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Ab in die Fünfziger

Rintelnerin mit ungewöhnlichem Hobby Ab in die Fünfziger

Man muss schon genau hinsehen, um das kleine, aber ausgefeilte Schild an der Außenwand der Halle überhaupt zu bemerken. „Claudias Garage“ ist darauf zu lesen. Und es ist allein dieses aufwendig gestaltete Schild, das die Neugier des Betrachters weckt und die Frage aufwirft: Was befindet sich wohl in Claudias Garage?

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Claudia von Ditfurth-Siefken in ihrem Element: in "Claudias Garage".

Quelle: Stephan Lindloff

Möllenbeck. Also erst mal googeln. Volltreffer gleich an erster Stelle. Es gibt auch eine Internetseite gleichen Namens. Anklicken. Dann wird es pink. Das ist nämlich die Lieblingsfarbe von Claudia von Ditfurth-Siefken aus Rinteln. Ihr gehören Internetseite und Garage. Die Garage ist voller alter Autos, Sammlerstücke von Opel bis Plymouth. Die Internetseite handelt von Claudias Garage – und was Claudia sonst noch so macht. Und das ist ganz schön viel.

 „Claudia macht Radio“, und zwar bei Radio Westfalica mit einer eigenen Sendung, „Claudias Musikgarage“, immer sonntags von 16 bis 17 Uhr. Gespielt wird, na klar, Musik aus den fünfziger Jahren, Ditfurth-Siefkens Lieblingszeit. „Ich liebe die Fünfziger“, sagt sie im Gespräch dieser Zeitung. „Die Mode war so schön weiblich, mit den Petticoats, dann die Tollen…“, schwärmt sie. „Und die Musik geht sofort in die Beine.“ Natürlich ist Claudia im Rock-’n‘-Roll-Club in Stadthagen. Da tanzt sie, auf Stadtfesten auch schon mal öffentlich.

 Außerdem reist Claudia gerne in die USA. Davon zeugen auf der Internetseite zahlreiche Videos, die sie dort drehte: von Autorennen, von Straßenmusikern, von Auktionen oder von Fahrten auf der legendären Route 66.

 Und selbstverständlich sammelt Claudia gerne Autos, genauer: Oldtimer. Auf ihrer Internetseite wird jedes Einzelne vorgestellt, vom American Bantam 1938 über den Buick Special 1957 bis zum Opel Rekord 1960.

 Auch gibt Claudia gerne Interviews. So gaben sich etwa schon Radio Lippe und Radio Westfalica in „Claudias Garage“ die Klinke in die Hand. Auch der Fernsehsender SWR stattete ihr bereits einen von „Steffis Hausbesuchen“ ab. Und das Fachmagazin „Oldtimer Markt“ war ebenfalls schon dort.

 Die Frage, die ihr von allen Journalisten immer wieder gestellt worden sei: „Wie kommt eine Frau zu so einem Hobby?“ Eine Frage, auf die Ditfurth-Siefken nur eine Antwort hat: „Warum nicht?“

 An diesem Tag ist die heimische Presse zu Gast und verkneift sich diese Frage. Geladen hat Ditfurth-Siefken aber nicht wie sonst in „Claudias Garage“ („Da ist es zurzeit zu kalt“), sondern zu sich nach Hause in Rinteln. Auch dort sind die meisten Dinge wie auf ihrer Website in Pink gehalten. Tapeten, Accessoires. Am Küchentisch erzählt sie, wie ihre Leidenschaft für Autos geweckt wurde. Schuld war ihr älterer Bruder, ein Kfz-Mechaniker, „der zu Hause immer geschraubt und mich überall mit hingeschleppt hat“. Das färbte ab.

 „Ich komme aus einer Opel-Familie“, sagt Ditfurth-Siefken. Folglich war ihr erstes Auto ein Opel: ein Opel Kadett C-City, Baujahr 73, um genau zu sein. Im selben Jahr kam Ditfurth-Siefken in Bad Pyrmont zur Welt.

 Ihre Sammelleidenschaft wurde durch ihren ersten Mann geweckt. Der wollte ihr bei ihrer ersten Begegnung ihren Opel Kadett A abkaufen. Den Gefallen tat sie ihm zwar nicht, aber es dauerte nicht mehr lange, und sie fuhren mit dem Opel Kadett A gemeinsam auf Opel- und andere Auto-Treffen. So kamen weitere Modelle hinzu. Und als sie 2001 heimlich in Florida heirateten, verzichteten sie auf eine große Feier und kauften stattdessen lieber ein amerikanisches Auto: den Plymouth Savoy 1956. Es folgten weitere USA-Reisen – und mit ihnen weitere Autos. Klar, dass irgendwann der Platz knapp wurde.

 2007 ersteigerte Ditfurth-Siefken die Halle in Möllenbeck, parkte darin ihre Autos und installierte zwei Zapfsäulen. „Claudias Garage“ war geboren. Das Logo entwarf sie selbst, ließ es sich sogar patentieren. Und als Geburtsgeschenk von einem Freund gab es für sie eine Website, aus der später „Claudias Garage“ wurde. Über ihre Internetseite tauscht sie sich mit anderen Autoliebhabern aus.

 Sie selbst ist zwar keine Schrauberin. Die Mutter von zwei Kindern arbeitet als Gerichtsvollzieherin am Amtsgericht Rinteln. Aber wenn mal der Vergaser klemmt, weiß sie sich schon selbst zu helfen. Außerdem ist ihr neuer Lebenspartner Kfz-Mechaniker, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

 Regelmäßig nimmt Ditfurth-Siefken an Rallyes, also Geschicklichkeitsfahrten, Messen, Festivals und Oldtimer-Ausfahrten teil. Davon zeugen zahlreiche Pokale in ihrem Arbeitszimmer. Und es werden sicher noch einige hinzukommen. pk

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