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Wolf bereitet Sorgen

Schafzucht am Taubenberg Wolf bereitet Sorgen

Christoph Höller klingt besorgt. Und er hat allen Grund dazu, skeptisch zu sein. Höller ist Schafzüchter und -hirte, direkt an der Grenze zum Lipperland. Vor wenigen Tagen hat ein Wolf bei Barntrup zwei Ziegen gerissen. Hat sich die Schafszucht am Taubenberg damit bald erledigt?

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Christoph Höller fürchtet durch den Wolf um die Zukunft seiner Schafhaltung.

Quelle: tol

Friedrichswald. „Die Schafshaltung wird zunehmend unattraktiver, vor allem auf den Kleinflächen am Waldrand, die noch für die Schafe übrig bleiben“, so Höller. Die Weiden, die er von seinen Rauhwolligen Pommerschen Landschafen – so nennt sich seine Schafsrasse – abgrasen lässt, befinden sich allesamt am dünn besiedelten Taubenberg. Einen Waldrand, aus dem sich der Wolf unbemerkt anschleichen könnte, gibt es dadurch eigentlich immer. Ob sich ein Wolf von einem kleinen, im Wald gelegenen Dorf wie Friedrichswald abschrecken lasse, daran hat Höller so seine Zweifel.

Schutz erfordert Zeit und Geld

Dass der Wolf jetzt auch in der unmittelbaren Region aufgetaucht ist, davon ist Höller nicht überrascht: „Dass das kommen würde, war klar. Und dass ich davon nicht begeistert bin, das ist auch klar.“ Der Wolf sei zwar ein „nettes Tier“, räumt der Schafshalter ein. Aber der Räuber sieht in den Tieren von Höller nun mal zuallererst potenzielle Beutetiere. Und die Schafe vor dem Wolf zu schützen, das erfordert Zeit und Geld. „Die Kosten und der Aufwand stehen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zum Nutzen.“ Der Schafhirte müsse deutlich mehr Präsenz zeigen, und die Zäune müssten entsprechend aufgerüstet und sicher gemacht werden. Nur dann habe der Schafshalter nämlich Anspruch auf eine Entschädigung für Schafe, die von einem Wolf gerissen werden.

Auf der Internetseite des Niedersächsischen Umweltministeriums heißt es dazu: „Das Land gewährt Billigkeitsleistungen nach §53LHO (Niedersächsische Landeshaushaltsordnung; Anm. d. Red.) als freiwillige Zahlungen zum anteiligen Ausgleich der durch den Wolf verursachten wirtschaftlichen Belastungen.“ Ein Rechtsanspruch darauf besteht allerdings nicht.

Düstere Aussichten für die Halter von Nutztieren. Noch hat Höller nicht die Absicht, die Schafshaltung aufzugeben. „Es ist ja noch nichts passiert“, sagt er. „Aber ich weiß von Kollegen in der Umgebung, die langsam die Lust verlieren.“ Und aus den Regionen, in denen der Wolf bereits heimisch ist, wisse er von dortigen Züchtern, dass „Kleinbestände entweder aufgegeben oder aufgestallt werden“.

Keine guten Entwicklungen

Und was wäre die Konsequenz, wenn die Schafhalter am Ende wirklich hinschmissen? „Dann würden die landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr auf natürlichem Wege durch die Schafe abgeweidet werden, sondern von Maschinen“, sagt Höller. „Wir würden immer weniger friedlich grasende Schafe mit quirligen, niedlichen Lämmern zu sehen bekommen.“ Stattdessen würden die Schafe „aufgestallt“, also in geschlossenen Ställen untergebracht statt in der Natur. „Und das Aufstallen hat zur Folge, dass entweder jeden Tag Frischfutter gemäht und herangeschafft werden muss, oder man verfüttert das konservierte Heu oder Silage. Alles keine guten Entwicklungen“, findet Höller.

Zumal ihm ausgerechnet aus dem Lipperland derzeit ein Angebot für eine weitere, ebenfalls abgelegene Fläche zum Abweiden vorliege. Durch die Präsenz des Wolfes verliere diese Offerte nun an Attraktivität. „Es ist eine schwierige Entscheidung.“ pk

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