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Wo ist noch Platz für Windräder?

Diskussion um erneuerbare Energien Wo ist noch Platz für Windräder?

Windenergieanlagen werden seit der Atomkatastrophe von Fukushima von einer großen Mehrheit der Bürger begrüßt – aber nicht vor der eigenen Haustür.

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Todenmann. Die derzeitigen und künftig noch verschärften Abstandsregelungen zu Wohnbebauung und geschützten Tierarten sowie Flugbedürfnisse der Bundeswehr lassen im Landkreis Schaumburg kaum noch Platz für neue Anlagen. Scheitert die von der großen Politik verkündete Energiewende vor Ort, sind die Klimaschutzziele nicht mehr erreichbar?

 Der Verein „Arbeitskreis BürgerEnergieWende Schaumburg“ hatte jetzt zu einem öffentlichen Arbeitssitzung ins Hotel „Altes Zollhaus“ eingeladen. 20 Teilnehmer, überwiegend Mitglieder, hörten einen Vortrag von Landschaftsarchitekt Georg Seibert (Büro von Luckwald, Hameln) zu dem Dilemma um Klimaschutzziele und Fehlen geeigneter Windradstandorte. Der stellvertretende Arbeitskreis-Vorsitzende Burghard Massante leitete die zweistündige Sitzung.

 Seibert sprach sich für Vorranggebiete für Windenergie aus, damit die Kommunen die Entwicklung steuern können, der Landkreis wolle dies mit Ausweisungen im Regionalen Raumordnungsprogramm bisher nicht tun. Diese Gebiete dürften aber nicht dort liegen, wo niemand mangels Ertrag ein Windrad bauen würde oder es andere Ausschlusskriterien gibt: „Verhinderungsplanung ist verboten. Also nicht Standorte im Bermuda-Dreieck von militärischer Nutzung, zu geringem Abstand zu Wohnbebauung und Artenschutzansprüchen verschwinden lassen.“ Da das Land Niedersachsen erwäge, von 600 auf mindestens 1000 Meter Abstand zu Brutstätten seltener Vögel zu gehen und in Schaumburg die Heeresfliegerwaffenschule weite Gebiete als Flugzonen beanspruche, bleibe nicht viel. Schutzbedürftige Vogelarten wie der Rote Milan sowie jetzt in Rinteln der Seeadler kommen als Hindernisse noch hinzu.

 Das Land Niedersachsen erwarte vom Landkreis Schaumburg aber mehr Einsatz für die gesetzlich privilegierten Anlagen. Seibert: „Wir haben derzeit 47 Anlagen mit 36,4 Kilowattstunden Leistung und 270 Hektar Vorranggebiete. Erwartet werden aber 695,87 Hektar, etwa acht Prozent der potenziell für Windenergienutzung geeigneten Fläche. Bisher haben wir also nur 39 Prozent davon erreicht.“ Das Land habe bei der potenziellen Fläche aber nicht die drei Ausschlusskriterien berücksichtigt. Die Vorgabe sei also wenig wert, es handele sich ohnehin nur um Empfehlungen. Bei Einzelanträgen von Investoren würden außerdem geringere Abstandsregeln gelten. Auswüchse wie in Coppenbrügge (wir berichteten) drohten, wenn man keine Vorranggebiete ausweise.

 Als Ausweg zu mehr Windrädern sahen Seibert und Massante am Ende nur eines: Die bisher als geeignet angesehenen Flächen so dehnen und quetschen, dass gerade noch genug Platz für genehmigungsfähige Anlagen bleibt, bevor der Gesetzgeber die Regeln weiter verschärft. „Einfach die Abstandskreise und Wohnbebauung und Vogelbrutplätzen nicht so eng sehen“, meinte Massante.

 Das empörte Zuhörer Eckhard Marx aus Rinteln: „In einem so dicht besiedelten Landkreis wie Schaumburg gibt es eben kaum Platz für Windräder.“ Das klang wie ein „Basta“. Und Massante konnte den Kritiker kaum besänftigen.

 Nick Büscher vom Naturschutzbund Rinteln warnte auch gleich vor zu viel Optimismus: „Der Landkreis hat doch bei der Teillöschung des Landschaftsschutzgebietes ,Ellerburg‘ westlich von Rinteln an der Landesgrenze vor dem Verwaltungsgericht Hannover eine Niederlage einstecken müssen.“ Eine andere, vom Rintelner Rat geforderte Teillöschung am Rand von Goldbeck, lehnte der Kreistag später gleich ab. Die Entwicklung in Rinteln hatte Seibert zuvor süffisant so kommentiert: „Rinteln hat bisher kein Vorranggebiet ausgewiesen und lebt komfortabel mit den Ausschlusskriterien für Windenergie, anders als Coppenbrügge.“ dil

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