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Weniger Verkehr – mehr Lebensqualität

Infoveranstaltung Weniger Verkehr – mehr Lebensqualität

Durchgangsverkehr raus aus Steinbergen – zwei Ortsumgehungen rein in den vordinglichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans, der 2015 für mehr als Jahrzehnt fortgeschrieben wird: Das Interesse an diesen beiden Forderungen ist riesengroß gewesen: Mehr als 100 Steinberger kamen zur Infoveranstaltung der Bürgerinitiative Ortsumgehungen Steinbergen (BIOS) in die Gaststätte „Prinzenhof“.

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Prall gefüllt ist die Gaststätte „Prinzenhof“, als die Bürgerinitiative BIOS informiert und um Unterstützung für zwei Ortsumgehungen wirbt.

Quelle: dil

Steinbergen. Fast 30000 Kraftfahrzeuge pro Tag, darunter 4000 Schwerlaster auf zwei Bundesstraßen, das ist den Steinbergern zu viel. „Wir wehren uns“, hat die BIOS als Devise ausgegeben und sammelt bereits fleißig Unterschriften. „Wir wollen mehr Lebensqualität für Steinbergen“, heißt eine der Forderungen. Dafür müsse man jetzt kämpfen, auch wenn vielleicht erst in frühestens fünf Jahren eine Ortsumgehung gebaut werden könnte, wie Bernd Hugo vom Landkreis Schaumburg mit Blick auf die langen Planungs- und Genehmigungszeiträume einräumte.

 Manfred Hobein und Jens Wienecke machten als BIOS-Sprecher die Problematik deutlich und warben um größtmögliche Unterstützung der Bürger über Steinbergen hinaus – mit Unterschriften, Protestaktionen und Geldspenden. Erst vor acht Wochen gegründet, wird BIOS im Moment von zehn Aktiven getragen. Immerhin ein Info-Flyer ist schon erarbeitet, eine E-Mail-Adresse und ein Spendenkonto sind eingerichtet. Wienecke stellte das Problem in einem Vortrag in all seinen Facetten vor. Ortsbürgermeister Heiner Bartling zollte Anerkennung: „Bisher haben wir uns in Rinteln auf den bürokratischen Weg gemacht. Aber der Schwung der Bürgerinitiative ist jetzt wertvoll, damit unser Anliegen vorankommt.“

 Wienecke zur Sachlage: 23367 Kfz würden pro Tag durch Steinbergen fahren, der Verkehr für eine ganze Region müsse durch dieses Nadelöhr. In Spitzenzeiten könnten es noch mehr sein. Wienecke: „In Niedersachsen wird bei 12000 Kfz pro Tag statistisch eine Umgehungsstraße gebaut, bei 9000 wird dies zumindest langfristig vorgesehen.“ Der Lärm erreiche schon heute 71,4 Dezibel bei Asphalt, 73,4 bei Beton. Bei Straßenneubauten würden heute 49 (nachts) und 59 Dezibel (tagsüber) als Grenzwerte festgelegt.

 Die hohe Verkehrsbelastung führe zu vielen Wildunfällen. Der Ort könne städtebaulich nicht entwickelt werden. Und die hohe Feinstaubbelastung durch den Verkehr sei noch nicht einmal gemessen worden, so Wienecke. „Steinbergen trägt die Verkehrslast der Region.“ Dies müsse auch in Rinteln die Bewohner aufrütteln, „denn wir sind doch das Eingangstor der Stadt.“

 Schon jetzt gebe es durch die Bundesstraßen eine Dreiteilung des Ortes. Und es sei nicht ungefährlich, über die viel befahrenen Straßen von einem Ortsteil in den anderen zu wechseln.

 Doch in den Statements der Fachleute mehrten sich die Warnungen, schon jetzt zu sehr ins Detail zu gehen. Am wichtigsten sei es, erst einmal in den Bundesverkehrswegeplan zu kommen – „und dann dabei in den vordringlichen Bedarf“, betonten Bartling, Hugo sowie Jörg Schröder (Stadt Rinteln) und Uta Weiner-Kohl (Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr). Letztere räumte ein, dass bei einer Verkehrsbelastung wie auf der B238 bei einem Neubau drei statt der vorhandenen zwei Spuren errichten würden.

 Bartling berichtete, dass 2015 auf Bundesebene über die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans entschieden werde. Das Land habe eine Vorschlagsliste eingereicht, die werde nun bewertet. Dann komme die Bewertung nach Hannover zurück, das Land nehme noch mal Stellung. Dann könne man nicht mehr viel bewegen, habe er vom Wirtschaftsministerium erfahren. Er rief deshalb dazu auf, die Bundestagsabgeordneten aus der Region einzuschalten.

 Schröder wies darauf hin, dass die Stadt schon vor zwei Jahren eine Machbarkeitsstudie für die Ortsumgehung im Zuge der B238 vorgelegt habe: „Man muss dann durch den Berg. Bei der vom Bund zu bewertenden Kosten-Nutzen-Analyse wären die Kosten für einen Tunnel bei nur zwei Kilometer Strecke extrem hoch, deshalb haben wir eine Troglösung gewählt“, so Schröder. „Wir haben dafür Kosten von etwa 21 Millionen Euro ermittelt und schon eine recht tiefgründige Planung vorgelegt. Bürgermeister Priemer hat nun noch mal mit einem Brief nachgesetzt, denn jetzt ist die heiße Phase der Entscheidung.“ Jetzt arbeite das Land an einer Prioritätenliste, „und da müssen wir in der allerersten Linie drin sein“. Erst mal gehe es um die B238, die B83 sei noch nicht so weit durchgeplant. „Aber wenn wir beide im Ort voneinander trennen können, ist für Steinbergen schon viel gewonnen.“ Weiner-Kohl ergänzte: „Das sind zwei getrennte Maßnahmen, aber beide werden aufeinander abgestimmt. Die B238 steht weiter vorn im Fokus.“ Und Hugo betonte, dass Steinbergen die einzige als vordringlich vorgeschlagene Maßnahme im Landkreis sei.dil

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