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„Wir fühlen uns alleine gelassen“

Hundeangriff in Rolfshagen „Wir fühlen uns alleine gelassen“

„Alle sind in Angst und gehen dort nicht mehr Gassi“, berichtet Nicole Lüttke aufgebracht. Nach unserem Bericht über den schweren Hundeangriff auf dem Verbindungsweg zwischen Buchholz und Rolfshagen meldeten sich Lüttke und andere ebenfalls bei der Redaktion. Auch sie fühlen sich alleine gelassen mit ihren Sorgen und der Angst.

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Der Hund von Iris Kellner wurde bei einem Angriff verletzt.

Quelle: pr

ROLFSHAGEN. Konkret geht es um die drei Boxer einer Halterin aus Rolfshagen. Lüttke schildert ihre Sicht der Dinge: „Sogar mein Mann wurde schon verletzt.“ Und zwar sei ihr zwölfjähriger Sohn beim Kindergeburtstag mit Freunden und dem Familienhund – einem Tibet-Terrier – unterwegs gewesen. „Mein Sohn hatte den Hund an der Leine, die Boxer kamen mit der Halterin – aber ohne Leine – aus dem Wald gelaufen.“ Ohne zu zögern hätten die drei Boxer den kleinen Hund attackiert. „Gott sei Dank hat mein Sohn die Leine losgelassen“, sagt Lüttke. Sonst wäre es vielleicht noch schlimmer gekommen.

Haben die Boxer normales Rudelverhalten gezeigt?

Weinend sei ihr Sohn nach Hause gekommen. „Holli stirbt, Holli stirbt“, habe er gerufen. Ihr Mann – ein Polizist – habe sich sofort auf den Weg gemacht. „Er hat einen Boxer weggerissen. Selbst als er ihn hochgehoben hat, war unser Hund noch in seiner Schnauze.“ Ihr Mann habe sich dabei eine oberflächliche Fleischwunde zugezogen. „Zum Glück hat sich der Hund nicht in der Hand verbissen“, so Lüttke.

Doch trotz mehrmaligen Telefonats mit einem Tierarzt des Veterinäramts habe der nur entgegnet, ihr Mann solle froh sein, nicht schwerer verletzt worden zu sein. Zudem sei nicht mehr festzustellen, welcher der Boxer gebissen habe.

„Die Hunde hätten normales Rudelverhalten gezeigt“, berichtet Lüttke von der Reaktion des Tierarztes. Er habe aber auch bestätigt, dass die Halterin nicht geeignet sei, drei Boxer zu halten. „Er könne auch nicht drei Boxer halten, hat er gesagt“, so Lüttke. Ihr Mann sei eine Woche arbeitsunfähig gewesen, die Strafanzeige habe mit der Auflage geendet, die Halterin müsse 100 Euro an einen Tierschutzverein zahlen. Ihr Terrier habe dreimal beim Tierarzt behandelt werden müssen, die Rechnung habe die Halterin der Boxer bezahlt. „Wir fühlen uns alleine gelassen. Ich finde es traurig, dass die Behörden nichts machen.“

Besitzerin sei das Problem

Auch die Rolfshägerin Iris Kellner berichtet von blutigen Erfahrungen mit den Hunden. Am Pfingstsonntag sei ihr Mann mit angeleintem Hund am Grundstück der Halterin vorbeigegangen. „Die drei Boxer kamen unangeleint aus der Garage gestürmt und haben sich auf unseren Hund gestürzt.“ Ein Anwohner habe schließlich eingegriffen und die Hunde herausgerissen. „Aber da war unser Yorkie ziemlich doll zugerichtet.“ Drei Tage lang sei er in der Tierklinik in Porta behandelt worden. „Einen Zentimeter weiter links oder rechts, dann hätten sie die Gedärme oder die Lunge erwischt“, so Kellner.

Die Polizei sei nicht zuständig gewesen, da kein Mensch verletzt worden sei. Daher habe sie sich ans Veterinäramt gewandt. „Das klang zuerst auch alles vielversprechend“, so Kellner. Auch andere betroffene Familien hätten ihren Fall schriftlich dem Amt geschildert. „Aber die haben den Hund als nicht gefährlich eingestuft“, so Kellner. „Die Hunde seien nicht bissig oder aggressiv, das Problem sei die Besitzerin.“ Daher habe man sich ans Ordnungsamt gewandt. Dort habe man aber nur erfahren, dass dem Amt die Hände gebunden seien.

Entscheidung nach Aktenlage

Im Ordnungsamt wurde wegen des laufenden Verfahrens keine Stellungnahme zu dem Fall abgegeben. Am Telefon möchte die Hundehalterin zu den Vorwürfen ebenfalls keinen Kommentar abgeben. Sie sei allerdings verwundert, dass bei all den Vorwürfen das Veterinäramt nie vor Ort gewesen sei, und sich die Hunde angesehen habe. Dann wären die Vorwürfe auch entkräftet worden, sagt die Halterin.

Veterinäramtsleiter Dr. Wilhelm Brase bestätigt, dass sich in diesem Fall tatsächlich kein Tierarzt die Hunde vor Ort angesehen habe. „Es wurde nach Aktenlage entschieden“, so Brase. Das sei zwar rechtlich zulässig, „ist aber nicht optimal gelaufen“, so Brase. In den meisten Fällen sehe sich ein Mitarbeiter den Hund persönlich an. Daher seien im Veterinäramt nun die Abläufe optimiert worden, „damit das künftig transparenter abläuft“. jak

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