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Westfale wider Willen

Friedrichswald/Rott / "Grenzgänger" Westfale wider Willen

Thorsten Franz ist ein Grenzgänger. Irgendwie. Er arbeitet im nordrhein-westfälischen Barntrup und wohnt im niedersächsischen Friedrichswald.

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Thorsten Franz

Quelle: pk

Von Philipp Killmann. Eigentlich. Auf dem Papier jedoch gehört sein Haus In der Weide, genau wie das seines Nachbarn, zum einen Kilometer entfernten Rott und damit zu Nordrhein-Westfalen. Davon zeugt nicht nur der Grenzstein „N. 25“ – das N steht für Niedersachsen –, sondern auch die westfälische Flagge, die Franz auf seinem Grundstück aufgezogen hat. Dabei würde er viel lieber zu Niedersachsen gehören. Das würde manches vereinfachen, sagt er.

 „Wenn man zum Beispiel den Krankentransport anruft, weiß keiner, wer zuständig ist: die Leitstelle in Detmold oder die in Stadthagen“, schildert Franz. Ähnlich verhalte es sich bei banaleren Angelegenheiten, wie etwa Pizza-Bringdiensten. Man müsse die Adresse immer genau beschreiben, sonst könne es passieren, dass der Fahrer die Anschrift vergeblich in Rott suche.

 Auf Verwaltungsebene herrsche zwar Klarheit, aber der zu leistende Aufwand scheint dennoch doppelt groß: So kommen zwei Postboten nach Friedrichswald, um die Post auszuliefern, erzählt Franz. Einer aus Niedersachsen für fast ganz Friedrichswald und ein anderer aus Nordrhein-Westfalen (NRW) allein für In der Weide und die Oberdorfstraße, in die die Weide übergeht. „Das Gleiche gilt für die Müllabfuhr. Eine kommt aus Niedersachsen, eine aus NRW“, sagt Franz.

 Genau genommen sei für die Straße In der Weide sogar gar keine Kommune zuständig, merkt Franz an. „Die Straße ist ein Privatweg.“ Derzeit werde allerdings verhandelt, dass die Stadt Rinteln die Straße übernimmt.

 Bereits seit Längerem will die Gemeinde Extertal in dem Ortsteil Rott eine Flurbereinigung vollziehen (wir berichteten). In diesem Zuge könnte auch die Landesgrenze neu gezogen und die Friedrichswälder Oberdorfstraße dem Landkreis Schaumburg und somit Rinteln zugeschrieben werden. Die Stadt Rinteln zeichnet ohnehin schon längst für die Instandhaltung der Straße verantwortlich.

 Die Grenze verläuft – von Norden aus betrachtet – unmittelbar entlang des linken Straßenrands der Oberdorfstraße und schließlich der Straße In der Weide und knickt dann wenige Meter hinter dem Haus von Thorsten Franz nach rechts ab.

 Das Verfahren für die Flurbereinigung läuft, bestätigt Hans Hoppenberg, der Bürgermeister der Gemeinde Extertal. „Wir sind da gerade mitten im Abstimmungsverfahren.“ Zu den Beteiligten zählen außer der Gemeinde Extertal die Bezirksregierung Detmold, die Stadt Rinteln und ein paar Privatleute, die über Grundstücke in dem betroffenen Gebiet verfügen. „Ziel der Flurbereinigung ist es, dass die Stadt Rinteln die Straße übernimmt“, sagt Hubertus Fricke von der Gemeinde Extertal. Dazu zähle auch das Teilstück In der Weide. „Dadurch wird Nordrhein-Westfalen etwas kleiner.“

 Und Thorsten Franz kann dann endlich eine Niedersachsenflagge hissen. Er fühle sich seit jeher schon eher nach Rinteln hingezogen als nach Bösingfeld. „Ich bin in Rinteln zur Schule gegangen, ich gehe in Rinteln einkaufen – ich habe mich schon immer Rinteln zugehörig gefühlt.“

 Eine westfälische Fahne auf Thorsten Franz’ Grundstück In der Weide markiert die Grenze zwischen Niedersachsen und NRW.

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