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Abschied für Mann der ersten Stunde

Nicola Vocino Abschied für Mann der ersten Stunde

Es ist ein kleines Fest für Nicola Vocino, ein Abschiedsfest nach 44 Jahren, und von daher auch ein bisschen traurig. „Ich fahre trotzdem weiter den weißen Suzuki mit der Firmenaufschrift“, sagt er.

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Ursula Jakobshöfer (mit Blumen) und ihr Mann Helmut verabschieden den „Mann für einfach alles“, Nicola Vocino (Mitte).

Quelle: tol

Von Cornelia Kurth

Rinteln. „Werbung machen für den Chef.“ Der Chef, der „Alte“, das ist Helmut Jakobshöfer, Gründer der bekannten Gebäudereinigungsfirma in Krankenhagen, deren allererster Angestellter Vocino war, damals ein junger Gastarbeiter aus Italien, aus Apulien, der eigentlich nur zu Besuch in Deutschland war und dann für immer blieb.

 Dass er einmal Mann der ersten Stunde in einem richtig großen Unternehmen sein würde, konnte Vocino nicht ahnen, als er Jakobshöfer spontan um eine Arbeit bat, während dieser gerade auf seiner Leiter stand und die Fenster der „Neuen Apotheke“ putzte. Jakobshöfer, gelernter Elektriker, hatte sich kurz zuvor in der Fensterputzer-Branche selbstständig gemacht, mit sicherem Blick für eine Marktlücke: 1969 war er der Einzige, der im Landkreis professionelle Glasreinigungsarbeiten übernahm. „Anfangs war es mir noch peinlich, mit Eimer und Leiter rumzuziehen“, sagt er. Inzwischen scherzen seine Mitarbeiter mit Sprüchen wie „Vom Fensterputzer zum Millionär“.

 Vocino hatte, er war da 16 Jahre alt, seinen großen Bruder in Rolfshagen besucht und war so angetan von Deutschland und von all den in Obernkirchen und dem Auetal lebenden Italienern, dass er, zum Kummer seiner Eltern, hier sein Glück suchen wollte. Zuerst arbeitete er in der Firma Stüken, bevor er 1970 spontan beschloss, den Fensterputzer anzusprechen. „Ich hatte wirklich Glück mit ihm“, meint Helmut Jakobshöfer. „Nach und nach, als wir immer mehr Aufträge bekamen, wurde er unser Mann für einfach alles.“

 Jakobshöfers junges Unternehmen blieb nicht lange auf die Glasreinigung spezialisiert. Als die Rintelner Kreissporthalle gebaut war, erhielt er den Zuschlag für die gesamte Gebäudebetreuung, dazu dann auch für sämtliche neuen Schulzentren des Landkreises. Inzwischen hatte er seinen Meister zum „Unterhaltsreiniger“ gemacht, gehörte der Landes- und Bundesinnung an, führte bis zu 300 Mitarbeiter, die neben der Fenster- und Gebäudereinigung auch alle anderen Hausmeisterdienste übernahmen, Winterdienst, Haustechnikbetreuung, ja sogar die Sanierung der Fassade vom alten Rathaus am Marktplatz fand unter Jakobshöfer-Regie statt.

 Für Vocino gab es fortan zwei Familien: seine eigene samt dem großen Freundeskreis der überwiegend in der Glasfabrik Heye arbeitenden Italiener. „Ich glaube, ich kenne fast alle Italiener von hier“, sagt er. Und eben die Jakobshöfer-Familie. Dazu gehören neben dem „Alten“ auch dessen Frau Ursula Jakobshöfer, der Sohn und Büroleiter Carsten, Schwiegersohn und Objektleiter Christian Felske, die Tochter Nadine Felske und andere langjährige Angestellte, die sich jetzt zum Abschiedsfest im Gartenhaus zusammengefunden hatten.

 Man spürt, dass sie alle gar nicht so richtig fassen können, wie die Zeit vergangen ist. Vielleicht hat Vocino auch deshalb eine wertvolle Uhr geschenkt bekommen. „Er will ja gar nicht aufhören“, behauptet Helmut Jakobshöfer.

 Vocino lächelt dazu und sagt: „Es war eine gute Arbeit, eine sehr gute Arbeit. Aber jetzt habe ich endlich mal richtig Zeit.“ Zum Beispiel dafür, seine alte Mutter ausgiebig zu besuchen. Wenn er demnächst nach Apulien fährt, dann tut er das im weißen Suzuki mit dem Firmenlogo, denn: „Den gebe ich nicht her.“

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