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Wenn die Buche stört statt hilft...

„Tabula rasa“ im Wald? Wenn die Buche stört statt hilft...

Im Wald oberhalb von Todenmann heulen wieder die Motorsägen. Vornehmlich Buchen krachen zu Boden, werden von einem Rückeschlepper zu den Wegen gezogen, wo sie später von Käufern abgeholt werden.

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Die rot markierten Bäume werden gefällt: Michael Behrndt (von links), Christian Weigel (beide Forstamt Oldendorf) und Revierförster Holger Puls zeigen eine Buche, die Eichen stört.

Quelle: dil

Todenmann. Warum die Buchen, die doch zumeist vor 145 Jahren sogar eigens angepflanzt wurden? „Sie sind für ihre eigentlich gewollte Funktion zu groß geworden“, erklärt Forstamtsleiter Christian Weigel. „Jetzt nehmen sie den Eichen, die wir fördern wollen, das Licht, schränken die Kronenbildung ein. Kleinere Buchen dürfen bleiben, sie verhindern das Ausbilden von Wasserreisern.“

Oberhalb des Bleekebrinks in Richtung Autobahnbrücke befindet sich ein bereits durch Anpflanzen gestalteter Wald. Die besonders wertvollen Eichen wachsen aber langsam, die zu ihrem Schutz dazu gepflanzten Buchen schneller. Und auch in der Eigenvermehrung durch Bucheckern ist die Buche dynamischer als die Eiche. Also muss sie von der Forstwirtschaft gebremst und gezügelt werden. Die rund 145 Jahre alten Buchen haben zwar noch nicht die optimale Vermarktungsgröße, „aber es geht schon“, so Weigel. Die Eichen würden dagegen noch mindestens 50 Jahre mehr brauchen, um für Käufer angemessen dick und hoch zu sein.

In den kommenden Wochen wird wegen der Waldarbeiten der Weg im Wald am nordwestlichen Ortsrand Todenmanns gesperrt. Weigel erklärt dazu: „Pro Hektar werden etwa 40 Kubikmeter Eichen-, Buchen- und vereinzelt Fichtenholz entnommen, um den verbleibenden Bestand zu fördern.“ Diese Fläche sei Naturschutzgebiet und unterliege dem Schutz der EU-Richtlinie Flora, Fauna, Habitat (FFH). „Insofern ist es in der langfristigen Betriebsplanung erforderlich, mit der Naturschutzbehörde beim Landkreis Schaumburg die vorgesehenen Maßnahmen abzustimmen. Das ist hier erfolgt.“

Nun wird im Wald aber nicht „Tabula rasa“ gemacht mit allem, was die Eichen stört. „Zum Erhalt von notwendigen Lebensräumen für Insekten, Fledermäuse und Vögel werden abgestorbene oder Bäume mit Höhlen erhalten, sofern sie keine Sicherheitsprobleme darstellen, zum Beispiel an Wegen“, fährt Weigel fort. Von „Spechtbäumen“ spricht sein Stellvertreter Michael Behrndt und verweist auf einen abgestorbenen Baum nahe am Weg, der sich schon leicht zur Seite neigt. Behrndt: „Der kommt natürlich weg.“ Ein ähnliches Exemplar 30 Meter abseits vom Weg kann den Spechten weiter für den Nisthöhlenbau dienen.

„Die genaue Dauer der Maßnahme ist schwer einzuschätzen, weil der Fortgang der Hauung auch sehr stark vom Wetter abhängt“, erklärt Weigel. „Bei Nässe kann der Rückeschlepper nicht auf den für ihn vorgesehenen Gassen (weiß markiert) fahren, weil er sonst zu tiefe Gleise in den Boden fährt und diesen verdichtet. Nach der Maßnahme werden die Wege wieder instand gesetzt.“ Gestern übrigens rückte die beauftragte Firma erst später an. Der starke Regen vom Vortag hatte den Abschluss einer anderen Arbeit verhindert.“

„Wir haben seit Jahren in diesem Bereich nichts gemacht“, betont der zuständige Revierförster Holger Puls (Sitz Fischbeck). „Und bei den Arbeiten geht es nur um mehr Licht für die Eichen, nicht Freiheit für deren Wurzeln.“ dil

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