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Allein 33 Schäden in vier Wochen

Gasversorgung Allein 33 Schäden in vier Wochen

Es sieht merkwürdig aus, wenn Beran Capa und Edgar Gretschmann durch Rinteln laufen. Beide tragen neonfarbene Kleidung, beinahe wie Mitarbeiter des Bauhofes, und tragen Gerätschaften mit sich. Capan läuft voran, hat einen Laptop vor den Bauch geschnallt und trägt einen Stadtplan mit sich.

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Was machen die denn da? Beran Capa (vorne) und Edgar Gretschmann unterwegs in Rinteln.

Quelle: mld

Rinteln. Gretschmann folgt ihm, und an einer langen Stange führt er eine Art Metallplatte über den Boden. So gehen beiden Wege und Bürgersteige in Rinteln ab. Wochenlang.

Capan und Gretschmann überprüfen die Gasleitungen der Stadt auf Lecks oder Schäden. Sie arbeiten für die Firma „Dräger und Howarde“ aus Iserlohn, die Rohrnetzüberwachungen durchführt. Sie kontrolliert deutschlandweit Rohre, zuletzt in Stuttgart. Für eine Stadt von der Größe Rintelns brauchen sie eigentlich vier bis sechs Wochen – doch diesmal werden sie voraussichtlich länger benötigen. „In vier Wochen haben wir schon 33 Schäden gefunden“, sagt Capan. Ist Rinteln ein besonderes Problemkind? Drohen Gaslecks? Betrifft das die Bürger?

Thomas Seewald, Technischer Leiter der Stadtwerke, beruhigt. Es liege am Wetter, dass so viele Schäden an den Leitungen unter Straßen und Gehwegen festgestellt würden. Das Ergebnis der Überprüfungen sei immer abhängig vom Klima. Das Jahr sei bislang sehr trocken gewesen, weswegen auch der Sand unter den Wegen ausgetrocknet sei. Dementsprechend kurz ist der Weg von eventuell austretendem Gas an die Erdoberfläche und wird von dem Messgerät, das Gretschmann mit sich führt, eher erkannt.

Wäre der Sand nass und seine Dichte entsprechend höher, wäre der Weg weiter. Dementsprechend werden die Gasleitungen bei Regen oder Frost nicht überprüft.

Was passiert bei einer solchen Überprüfung?

Die Gasrohre in Rintelns Boden bestehen aus jeweils unterschiedlichem Material und liegen seit unterschiedlich langer Zeit dort. „Mehr als 60 Prozent der Rohre“, sagt Seewald, „bestehen aus modernem Polyethylen, also Kunststoff.“ Früher aber wurden auch Stahlleitungen benutzt, die gegen Korrosion isoliert wurden, oder Gussleitungen, die ineinander verschraubt waren. Die Gewinde wurden mit Hanf abgedichtet.

Das war kein Problem, weil Gas früher einen höheren Schmierstoffgehalt hatte, was die Rohre dichter machte. Mit der Umstellung auf Ferngas blieb der Ölgehalt aus. Die Folge: Die Schraubmuffen der Rohre wurden trocken und damit undichter. Stahlleitungen können außerdem durch Lochfraß und jede Leitung beispielsweise bei Bauarbeiten beschädigt werden.

Das Regelwerk sieht daher regelmäßige Kontrollen aller Gasleitungen vor. Anhand eines Plans wissen Capan und Gretschmann, wo sie kontrollieren müssen. Capan ist sogenannter Gasrohrnetzprüfer oder „Gasspürer“, wie er selbst sagt.

Das Gasspürgerät, für das Gretschmann verantwortlich ist, kann man sich wie eine Art Staubsauger vorstellen: Luft wird abgesaugt und durch das Messgerät geführt. Es schlägt dann an, wenn die Konzentration von zugesetztem Odormittel einen bestimmten Wert überschreitet.

Odormittel wird dem Gas erst bei den Stadtwerken künstlich zugeführt. Es lässt das Gas nach Schwefel riechen, sodass schnell erkannt werden kann, wenn irgendwo welches austritt. „Dann hat das Gas aber immer noch eine Konzentration, in der es nicht zündfähig ist“, erklärt Seewald. Sowieso sei austretendes Erdgas durch die sofortige Mischung mit Luft schwer entzündlich.

Schäden per GPS lokalisiert

Schlägt das Messgerät an, vermerkt Capan mithilfe von GPS-Koordinaten die Stelle. Dies wird an die Stadtwerke zurückgemeldet, sodass die Schäden gesammelt, kategorisiert und beseitigt werden können.

Meist schlägt das Gerät bei sogenannten „C-Stellen“ an, also Schäden, die kaum merklich sind und deren Reparatur Zeit hat. „B-Stellen“ werden innerhalb von 14 Tagen repariert, „A-Stellen“ am nächsten Werktag. In diesem Jahr sei genau eine solche A-Stelle in Rinteln gefunden worden, erklärt Seewald. Aufgetreten sei sie an einer geschraubten Gussleitung.

Diese Erhebung dient den Stadtwerken auch für die Statistik etwas: So kann genau festgehalten werden, welche Gasleitungen welchen Alters, mit welchem Druck und aus welchem Material wie anfällig sind. „Manche Leitungen können 100 Jahre alt werden“, sagt Seewald, „manche nur 40.“ Je nach Schäden pro Kilometer wird bestimmt, wann die Rohre wieder kontrolliert werden, mindestens jedoch einmal im Jahr.

Leitungen, die hohem Druck ausgesetzt sind, werden alle sechs Monate überprüft, Ferngasleitungen einmal im Monat, unter anderem per Hubschrauber – doch dafür ist nicht mehr die Stadt Rinteln zuständig.  mld

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