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Ärgerliche Wartezeiten

Bahnschranke Ärgerliche Wartezeiten

Zwei Minuten und mehr kann es dauern, von dem Zeitpunkt, an dem sich die Schranken am Bahnübergang an der Mindener Straße schließen, bis dann tatsächlich der Zug kommt. Das hat Ratsherr Ralf Kirstan (FDP) gemessen. Dass das Thema Tag für Tag viele Rintelner berührt, zeigten die Stimmen in der Einwohnerfragestunde.

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Die Schranke ist unten, der Zug kommt – dass man aber auch danach noch einige Minuten warten muss, bis die Schranken sich öffnen, hat verschiedene Gründe. Verwaltung und Bahn sagen, dass man dagegen nichts unternehmen kann.

Quelle: mld

Rinteln. Und einen Fragenkatalog an die Verwaltung geschickt, auf dass das Thema in der kommenden Ratssitzung behandelt werden möge: Was hat die Stadt Rinteln bislang unternommen, um die Verkehrssituation am Bahnübergang zu verbessern? Ist es gesetzlich geregelt, wie lang Schranken an einem Bahnübergang geschlossen sein müssen, oder liegt das im alleinigen Ermessen der Deutschen Bahn? Die etwas hilflose Antwort des Bürgermeisters: „Unser Einfluss in dieser Sache war bislang begrenzt.“

Dass das Thema Tag für Tag viele Rintelner berührt, zeigten die Stimmen in der Einwohnerfragestunde: „Ich erlebe das Dilemma täglich“, klagte ein Anwohner bei der jüngsten Ratssitzung. An den Bahnübergängen Galgenfeld und Stoevesandtstraße würden sich die Schranken schon wenige Sekunden nach der Zugdurchfahrt wieder öffnen, doch die Situation an der Mindener Straße sei wegen der langen Wartezeit einfach „schlimm“.

Zu den Problemen hat die Deutsche Bahn (DB) Stellung genommen – und in diesen Stellungnahmen zeigt sich, dass die Schließzeiten aus mehreren Gründen lang sind.

Grund 1: Die mechanische Anlage wird noch manuell bedient. Das bedeutet: Um Schranken zu öffnen oder zu schließen oder Weichen zu stellen, muss der Fahrdienstleiter kurbeln beziehungsweise einen großen Hebel umlegen. Und das zehnmal am Tag für einen Zug aus Richtung Hessisch Oldendorf, zwanzigmal für einen Zug aus Richtung Veltheim. Das dauert.

Vorsignal rund 1400 Meter vor dem Bahnübergang

Grund 2: Der Bahnübergang liegt im Bahnhof Rinteln. Das bedeutet längere Schließzeiten als bei Bahnübergängen auf freier Strecke, wie beispielsweise am Galgenfeld. Damit der Zugführer das Signal „grün“ bekommt für die Fahrt über den Bahnübergang, müssen die Schranken geschlossen sein. Doch: Das Signal muss schon auf „grün“ stehen, bevor der Zug das sogenannte Vorsignal erreicht. Aus Richtung Veltheim steht dieses Vorsignal rund 1400 Meter vor dem Bahnübergang, aus Richtung Hessisch Oldendorf sind es rund 1700 Meter. Daher müssen die Schranken schon lange bevor der Zug im Bahnhof einfährt geschlossen sein. Für Züge aus Richtung Veltheim kommt zu dieser Schließzeit noch der Halt im Bahnhof selber.

Grund 3: Im Jahr 2014 wurde das Rintelner Stellwerk mit einem sogenannten „Schrankenwindenverschluss“ nachgerüstet, der verhindern soll, dass das Signal auf „grün“ geht, obwohl die Schranken geöffnet sind. Der Fahrdienstleiter kann die Schranken dadurch nicht mehr jederzeit öffnen. Damit sei eine Vorgabe des Eisenbahnbundesamtes umgesetzt worden, heißt es in der Stellungnahme der DB. Dies erhöhe die Sicherheit – und führt gleichzeitig zur noch längeren Schließzeit bei Zügen aus Richtung Veltheim. Denn die Schranken können erst geöffnet werden, wenn die letzte Weiche im Bahnhof frei ist.

Wegen des Kreisels gibt es Rückstau

Grund 4: Die ausgebaute Infrastruktur an der Großen Tonkuhle ist nicht schnell zu erreichen. Viele wollen in den dortigen Geschäften einkaufen. Wegen des Kreisels gibt es Rückstau, der sich verstärkt, wenn für mehrere Minuten die Schranken geschlossen sind. „Das macht keinen Spaß mehr“, sagte Bürgermeister Thomas Priemer. Da wolle man kurz zum Einkaufen fahren und müsse mehrere Minuten warten. Und das, nachdem die Stadt viel Geld in die Infrastruktur gesteckt habe.

Doch die Verwaltung sieht keinen Weg, etwas an dieser Situation zu ändern: „Wir kommen an den Vorschriften der Bahn nicht vorbei“, so Priemer in der Ratssitzung. Und ein externer Sachverständiger, der diese Vorschriften überprüfen könne, bringe nichts: „Wir wüssten nicht, was er noch zusätzlich feststellen sollte.“

Die Schließzeiten zu verkürzen ist laut Bahn nicht möglich. Auch wenn man die Anlage so umbauen würde, dass sie automatisch statt manuell zu bedienen ist, würde dies „nur zu einer geringfügigen Senkung der Schließzeiten führen“ und etwa 700000 Euro kosten. Dennoch möchte sich der Rat im Sommer ausführlicher mit dem Thema Bahnübergänge beschäftigen: Es soll an einer größeren Vorlage zum Übergang Galgenfeld gearbeitet werden, kündigte Priemer an. Und dann soll auch wieder über die Mindener Straße diskutiert werden. mld

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