt, der zweite Abschnitt der Heinrich-Kohlmeier-Straße bis zur Bundesstraße 85 soll noch in diesem Jahr fertig werden. Dann müssen nur noch Masten und Freileitung demontiert werden.

Derzeitiger Stand der Umstellung: In Deckbergen ist die Freileitung an der Ostendorfer Straße bereits außer Betrieb, die Häuser an Erdkabel angeschlossen, die Freileitung allerdings noch nicht abgebaut. In der Musikantenstraße soll 2017/2018 ein Erdkabel verlegt werden.

Alte Leitung bereits abgebaut

Im Bereich um Kirche und Kindergarten in Deckbergen sind bereits im Rahmen der Arbeiten für die Dorferneuerung Erdkabel installiert worden. Teilweise muss dort ebenfalls noch die Freileitung demontiert werden. Das machen bei Holzmasten die Stadtwerkemitarbeiter selbst, bei Betonmasten muss ein Abbruchunternehmen mit schwerem Gerät anrücken. Die alte Freileitung über den Friedhof ist bereits abgebaut.

In Schaumburg ist an der Straße Am Block bereits ein Erdkabel verlegt, die Freileitung demontiert. In Westendorf wird zurzeit der Umbau von Freileitung auf Erdkabel an der Ulanenstraße und bis Gut Echtringhausen vorbereitet.

Thomas Sewald, technischer Leiter der Stadtwerke, bestätigte den vom Noltemeier genannten Leitungsabriss. Die Niederspannungsleitungen mit 220 Volt seien in Schaumburg rund 30 Jahre alt, Kupferseile, die unter ständiger Belastung durch Wind und Wetter, Vögel und Baumästen stehen. Manchmal ramme auch mal ein Traktor einen Mast. Das halten Leitungen mit einem Querschnitt von 25 Quadratmillimetern nicht aus. Beschädigte Leitungen würden repariert, aber dadurch „natürlich nicht neuer, sondern eben nur wieder gebrauchsfähig“.

Anschlüsse müssen getauscht werden

Doch alle Leitungen würden in Abschnitten im Laufe der nächsten Jahre durch Kabel ersetzt. Erdkabel bedeutet allerdings auch, dass die Hausanschlüsse ausgetauscht werden müssen. Und es gibt Häuser, da hängt der Zählerkasten noch auf dem Dachboden. „Wir gehen also zu den Hauseigentümern und fragen, wo sie ihren Erdkabelanschluss montiert haben möchten“, sagt Sewald.

Am schnellsten kommt die Umstellung dort, wo sich ein Anwohner eine Solaranlage auf sein Dach bauen lässt. Denn für diese reicht der Querschnitt der Kupferfreileitungen nicht aus, den Stromtransport schafft nur ein Aluminium-Erdkabel.

Sewald betont, die Stadtwerke seien schon durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz verpflichtet, eine Solaranlage ans Netz anzuschließen. Und wenn dann ein Erdkabel verlegt werden muss, profitieren alle Anlieger an der Straße davon.

Wenn eine Freileitung im Sturm reißt und auf die Straße knallt, wie Noltemeier in seinem Leserbrief schrieb, sei nur dieser Moment gefährlich, erläutert Sewald, dann lösen Sicherungen aus. Reißen zwei Freileitungsseile, entsteht sofort ein Kurzschluss. Fährt man mit einem Auto über die Kupferseile, besteht keine Gefahr, selbst wenn noch Strom auf der Leitung sein sollte. Unklug wäre es allerdings, auszusteigen und das Kabel anzufassen, um es von der Fahrbahn zuziehen.

"Der Mann hat alles richtig gemacht"

Ein Lastwagenfahrer, schildert Sewald, habe seinen Transporter mit Pflastersteinen unter eine Freileitung rangiert und gemerkt, dass er Kontakt hatte, unter der Freileitung hängen geblieben ist. Sewald erzählt: „Der Mann ist im Führerhaus sitzen geblieben, hat mit seinem Handy die Stadtwerke alarmiert und Passanten zugerufen: Fasst bloß meinen Lkw nicht an. Der Mann hat alles richtig gemacht.“

Stellt sich als letzte Frage: Warum hat man früher Freileitungen gebaut? Das sei, schildert Sewald, handwerklich unkompliziert gewesen, ein Haus war schnell angeschlossen, es gab ja sogar Dachständer. „Heute muss man graben.“ Und früher habe es auch nicht die Technologie für Erdkabel gegeben.

Dass eine Überlandleitung mit 30 000 Volt bricht, ist dagegen unwahrscheinlich. Da muss schon ein Jahrhundert-Orkan wie Kyrill im Jahr 2007 toben. „Überlandleitungen“, betont Sewald, „werden regelmäßig abgeflogen und unter anderem mit einer Wärmebildkamera auf Schäden kontrolliert.“ Dafür gebe es einen regelrechten Wartungsplan. Bei Niederspannungsleitungen sei das nicht der Fall. wm

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