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Wie vom Zehnmeterturm springen

Bürgerinitiative gegen Motorradfahrer Wie vom Zehnmeterturm springen

In Uchtdorf an der Kreisstraße 77 hat gestern am Ortsausgang ein Schild gewarnt: „Vorsicht Ölspur!“ Ob das ernst gemeint war, ob es die Ölspur tatsächlich gab oder das Schild nur Motorradfahrer ausbremsen sollte, war nicht zu klären. In Taubenberg jedenfalls formiert sich Protest gegen die Biker.

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Die meisten Motorradfahrer halten sich an die Regeln.

Quelle: wm

Taubenberg. Es hätte des Schildes an diesem Tag auch nicht bedurft. Weniger als die Hälfte der Motorradfahrer, die sonst auf der K77 unterwegs sind, beobachteten an diesem Wochenende Ortsbürgermeister Bodo Budde und Friedel Garbe, Stadtbrandmeister und Sprecher der Bürgerinitiative (BI) gegen Motorradraser. Die beiden hatten sich mit weiteren BI-Mitgliedern auf dem Parkplatz am Feuerwehrgerätehaus getroffen.

Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, warum am ersten schönen Wochenende nach dem Winter in Wennenkamp praktisch „tote Hose“ herrschte, warum alle so gesittet unterwegs waren, wurde man in Kükenbruch fündig, im Bikertreff „Die Kurve“. Dort erzählten viele, sie hätten über die sozialen Medien erfahren, dass es im Taubenberg eine Protestversammlung der Anwohner gegen Motorraser und -lärm gegeben habe. Logische Überlegung vieler Biker: An diesem Wochenende besser die K77 meiden oder zumindest das Tempolimit einhalten.

Die meisten Motorradfahrer sind "etablierte Mitbürger"

Falsch lagen sie damit nicht, denn zumindest gegen Mittag schaute die Polizei vorbei. Die Beamten trafen an der Bushaltestelle vor dem Ort auf eine Gruppe Biker aus dem Bereich Minden. Alles gestandene Herren, die akzeptierten, dass eine Bushaltestelle der falsche Ort für einen Treff ist und nach einem kurzen Plausch mit der Polizei die Haltestelle räumten. Auch die Mitglieder der Bürgerinitiative kamen auf dem Parkplatz vor dem Gerätehaus in Wennenkamp mit Motorradfahrern ins Gespräch. Meinung der Biker aus dem Schaumburger Land, Hannover und Hameln: „Motorradfahren kostet Geld. Gute Maschinen sind teuer. Woraus folgert: Die meisten Motorradfahrer sind etablierte Mitbürger, die durchaus verantwortungsvoll fahren.“ Alle beklagten, dass die vielleicht 15 Prozent „Knieschleifer“ ihnen den Spaß verderben, weil wegen der Raser eine schöne Motorradstrecke nach der anderen gesperrt werde.

Fast alle zeigten Verständnis dafür, dass sich Anwohner vor allem über die Biker aufregen, die zwischen Uchtdorf und Wennenkamp auf- und abfahren und dabei die Zeit stoppen, also regelrechte Rennen veranstalten. Ein Motorradfahrer fand den passenden Vergleich für den Adrenalinkick dieser Biker: „Das ist wie ein Sprung vom Zehnmeterturm im Freibad.“ Ihr Vorschlag: „Den Parkplatz kontrollieren, wo die sich treffen“, da könne man schon die Hälfte der „schwarzen Schafe“ abfangen, die oft unzulässige Umbauten am Krad hätten.

Kontrollen sprechen sich schnell herum

Alle Motorradfahrer sprachen sich gegen eine Rüttelstrecke aus: „Das bringt nichts, zu gefährlich.“ Polizeikontrollen, räumten die Biker ein, seien wenig wirkungsvoll. Zitat: „Bevor man losfährt, checkt man die Strecke, in jeder Pause macht jeder sein Handy an und schaut in den sozialen Medien, wo Kontrollen sind. Das spricht sich ruckzuck herum.“

Ein Polizist sagte gestern: „Wenn der Gesetzgeber nichts unternimmt, wird sich nicht viel ändern lassen.“ Eine Frage, die man sich stellen müsste, sei beispielsweise, warum Maschinen mit über 100 PS für öffentliche Straßen zugelassen sind.

Mitglieder der Bürgerinitiative sehen auch die Motorradhersteller in der Haftung: Es sei nicht zu verstehen, warum man einen Schalldämpfer am Auspuff so einfach ausbauen und den Geräuschpegel sogar über einen Schalter am Lenker steuern kann, damit der Sound stimmt.

Die BI will jetzt als nächsten Schritt eine Geschwindigkeitsanzeige in Wennenkamp aufbauen, die gesponsert wird. Außerdem soll wie schon im Vorjahr ein bei einem Unfall zerstörtes Motorrad als Warnung aufgestellt werden. wm

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