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Würde gern mal mit US-Präsident Obama tauschen

Steinbergen / Heiner Bartling Würde gern mal mit US-Präsident Obama tauschen

Nein, Ortsbürgermeister und niedersächsischer Landtagsabgeordneter Heiner Bartling (66) hielt keine parteipolitischen Reden, als er am Sonntag zu Gast war in der „Erzähl-Bar“ im Gemeindehaus der St.-Agnes-Kirche, sondern er ließ sich in lockerem Plauderton auf allerlei interessante Fragen nach seiner Lebensgeschichte ein, die ihm Jugenddiakon Joachim Büge als Talkmeister auf oft lustige Weise stellte, während die Gäste sich ihre Cocktails schmecken ließen.

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Ein Leben als Politiker und Steinberger: Heiner Bartling (rechts) mit Talkmaster Joachim Büge.

Quelle: cok

Von Cornelia Kurth

Steinbergen. Als waschechter Steinberger war Bartling – auch nachdem ihn seine SPD-Karriere bis hin zum Amt des niedersächsischen Innenministers geführt hatte – seinem Heimatort Steinbergen treu geblieben. Dort ist er nun schon seit 26 Jahren als Ortsbürgermeister tätig.

 Seine Eltern besaßen hier bis in die 1960er Jahre hinein eine Landwirtschaft. Er kann sich noch erinnern, wie damals nach dem Krieg die britischen Streitkräfte im Prinzenhof eine Küche aufgebaut hatten, von der köstliche Essendüfte aufstiegen. Auf die Frage, ob er jemals eine Hippie-Flower-Power-Phase hatte, lachte er nur: Wie hätte davon etwas ins kleine Dorf gelangen sollen?

 Auch die Studentenbewegung ließ ihn relativ unberührt, auch als er später in Braunschweig und Hildesheim studierte. Er hat sich freiwillig zur Bundeswehr gemeldet – hauptsächlich, um mit dem zusätzlichen Geld, das man dann verdiente, erwachsen unabhängiger zu werden. Besonders beeindruckte ihn dort, so sagt er, was auch dazu beigetragen habe, dass er dann die SPD wählte, der sogenannte „Haarerlass“. Mit diesem ermöglichte Helmut Schmidt, dass junge Soldaten ihre lange Haarpracht nicht mehr abzuschneiden, sondern nur noch unter einem Netz zu tragen hätten.

 Acht Jahre lang unterrichtete Bartling an der Kreishandelslehranstalt in Rinteln, bevor er sich entschloss, den Lehrerberuf zugunsten der Politik aufzugeben. Als niedersächsischer Innenminister in den Jahren 1998 bis 2003 war der Terroranschlag auf das World Trade Center ein herausragendes Ereignis. Der hessische Innenminister fragte ihn damals, ob man auch in Niedersachsen erwäge, alle Hochhäuser räumen zu lassen. Und die Befürchtung, dass sich durch die deutsche Solidarität mit George Bushs „Kampf gegen das Böse“ und Amerikas Krieg in Afghanistan die Sicherheitslage in Deutschland entschieden gefährdet sein könnte, bestimmte lange die Themen der Innenministerkonferenzen.

 Als Innenminister sei er ständig von Personenschützern umgeben gewesen, was ihm als Mann ohne eigene Familie aber nichts ausgemacht habe, im Gegenteil: Als die Beamten ihm, dem passionierten Sportler, vorschlugen, nicht nur langweilige Langläufe zu machen (sie mussten ihm ja überall hin folgen), sondern mal eine richtig große Radtour durch Frankreich zu unternehmen, entstanden echte Freundschaften in einer Radfahrergruppe, die sich heute noch für Touren trifft.

 Gab es auch Phasen, wo er am liebsten alles hingeschmissen hätte, so eine der Fragen von Joachim Büge. „Nein“, war die Antwort. Er habe ausgezeichnete, vertrauenswürdige Mitarbeiter gehabt, die ihn manchmal auch vor echten Schwierigkeiten bewahrt hätten, zum Beispiel, als er unbedacht zustimmte, dass ihn ein eigenes Auto nach Litauen begleiten sollte, welches nun auf kostspielige Weise – ein gepanzerter Wagen – per Fähre transportiert wurde. „Sie rieten mir, ganz schnell die Hälfte der Kosten zu übernehmen, damit der Fall nicht in die Öffentlichkeit käme.“

 Auch die Gäste der „Erzähl-Bar“ stellten Fragen an den Ortsbürgermeister, unter anderem, ob er glaube, das Barack Obama die Präsidentschaftswahlen erneut gewinne. Er wünsche es, sagte Bartling, und durch den Einsatz während des Hurrikans seien dessen Chancen wohl gestiegen.

 Dass er auf Obamas Seite stehen würde, war sowieso klar, hatte er doch bereits zuvor auf die Fragebogen-Frage, mit welcher Persönlichkeit er gern mal einen Tag tauschen würde, ohne nachdenken zu müssen, sofort den demokratischen US-Präsidenten genannt.

 Die „Erzähl-Bar“ im Gemeindehaus öffnet in unregelmäßigen Abständen ihre Türen, um mal prominentere, mal einfach nur recht bekannte Menschen aus dem Kirchspiel Steinbergen rund um Werdegang, Beruf oder besondere Erinnerungen auszufragen.

 Dabei wechseln sich Pastor Stephan Strottmann, Pastor Reinhard Koller und der Jugenddiakon als Moderatoren ab, während in den Gesprächspausen am Klavier Musik gemacht wird, diesmal von dem jungen Pianisten Maximilian Winkler aus Kathrinhagen, der sehr souverän unter anderem Stücke von Van Morrison und „Santana“ intonierte.

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