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AWS rechnet mit Rückwärtsfahrverbot

Müllabfuhr AWS rechnet mit Rückwärtsfahrverbot

Anwohner von Sackgassen sollten damit rechnen, ihren Müll in Zukunft bis zur nächsten Durchfahrtsstraße transportieren zu müssen. Grund ist ein geplantes Rückwärtsfahrverbot für Müllfahrzeuge, das zurzeit auf Bundesebene diskutiert wird.

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Fünf Anlieger des Thingplatzweges in Krankenhagen müssen ihre Tonnen bereits jetzt schon zur Straße bringen, sie wohnen in einer Privatstraße.

Quelle: tol

Rinteln. Von Annina Häfemeier

Zwar sei noch kein endgültiger Beschluss gefasst, man rechne aber mit dem Verbot, erklärt Susanne Rintelen, Sprecherin der Abfallwirtschaftsbetriebe Schaumburg (AWS). „Wir kommunizieren bereits mit den Kommunen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.“

Sollte es tatsächlich zu einem Rückwärtsfahrverbot kommen, könnten Sackgassen ohne Wendehammer in Schaumburg künftig nicht mehr angefahren werden. Wie viele Straßen in Rinteln genau betroffen wären, konnte Rintelen nicht sagen. Anwohner müssten ihren Müll dann zu zentralen Sammelplätzen bringen, die mit Müllfahrzeugen leichter zu erreichen sind.

Dies sei ärgerlich für die Anwohner, meint Rintelns Bürgermeister Thomas Priemer. „Die Stadt ist hierfür aber nicht zuständig.“ Er selbst muss seinen Müll schon jetzt zur nächsten Kreuzung bringen. Letztlich sei es eine Frage der Gewohnheit.

Caroline Huck wohnt am Ende der Sackgasse Zum Waldwinkel in Todenmann. Ein Rückwärtsfahrverbot würde für sie bedeuten, ihren Müll bei jedem Wetter gut 200 Meter einen Hang hinunter bis zur nächsten Durchfahrtsstraße bringen zu müssen. Verständnis hat sie dafür nicht. Andere Fahrzeuge hätten schließlich das gleiche Problem. „Heizölwagen und Baufahrzeuge müssen auch rückwärts fahren, wenn sie zu uns kommen.“ Außerdem geht sie davon aus, dass die Fahrer dafür entsprechend ausgebildet sind.

Um den Bürgern die Möglichkeit zur Entlastung zu geben, ist laut Rintelen an einen öffentlichen Abholservice gedacht. Diesen könnten die Anwohner freiwillig gegen eine zusätzliche Gebühr in Anspruch nehmen. Eine Bewohnerin des Rehwinkels in Steinbergen lehnt diesen Vorschlag ab. „Wir zahlen bereits jetzt eine hohe Gebühr. Da kann ich wohl erwarten, dass der Müll vor unserer Haustür abgeholt wird.“ Bislang muss das Müllfahrzeug den Rehwinkel rückwärts wieder verlassen.

Der Anstoß für das Verbot kam von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Als Grund nennt sie schwerwiegende Unfälle mit Müllfahrzeugen, die es in der Vergangenheit häufiger gegeben habe. Auch im Landkreis Schaumburg seien solche Fälle vorgekommen, bestätigt Rintelen. Sogar einen Todesfall habe es bei einem Unfall beim Rückwärtsfahren eines Müllfahrzeugs schon gegeben.

Wie so etwas passieren kann, ist Doris Kluck unverständlich. Sie wohnt im Möllenbecker Weg in der Nähe des Rintelner Hallenbades – eine Sackgasse, in der das Müllfahrzeug bis jetzt rückwärts fahren muss. „Passanten werden von einem piependen Geräusch gewarnt und können reagieren“, so Kluck. Von der Idee, den Müll zu Sammelstellen zu transportieren, hält sie nicht viel. „Wenn ich arbeiten muss, bringen meine Eltern den Müll an die Straße. Die sind beide über 60. Wenn die Biotonne richtig voll ist, kann es heute schon ein Akt sein, sie bis an die Straße zu bringen.“

Helmut Weber aus dem Wasserweg in Krankenhagen sieht es ähnlich. „Gerade für ältere Menschen wird es schwierig werden. Mein Vater ist 84 Jahre alt. Wenn er die schweren Mülltonnen im Winter bis zur nächsten Straße bringen soll, ist das ein zusätzliches Unfallrisiko für ihn.“

Auch auf Bundesebene gab es Kritik an dem Vorschlag der DGUV. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) forderte „praxistaugliche Regelungen“ und kritisierte die zusätzliche Belastung der Bürger. „Eine bürgerfreundliche und haushaltsnahe Abfallsammlung sieht anders aus“, sagte BDE-Präsident Peter Kurth.

Doch bereits jetzt, so Rintelen, werden nicht alle Straßen im Landkreis von der Müllabfuhr bedient. Dies gelte für Straßen, die nach 1979 gebaut wurden und weder ausreichend breit sind noch über einen Wendehammer verfügen. Im Landkreis Hameln-Pyrmont ist das Rückwärtsfahren in solchen Fällen bis jetzt noch erlaubt, sofern eine geeignete Person den Fahrer anweist oder eine Rückfahrkamera genutzt wird. Solche grundsätzlichen Ausnahmeregelungen gibt es in Schaumburg nach Angaben der AWS-Sprecherin aber nicht.

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